Florian Hacke | Kabarettist, Comedian und Poetry-Slammer – Darf man eigentlich noch über alles lachen?
Shownotes
Florian Hacke ist Schauspieler, Kabarettist und Comedian – vor allem aber jemand, der mit Humor auf die großen und kleinen Absurditäten unseres Lebens blickt. Als dreifacher Vater weiß er außerdem ziemlich genau, wie schmal der Grat zwischen Familienglück und komplettem Wahnsinn sein kann. Genau davon erzählt auch sein Buch „Ich könnte SCHREIEN (manchmal auch vor Glück) – Familienalltag für Furchtlose“. Mit André Puchta spricht Florian Hacke über moderne Vaterschaft, Elternzeit und die Frage, warum Familie gleichzeitig wunderschön und wahnsinnig anstrengend sein kann. Es geht um Rollenbilder und Erziehung, Mental Load und gesellschaftliche Erwartungen, aber auch um Humor in Zeiten, in denen gefühlt über alles gestritten wird.
Im Podcast „Schüchtern bis nüchtern“ begrüßt André Puchta spannende Charaktere mit außergewöhnlichen Berufen, Lebensentwürfen oder Leidenschaften. Eine Bühne für Biografien, die man nicht erfinden könnte. Hier trifft Kuhfriseur auf Detektiv, Domina auf Pfarrerin, Dildo-Designerin auf Tatortreinigerin, Human Puppy auf Ordensfrau und Hebamme auf Tantra-Trainer. Ein Podcast über das Ungewöhnliche – und das, was uns verbindet.
Transkript anzeigen
00:00:01: hinter jedem beruf steckt ein mensch hinter jedem menschen
00:00:05: steckt
00:00:06: eine geschichte.
00:00:08: herzlich willkommen zu
00:00:10: schüchtern
00:00:11: bis nüchter
00:00:13: mit andre
00:00:14: puchta fast live aus berlin.
00:00:18: und jetzt geht's los.
00:00:23: florian hacke kennt ganz unterschiedliche bühnen.
00:00:26: er spielte schiller und shakes beer stand für große musical produktionen in berlin & hamburg auf der bühne und arbeitete für film und fernsehen.
00:00:35: Heute erzählt er vor allem seine eigenen Geschichten, als Kaparatist, Comedian, Autor und weifacher Vater.
00:00:43: Sein Humor entsteht dort wo gesellschaftliche Erwartungen auf den ganz normalen Familienwahnsinn treffen.
00:00:49: Er spricht über Elternzeit, Männerbilder, Selbstoptimierung politische Empörung und die verzweifelte Hoffnung trotz Krisen Kriegen- und Kindergeburtstagen ein halbwegs anständiger Mensch zu bleiben.
00:01:03: Dabei ist Florian Hacke weder ausschließlich Kapparatist noch nur Komedien.
00:01:07: Er verbindet präzise Beobachtungen mit Haltung, Schauspiel mit Stand Up und gesellschaftliche Fragen mit dem Alltag zwischen Brotdosen, Rheumklischees und Erschöpfung.
00:01:18: Ich freue mich auf ein Gespräch über Theater- und Familie – über Humor als Überlebensstrategie, über die Schwierigkeit authentisch zu bleiben und über die Frage ob man die Welt auch dann noch ernst nehmen kann wenn man sehr genau hinschaut.
00:01:31: Herzlich Willkommen bei Schüchtern bis Nüchdern Florian Hacke.
00:01:35: Toll, herzlich willkommen!
00:01:36: Danke für die Einladung, ich freu mich sehr.
00:01:38: Lieber Florian du bist gerne gesehen in meinem Podcast und wenn wir mal auf Deutschland blicken im Herbst-Zweißen sechsundzwanzig Wenn Du dieses Land als Bühnenfigur schreiben müsstest.
00:01:49: was wäre das für ein Typ?
00:01:52: Ich glaube dass wäre ein mittelalter weißer nass geregneter Mann mit bisschen Rötenschmerzen, bisschen krumm der schlechter gelaunt ist, als er sein müsste.
00:02:02: Der so ein bisschen Optimismus vertragen könnte und sich zu viele Sorgen macht und an anderer Stelle auch zu wenig Sorgen machen.
00:02:09: Na ja ziemlich komplexe aber eher n bisschen mürrische Person wahrscheinlich.
00:02:14: Ja wir diskutieren ja in diesen Tagen über Wirtschaftskrise, über Krieg, Migrationen, über Trump Klimawandel, künstliche Intelligenz.
00:02:22: da gibt es so viele Themen.
