Mathias Gnida | Flugangst-Experte - Empfiehlst du beruhigende Musik oder ist das eher so wie Pflaster auf Gips?

Shownotes

Wenn das Flugzeug beschleunigt, die Triebwerke lauter werden und wenige Sekunden später plötzlich dieses merkwürdige Gefühl im Bauch entsteht, beginnt bei manchen Menschen bereits das Kopfkino. Was war dieses Geräusch? Warum fühlt es sich an, als würde das Flugzeug absacken? Und wie gefährlich sind Turbulenzen eigentlich wirklich? Mathias Gnida kennt diese Fragen. Als Flugangst-Experte hilft er Menschen dabei, das Fliegen nicht länger als Bedrohung zu erleben – und verbindet dabei technisches Wissen mit einem Verständnis dafür, wie Angst überhaupt entsteht.

Flugzeuge begleiten Mathias schon seit seiner Kindheit. Geboren in Hamburg und geprägt durch eine Familie mit Verbindung zur Luftfahrt, wollte er früh Pilot werden. Auf den Rat seines Vaters, zunächst „etwas Vernünftiges“ zu lernen, folgte eine Ausbildung zum Flugzeugmechaniker. Später studierte er Maschinenbau mit Schwerpunkt Flugzeugsystemtechnik und wurde schließlich selbst Verkehrsflugzeugführer. Seit 2010 beschäftigt er sich auch beruflich intensiv damit, Menschen beim Umgang mit Flugangst zu unterstützen.

Im Gespräch mit André Puchta erklärt Mathias, warum Flugangst nicht angeboren sein muss, sondern sich durch Erlebnisse, Stress, Unsicherheit oder mediale Berichterstattung entwickeln kann. Ein einziger turbulenter Flug kann genügen, um vor der nächsten Reise plötzlich ganz andere Gedanken zu haben. Wer nicht versteht, was im Flugzeug geschieht, füllt die Wissenslücken schnell mit eigenen Vorstellungen – und die fallen bei Angst selten besonders optimistisch aus.

Deshalb geht es ausführlich um jene Situationen, die viele Passagiere nervös machen. Warum werden kurz nach dem Start die Triebwerke leiser? Weshalb entsteht manchmal das Gefühl, das Flugzeug würde plötzlich absacken, obwohl es weiterhin steigt? Was passiert bei Turbulenzen? Welche Rolle spielen Wetter, Berge und Luftströmungen? Und warum ist der Blick aus dem Fenster am Morgen keine zuverlässige Vorhersage dafür, ob der bevorstehende Flug ruhig oder unruhig wird? Mathias nimmt mit hinter die Kulissen der Luftfahrt und erklärt verständlich, was Passagiere wahrnehmen – und was tatsächlich passiert.

Dabei macht er deutlich, dass Flugangst nicht allein mit ein paar beruhigenden Fakten verschwindet. Wissen kann ein wichtiger Baustein sein, muss aber mit der Auseinandersetzung mit den eigenen Gedanken und Reaktionen verbunden werden. In seinen Seminaren geht es deshalb auch darum, Katastrophengedanken zu erkennen, neu einzuordnen und die Flugsituation nicht ständig zu vermeiden. Denn wer sich im Flugzeug sofort abschottet, Kopfhörer aufsetzt, die Augen schließt oder versucht, möglichst wenig mitzubekommen, kann zwar den einzelnen Flug überstehen – die eigentliche Angst bleibt dadurch möglicherweise bestehen.

Auch Alkohol oder Medikamente sind für Mathias keine nachhaltige Lösung gegen Flugangst. Entscheidend sei vielmehr, sich mit der eigenen Angst auseinanderzusetzen und neue Erfahrungen zuzulassen. In seinen Präsenzseminaren können Teilnehmerinnen und Teilnehmer deshalb das Gelernte anschließend auf einem realen Linienflug ausprobieren. Mathias begleitet sie dabei als Coach, hält sich aber möglichst zurück. Schließlich sollen sie erleben, dass sie die Situation auch selbst bewältigen können.

Natürlich kommen auch die klassischen Fragen auf den Tisch: Gibt es den sichersten Sitzplatz im Flugzeug? Wie intensiv werden Piloten trainiert? Was passiert bei Schnee und Eis? Wie sicher ist ein Flugzeug bei einem Blitzeinschlag? Was unterscheidet eine Notlandung von anderen außerplanmäßigen Landungen? Und weshalb schmeckt Tomatensaft über den Wolken plötzlich vielen Menschen besser? Eine Folge, die mit einigen Mythen aufräumt und zeigt, wie viele technische und menschliche Sicherheitsmechanismen hinter einem scheinbar alltäglichen Flug stecken.

Neben Luftfahrt und Flugangst gibt es bei Mathias übrigens auch ein Leben auf festem Boden. Er spielt Gitarre, kocht gerne und besitzt eine UEFA-B-Trainerlizenz im Fußball. Ganz ohne Bewegung geht es für den Mann mit „Kerosin im Blut“ also offenbar auch am Boden nicht. In dieser Folge von „Schüchtern bis nüchtern“ spricht Mathias Gnida über die Psychologie der Angst, die Faszination des Fliegens und darüber, warum der beste Weg zu einem entspannteren Flug nicht darin besteht, möglichst wenig mitzubekommen – sondern möglichst viel zu verstehen.

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