00:02:23: kann man den twenty sechsundzwanzig deiner Meinung nach überhaupt noch unbeschwert lustig sein?
00:02:30: Ich glaube, es ist lustig sein, wenn man unbeschwert gar nicht unbedingt zusammengehen muss.
00:02:35: Ich glaube Humor entsteht auch aus Tragödie und Schmerz und Wut.
00:02:41: Und ich bin noch gar nicht so ein Fender von Konflikte oder Probleme weg zu lachen, sondern sich zwar Erleichterung zu verschaffen durch das Lachen vielleicht aber trotzdem nicht die ernste und tiefe Dimensionen zu vergessen.
00:02:55: also nur so haha damit's einem gleich besser geht.
00:02:58: Das machen ja ganz viele schon, da bin ich nicht so der Richtige dafür.
00:03:02: Ja, ich erwähne das bei fast jedem politischen Thema.
00:03:05: mittlerweile ist sich innerhalb von Minuten zwei Lagerbilden... Ist denn da die Fähigkeit vielleicht auch verschwunden einfach mal zu sagen?
00:03:12: Ich weiß es nicht!
00:03:15: Ich bin da ganz doll dafür.
00:03:16: also ich weiß ganz viele Sachen nicht und ich glaube dass ist ein guter Zustand.
00:03:25: alle reden über die Meinungsfreiheit und ich denke, meinungsfrei ist toll.
00:03:29: Aber vorher nachdenken und recherchieren und überlegen ob man überhaupt eine Meinung haben muss, ist eigentlich auch ganz gut für mich.
00:03:39: Definitiv!
00:03:40: Was ist denn auf einer Bühne schwieriger zu kontrollieren?
00:03:42: Das Publikum oder drei Kinder?
00:03:47: Auf der Bühnen habe ich die drei Kinder nicht dabei.
00:03:53: Wann kommst du wieder?
00:03:54: Bringe da bitte ein bisschen Weingummi von Catering mit.
00:03:57: Aber... Ich genieße es schon, ich sag immer halb im Scherz und halb in Ernst Auf der Bühne ist der einzige Moment wo ich angefangene Sätze auch in Ruhe beenden kann Und im Backstage kann ich auch alleine aufs Klo gehen.
00:04:12: Es ist zuhause nicht so.
00:04:14: Ja das würde sich wahrscheinlich der US-Präsident manchmal auch wünschen dass er alleine zur Toilette darf.
00:04:19: Auf einer gewissen Position.
00:04:20: Das geht glaube ich nicht mehr nie.
00:04:22: Die Zeiten sind vorbei.
00:04:24: Du bist in Hannover geboren und du hast später in Rostock Schauspiel studiert, wann hast du den zum ersten Mal gespürt dass
00:04:31: die
00:04:31: Bühne für dich mehr sein könnte als ein... nennen wir es mal als ein Ort an dem man sich für ein paar Stunden verkleidet?
00:04:39: Das war relativ früh.
00:04:41: ich weiß das ist fast so'n Klischee.
00:04:42: Ich hab da schon als Kind mir gewünscht und so.
00:04:44: aber ich habe glaube ich mit drei zehn vierzehn zum ersten mal in der Schule Theater gespielt.
00:04:51: Ich habe vorher viel Musik gemacht und im Chor gesungen.
00:04:54: Und auf der Bühne hat das irgendwie gleich gut funktioniert, und am nächsten Tag nach der Krimäre haben mich auf dem Schulhof Leute wahrgenommen und gegrüßt die mich vorher ignoriert hatten.
00:05:04: Da dachte ich so oh das ist ja cool!
00:05:06: Es macht Spaß und es kommt gut an... ...und dann hat sich das einfach in die Richtung so entwickelt, da hab' ich's immer weitergemacht.. ..und so spätestens mit sechzehn war dann klar dass ich das auf jeden Fall beruflich machen möchte.
00:05:18: Ja, man mit sechzehn beschäftigt mir sicher vielleicht auch noch mit anderen Themen.
00:05:21: Man möchte abends mal in die Diskothek gehen oder einfach mal das Leben genießen.
00:05:26: Ging denn diese Entscheidung für diesen Beruf?
00:05:27: Das Schauspiel... In dieser Zeit als du sechzen warst doch von einem konkreten Erlebnis aus oder von einem Lehrer oder von einer Theateraufführung einer bestimmten oder von dem Wunsch heraus in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen was war denn da der Auslöser für dich?
00:05:43: Ich hatte eine zu seiltolle Theater AG in der Schule und wenn du sagst abends das Leben genießen im Clubs.
00:05:51: In der Theater AG treffen sich... Meistens die Leute, die das eben nicht so machen.
00:05:56: Die dann eben nicht in Clubs gehen sondern am Abend in der Garderobe stehen oder in der Aula stehen und irgendwie noch Schiller proben und Shakespeare-Ferse auswendig lernen und die da so ein bisschen ihre latenten nördige eigene Welt sich erschaffen.
00:06:10: Und das war eher so mein Zuhause.
00:06:11: also ich war wirklich selten in Clups oder wie es damals noch hieß Diskotheken wirklich eher in Bühnen oder dann in Hannover mit Schauspielhaus unterwegs und habe mich darum getrieben.
00:06:25: Aber so tanzen gegangen bin ich eigentlich zum ersten Mal dann richtig auf der Schauspielschule, weil es dann da die Partys waren.
00:06:32: Da war man aber auch ein bisschen unter sich.
00:06:34: Es war eine relativ überschaubare Gruppe von Leuten.
00:06:37: So du warst damals an der Hochschule für Musik- und Theater im Rostock.
00:06:40: Da hast du deinen Schausspielstudium absolviert.
00:06:43: Diese Schauspielschulen, die gelten ja also Orte an den Menschen sehr viel über Stimme, ihren Körperrollen lernen.
00:06:51: Aber manchmal auch ziemlich schonungslos mit sich selbst konfrontiert werden.
00:06:56: Was hast du denn dort über Florian Hacke gelernt?
00:06:59: Also Rostock hatte einen Ruf damals noch gehabt wie es heute ist weiß ich gar nicht mehr eine alten Ostschule.
00:07:08: Die andere bekannte Schule ist ja die Ernst Busch und die waren damals zusammen organisiert.
00:07:14: Und das war schon eine ordentliche harte Schule, in der Kardaschmiede sozusagen und es war relativ technisch und auch sehr verschult.
00:07:23: Wir waren elf Leute im Semester und anders als im vielleicht geisteswissenschaftlichen Studium gab's ja nicht irgendwelche Wahlfächer oder die Möglichkeit komme ich heute, komme ich morgen sondern wir hatten Stundenplan eigentlich von morgens um acht bis namens um fünf Und wenn man zweimal unentschuldig gefehlt hätte, wäre man rausgeflogen.
00:07:43: Also das war schon ... war schon streng und auch sehr gut strukturiert was für mich gut war.
00:07:50: Wir hatten sehr viel Einzelunterricht der Gruppenunterricht und haben schon wirklich Stimme Körperfechten Akrobatik Diktion aber auch Theaterwissenschaft, Philosophie und eben ganz viel Schauspiel gemacht.
00:08:03: es war rund um die Uhr vier Jahre und super intensiv.
00:08:08: Ich fand das wahnsinnig anstrengend, wahnsinnigt toll und ich würde es immer wieder machen.
00:08:12: Ja so eine Schauspieler Ausbildung verlangt ja nicht nur darstellerisches Können sondern auch eine intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Wirkung.
00:08:23: Ich habe bei der Vorbereitung dieser Folge mit einigen Freunden gesprochen die auch im Schauspieltbereich unterwegs sind und die meinten zu mir man muss bereit sein sich zu zeigen und denkt trotzdem ständig darüber nach ob das was man zeigt überhaupt genügt.
00:08:37: Kannst du das so ein bisschen nachvollziehen und bestätigen?
00:08:40: Ja, total.
00:08:41: Also eine Dozentin von mir hat mal das Bild erklärt.
00:08:45: Man ist quasi Zugführer von zwei ICEs gleichzeitig die mit höchstgeschwindigkeit fahren.
00:08:50: also Du bist als Schauspieler der, der es macht Und Die Rolle eben spielt dann live im Publikum aber auch der der irgendwie dafür verantwortlich ist während du das erlebst und tust darauf zu achten, dass du im Licht stehst und dass du die richtigen Requisiten an den richtigen Leuten gibst.
00:09:08: Und die richtige Sätze sagst es ist schon eine maximale Herausforderung und dann eben sich zu erlauben sich trotzdem nicht so zu kontrollieren sondern einfach in dem Moment die Dinge zu tun die zu tun sind und nicht zu gucken oh wie wirklich jetzt weil ich glaube wenn man das macht ist es schlecht weil mal die Wirkung nicht wirklich Ähm, in der Hand hat.
00:09:33: Das machen wir dann andere ähm.
00:09:35: und dann eben auch das uralte Klischee was man alles fühlen muss und so.
00:09:40: Da war auch Rostauschschule eher ein bisschen strenger und wenn man zu lange in der Ecke stand vor einer Aufführung wurde gesagt catch die nicht ein.
00:09:47: ne also so ist dich von Method acting und so Also zu viel selber in sich drin fühlen und an die tote Oma denken damit man schön traurig wird.
00:09:57: So wurde ich nicht ausgebildet, sondern eher handwerklich Dinge zu tun.
00:10:02: Vorgänge zu erledigen und zu erleben das eben das Publikum dann die Emotion hat und nicht unbedingt ich.
00:10:09: Das hat mir später im Beruf super viel geholfen zum Beispiel wenn ich ein Stück über Jahre lang keine Ahnung fünfhundert Mal spiele Ich glaube wenn man da fünfhundert mal immer selber an die eigene Leidensgeschichte denken muss um sich irgendwas hervorzurufen das stelle ich mir irgendwie ungesund vor, sondern eher durch Handwerk und Technik Dinge herzustellen die dann eben auch die Leute eine Wirkung haben, die ja auch dafür bezahlt haben.
00:10:39: Ja
00:10:39: bei dir ist es die verstorbene Oma, bei mir wäre es mein Teddyhunter gewesen.
00:10:43: den habe ich mal als Kind zu heiß geföhnt.
00:10:45: Das ging leider nicht ganz so gut aus.
00:10:47: Gott hab ihn selig.
00:10:48: aber das sind so Sachen.
00:10:49: da war man als Kind schon traurig.
00:10:51: Ich glaube, das auch.
00:10:52: Nach fünfhundert Vorstellungen funktioniert es dann nicht mehr so wirklich ständig an einem Todesfall zu denken damit die Stimmung sich der Situation anpasst?
00:11:00: Nein, ich glaube sowas nutzt sich ab.
00:11:03: Jeder hat eine Art von Schmerzverarbeitung, ist ja auch total gesund und gut.
00:11:07: Und wenn man so eine Erinnerung dann irgendwie zur Tode prügelt, ist die irgendwann einfach nichts mehr wert.
00:11:13: Das ist ja schade!
00:11:14: Es sind deine Erinnerungen, es sind dein Hamster und meine Erinneren... Da von vielleicht zähren aber die irgendwie zu marken zu tragen bis sie tot ist das ist schade eigentlich.
00:11:28: Inwiefern hilft dir denn dieser ausbild um heute bei stand up timing Figuren wechseln und dem direkten Kontakt mit dem Publikum?
00:11:36: Total viel also erst mal stimmlich.
00:11:39: sprachlich merke ich dass sich gut ausgebildet und gut aufgestellt bin.
00:11:45: Ich mache das ganz auf, dass ich zwischen verschiedenen Figuren hin und her switche Und das fällt mir einfach aus Erfahrung leicht.
00:11:51: Also ich kann relativ schnell und ohne Übergänge eine Szene spielen mit mehreren Figuren, die sich unterhalten oder die im Streit sind oder so.
00:12:03: Und eben auch so schnell wechseln und so schnell spielen in Haltungstimme und Gedanken dass es für die Leute auch nachvollziehbar und ablesbar ist.
00:12:13: Das ist natürlich super!
00:12:14: Davon zähre ich viel wirklich.
00:12:16: Nun haben wir beide in der Vergangenheit schon an einem Theater gearbeitet.
00:12:19: Bei mir war es der Friedrichstadtpalast im Berlin, bei dir war es unter anderem das Theater in Lübeck und da hast du ja ein mehr als vierzig Produktionen auch gespielt.
00:12:28: Ich kann mir zwar die Antwort schon so ein bisschen denken aber die Zuhörer vielleicht nicht.
00:12:31: Was lernt man denn in einem festen Ensemble über Menschen?
00:12:35: Über Eitelkeiten und dass gemeinsame scheitern?
00:12:40: Erstmal an so einem mittelgroßen Theater wie Lübeck spielt man, wenn mein Test im Ensemble ist sehr viel und auch Rollen die man sonst vielleicht nicht spielen würde.
00:12:50: Wir haben da ihren festen Stamm von Kolleginnen und Kollegen und müssen eben dann alle Produktion besetzen und ich wurde das sehr divers eingesetzt.
00:13:00: Es war einfach super!
00:13:02: Und natürlich, manche Rollen liegen hier mehr, manchen weniger.
00:13:05: Manche sind einfacher, manches schwieriger.
00:13:09: Früher habe ich immer gedacht, oh was ist denn meine Traumrolle und welche Rolle will ich unbedingt mal spielen?
00:13:14: Dann sagen Leute sowas wie Hamlet oder King Lea.
00:13:18: Und mit den Jahren hab' ich dann gemerkt es geht gar nicht um Traumrollen sondern um Traummteam.
00:13:23: Also wenn du Hamlet mit den dürften Leuten in einer schlechten Regie auffüllen musst ist das ganz schlimm.
00:13:30: Wenn du eine kleine unbedeutende Rolle hast aber in einem super Team wo alle gut zusammen arbeiten und ihr gemeinsame Vision haben und das toll machen wollen, dann ist es super!
00:13:39: Und deswegen ist auch scheitern immer grobbenabhängig.
00:13:43: Also man kann auch in der guten Inszenierung mal einen schlechten Abend haben, da spielst du einfach mal schlecht.
00:13:48: Da drückt man sich dann ganz mies und geht hinterher zu den Freunden und sagt heute Abend war ich total schlecht.
00:13:54: Und lustige Weise ist die Wirkung nach außen immer so ein bisschen konträr.
00:13:58: Ich habe es oft erlebt wenn man irgendwie denkt hey heute wars super dass dann die Kollegen sagen naja normal.
00:14:06: oder wenn man irgendwie denkt heute war ich total schlecht, dass er nach auf jeden Fall aus dem Publikum jemand kommt und sagt das war unglaublich toll.
00:14:14: Deswegen habe ich gelernt so meiner eigenen Wahrnehmung was die Wirkung angeht, gerade ist es viel bedeutend zu schenken sondern eher zu denken ne?
00:14:23: Ich mache das so gut ich kann und hab von einem anderen Kollegen, den mich gearbeitet haben etwas ganz Tolles gelernt und zwar Man soll ja immer seine hundert Prozent geben und das auch richtig.
00:14:34: aber hat der gesagt Die Hundert Prozent sind jeden Tag anders, also der Ausschlag auf der Skala ist jeden Tag unterschiedlich hoch.
00:14:42: Und meine hundert Prozent heute sind vielleicht nicht meine hunderte Prozent morgen und das erlaubt auch so ein bisschen Entspannung.
00:14:48: im Sinne von gestern habe ich es aber so gemacht und nie.
00:14:52: Es ist immer anders.
00:14:54: Das Wetter die Welt Ich die Leute Publikum Kollegen Kolleginnen alle sind anders.
00:14:58: Deswegen sind auch die hundert prozent die ich am Abend geben kann immer andere.
00:15:03: Und so, solange ich versuche die zu erreichen ist es okay wenn es unterschiedlich ist.
00:15:08: Das ist auch schön und lebendig!
00:15:09: Das ist total spannend.
00:15:10: denn das was du antwortest, das deckt sich komplett mit der Antwort eines Gastes den ich vor wenigen Tagen bei mir begrüßen durfte.
00:15:18: Die wunderbare Brigitte Oekel, die Killer Queen aus We Will Rock You.
00:15:24: Eine wunderbare Dame, mit der ich auch einige Jahre zusammenarbeiten durfte am Theater und Brigitte erwähnte das auch diese Fremd- und Eigenwahrnehmung die dann auseinander klafft.
00:15:33: Man glaubt man ist heute echt super gewesen.
00:15:35: und dann bekommt man eben dieses nicht so schöne Feedback oder im Gegensatz oder zwei Tage später es geht einem nicht so gut man fühlt sich vielleicht nur auf siebzig Prozent und das Publikum Standing Ovation und alle sagen also heute war's eine besonders klasse.
00:15:48: Da muss man sich so ein bisschen daran gewöhnen.
00:15:50: und ich hatte sie damals auch gefragt, ob Sie denn Ihre eigenen Kritiken eigentlich noch liest.
00:15:53: Wie ist das denn bei dir?
00:15:57: Ich glaube den Leuten immer nicht die sagen, ich lese es alles nicht!
00:16:02: Ich lese schon und habe auch schon Verrisse gelesen, dass ist mich schön... ...ich hab' auch schon Sachen gelesen wo drinnen schnell wie super erst war, das ist toll und man darf dem nicht allzu viel Bedeutung schenken.
00:16:12: aber ignorieren würde ich jetzt nicht.
00:16:15: also dafür ist er einfach da.
00:16:17: Und jetzt gerade auf Social Media und so kriegt man Sachen auch wirklich sehr schnell zu sehen.
00:16:24: Das ist auch wirklich schnelllebig, also wenn heute ein Paristrin steht interessiert es morgen auch kein mehr.
00:16:30: Also man muss das nicht so schwer nehmen glaube ich.
00:16:33: Ein ehemaliger Arbeitskollege von mir am Theater meinte mal man lernt am Theater dass niemand allein einen guten Abend herstellen kann?
00:16:40: Ich glaube das.
00:16:41: können wir so bestätigen, denn Theater ist ja eine wunderbare soziale Versuchsanordnung.
00:16:45: Nenn ich es im All der Arbeit den Mann sehr eng miteinander zusammen.
00:16:48: Man möchte Kunst schaffen hat gleichzeitig mit Dienstplänen und Befindlichkeiten oder mit einem Requisit zu tun das vielleicht schon seit drei Proben an der falschen Stelle steht.
00:16:57: Du hast ja verschiedene Figuren gespielt unter anderem Don Carlos.
00:17:00: was ist denn schwieriger einen großen Theaterhelden glaubwürdig zu verkörpern?
00:17:04: Oder als Florian Hackel allein auf der Bühne zu stehen?
00:17:08: tatsächlich Als Florian Hacke ist das schwieriger, weil man viel ungeschützter ist.
00:17:13: Ich habe das wirklich schätzen gelernt.
00:17:15: ich hab die Erfahrung gemacht wenn du Don Carlos spielst bist du geschützt durch den Text von Schiller und Schiller spielt sich immer super.
00:17:22: also Wenn du Schiller ganz klar und aktuell denken kannst wozu ich zum Glück in Rostock ausgebildet wurde dann ist es trotz der alten Formulierungen, eine ganz heutige Sprache.
00:17:37: Wir hatten das damals in Lübeck, dass danach Leute zu uns kamen und meinten ja schade, dass sie die Sprache so aktualisiert habt!
00:17:43: Das war ja in so einer heutigen Sprache, warum habt ihr das gemacht?
00:17:46: Da hab ich dann gesagt ne es ist alles schiller.
00:17:48: aber wenn du das einfach klar denkst hörte sich an wie ganz heute und ganz präsent.
00:17:55: Aber dadurch ist man eben geschützt.
00:17:58: Wenn ich jetzt als Ich auf der Bühne stehe mit eigenen Texten habe ich eigentlich kein Kostüm keine Inszenierung, keine Requisiten, keinen Fremdtext und keine Regie.
00:18:10: Sondern es gibt mir eine große Freiheit zum einen aber auch eine große Verantwortung und dadurch auch schon mehr Nervosität aber im guten Sinne.
00:18:20: also ich habe gemerkt dass ich das noch lieber mache.
00:18:24: Ich spiele total gerne Theater wenn der Text gut ist wenn man schlechtig dückert ist immer so ein bisschen doof Aber mit den eigenen Sachen noch mal für mich so ein bisschen die Königsdisziplin, dass ich mir selber ausdenken durfte was ich da spiele und alle Figuren selber erfinde.
00:18:42: Und aber auch wenn ich auf Tour bin den Abend immer so ein bißchen verändere und nach aktueller so bis nach Weltlage und aber auch nach Stimmung und Lust und Laune nehme ich mal eine Nummer raus und eine andere rein und das ist schon sehr lebendig und es ist schon wirklich unglaublich befriedigend und eine große Freude und Ere auch, dass ich das mit mir darf.
00:19:08: Ja als Schauspieler da kannst du dich ja immer noch hinter einer Figur oder einem Kostüm oder einen großen Autor verstecken.
00:19:14: wenn dabei natürlich bei Florian Hackel was schief läuft dann kannst du schlecht Schiller die Schuld geben
00:19:19: Genau!
00:19:19: Oder wenn ich ein Joke schlecht recherchiere dann bin ich auf Schulter an.
00:19:25: Hat sich denn deine Verantwortung geändert?
00:19:27: vom Wechsel oder während des Wechsels, vom Orson-Bildtheater zum Solo-Programm?
00:19:31: Das ist ja schon noch mal was ganz anderes.
00:19:35: Na jetzt am einen bin ich einfach auch für die ganzen Dienstpläne und Reisen und so verantwortlich.
00:19:40: Das war vorher nicht!
00:19:42: Und auch die ganze Bürokratie mit Abrechnung und Steuer... das ist als selbstständiger Solo-Künstler wirklich ein Albtraum.
00:19:52: aber Ja, gerade mit Familie ist das viel kompatibler.
00:19:58: Also wenn du in einem Ensemble bist und der Theatervertrag, der Infosolo-Vertrag hat sich über die letzten Jahre schon auch verändert in Richtung Familienfreundlichkeit also noch nicht ganz aber schon so ein bisschen in die Richtung.
00:20:12: Aber als ich im Theaterfest war, warst du so ein bissel schlecht bezahlter Live eigener.
00:20:18: Also, man musste vor Ort sein.
00:20:20: Wenn du die Stadt verlassen wolltest, brauchtest du einen Urlaubsschein.
00:20:23: Den mussten Intendanzregie und Betriebsbüro unterschreiben.
00:20:29: Und der galt auch auf Widerruf.
00:20:30: also wenn jemand krank wurde musst du doch zurück.
00:20:33: Man war auf jeden Fall Weihnachten immer eingespannt und keine Ahnung.
00:20:38: ich glaube der einzige Grund eine Vorstellung zu verpassen wäre die einzigen Beerdigung und selbst dann hätte man ja eigentlich noch spielen können.
00:20:45: aber wenn ich jetzt meine Tour selbst Plane kann ich schon einfach auf Sachen Rücksicht nehmen so von von Geburtstagen über wichtige Termine oder auch Weihnachten.
00:20:57: Kann ich sagen, da arbeite ich nicht oder im Sommer einfach sagen das sind wir dann weg.
00:21:01: Da gehört es der Familie und Ich kann auch Stichwort Lifestyle Teilzeit so viele Aufträge und Touranfragen annehmen wie ich will Und auch so viele Absagen wie ich Wille und die Balance eben selber schaffen.
00:21:16: Das ist wirklich ein großer Vorteil.
00:21:18: Ja, das ist immer so'n bisschen Fluch und Segen.
00:21:20: als Solo-Künstler da verantwortest du ja dann auch Stoff.
00:21:23: also wir sprechen jetzt nicht von Koks oder so.
00:21:25: Das ist eine andere Begrifflichkeit am Theater.
00:21:29: Haltung, Rhythmus, Wirkung weitgehend selbst.
00:21:31: Du musst dich selbst organisieren.
00:21:32: Du bist eben darauf für dich selbst verantwortlich und musst schauen wie die Aufträge reinkommen.
00:21:36: Genau
00:21:38: Jetzt hast du ja...
00:21:40: Ne alles gut Kannst
00:21:43: du rauschneiden?
00:21:44: Na, das lassen wir alle schön drin.
00:21:47: Ich will dich nur nicht unterbrechen lieber Florian!
00:21:49: Hast du denn aus deiner Theaterzeit eine Rolle mitgenommen die dich stärker geprägt hat als dir damals bewusst war?
00:21:59: Also naja, ich stichwort Lieblingsrolle.
00:22:02: also ich hab einfach bestimmte Rollen wirklich sehr gerne gespielt.
00:22:05: Ich habe Ferdinand in Tabare und Liebe gerne gespürt.
00:22:08: Ich hab dann Carlos gerne gespielt aber auch zum Beispiel äh von Nilia Bude, dass das Maas der Dinge gerne gespielt.
00:22:16: Ähm... Aber so rückwirkend verschwimmt alles zu so einem großen Ganzen.
00:22:23: und ähm ich bin auch nicht so jemand, der sagt so oh meine Theaterfamilie und nur wenn ich da bin habe die Leute um mich und so.
00:22:31: Ich hab das Glück, dass ich eine eigene Familie habe und äh die Arbeit dann auch gerne Zuhause lasse.
00:22:36: also wenn ich vom Theater nach Hause gegangen bin habe ich dann auch gedacht nee jetzt ist es vorbei und jetzt habe ich mal eine eigene Und das ist irgendwie auch ganz gut.
00:22:44: Auch jetzt merke ich, dass wenn ich von einem großen Auftritt zurückkomme oder wenn ich einen Preis gewonnen habe und alle haben geklatscht und toll und so, dann komme ich nach Hause und meine Kinder interessiert es null.
00:22:57: Das erdet ein sehr schnell und ernüchtert auf eine gute Art und Weise.
00:23:04: diese Art von Wichtigkeit die vielleicht dazu verführen kann mehr von sich zu halten als nötig ist Die wird einem als Vater ganz schnell abtrainiert.
00:23:15: und dann sind solche Sachen wichtig.
00:23:16: Wie kannst du den Leute-Settel unterschreiben oder mit mir Plimobil spielen?
00:23:20: Oder ich will jetzt sofort Schokopudding, dann sind andere Sachen richtig!
00:23:25: Und ich glaube sie sind auch wichtiger oder für mich wichtiger.
00:23:30: und wenn man Theater nicht ganz so ernst nimmt, dann verlebt man die Leichtigkeit auf der Bühne nicht.
00:23:37: Das ist ganz schön.
00:23:38: Dann nenne ich dir mal noch ein anderes Beispiel.
00:23:39: Da gab es ja in Berlin diese Uraufführung von Hinterm Horizont, da hast du die Erstbesetzung des Stasi Fritsche, glaube ich, ist diese Runde gespielt und dieses Musical hat so ein bisschen die Musik von Udo Lindenberg mit einer deutsch-deutschen Liebesgeschichte verbunden und wurde auch zu einer der bekanntesten deutschen Musicalproduktionen.
00:24:01: Wenn man da jeden Abend als Stasi-Mann auf der Bühne steht, färbt das nicht irgendwann ab?
00:24:04: Dass man zu Hause, wenn man mal nach die Tür abschließt vielleicht nochmal dreimal nachschaut.
00:24:08: Was macht der Nachbarer oder muss ich mir sicher ist ob irgendwas in der Wand steckt also irgendwie fern.
00:24:13: gut dass es jetzt vielleicht die andere Seite ein Stasi Mann denkt anders oder dachte anders aber das färb überhaupt nicht ab.
00:24:19: Nee, ach stell dir mal vor, stell dir vor du spielst irgendwie einen Stasimann und bist zuhause von einer Stasi ist sehr schrecklich.
00:24:24: Ich glaube auch da ist meine Ausbildung wirklich so, technisch und handwerklich herstellen kann.
00:24:33: Du fragst ja auch keinen anderen Beruf so, dass du irgendwie denkst wenn du ein Klempner auf einer Party triffst dann sagst du auch nicht so, sagen wir mal wo ist denn dein Werkzeug jetzt gerade?
00:24:42: Wenn der Ferieabend hat, dann ist er auch Privatperson.
00:24:45: oder wenn du einen Bäcker in einer Ampel triff, sagst ihr auch nicht, wo ist dein Teig?
00:24:50: Also ich glaube man spielt das und es ist vorbei Und dann ist auch wieder gut.
00:24:56: Und am nächsten Tag, wenn es wieder losgeht, spielt man's wieder... Also das habe ich nicht erlebt und darum bin ich auch froh!
00:25:04: Und dahinter im Horizont, gerade wenn du das wirklich achtmal die Woche über fast zwei Jahre hab ich das gemacht, spielst du in einer anderen Rolle, Stasi Pachinski hieß sie dann?
00:25:15: Dann ist es wirklich gut genau zu wissen Licht an Spielen, Licht aus nach Hause
00:25:22: Ja aber das ist ja komplett Anders als an einem Stadttheater, da ist alles größer lauter technisch exakt geplant.
00:25:29: Und dann musst du ja auch noch jeden Abend zu tun erst würdest du das erste Mal auf einer Bühne stehen?
00:25:34: Beziehungsweise dass zum ersten mal eben Das würde zum ersten Mal passieren.
00:25:38: darin liegt dir auch eine ganz eigene Disziplin
00:25:41: Ja aber auch eine ganze große Erleichterung.
00:25:44: so wenn man sein Text gelernt hat Als Roller weißt ihr nie wie der Abend vorbei geht.
00:25:50: Du fängst an mit dem ersten Datz und im Idealfall Wissen deine Kolleginnen und Kollegen, was sie dann darauf antworten?
00:25:56: Und was sie dich dann fragen.
00:25:57: Dann passt dein nächster Satz, den du gelernt hast auch wieder!
00:26:00: Und dann spielst du Stück für Stück einfach den Text... ...und nach zwei Stunden hast du die ganze Geschichte erzählt.
00:26:07: Aber auch Don Carlos weiß ja nicht am Anfang, dass er am Ende sterben wird.
00:26:12: Dann wäre das ja schrecklich.
00:26:14: Auch dann wäre es ein ganz anderer Abend.
00:26:15: Sondern der versucht immer, die kleinen Ziele etappenweise zu erreichen.. ..und am Ende geht's dann einfach nicht gut
00:26:21: aus.".
00:26:22: Aber das weiß er am Anfang noch nicht und das hilft auch dabei, es lebendig zu halten einfach immer zuzuhören.
00:26:29: Ich habe auch später an der Job von den Ende Academy – das war die Musicalschule von der Stage Entertainment in Hamburg unterrichtet – und da waren auch manchmal so Studentinnen und Studenten, die sehr beschäftigt waren, sich rumzufühlen.
00:26:43: und so wie klinge ich diese Emotion jetzt nach Tissanini?
00:26:46: Hör mal einfach dem Gügen über zu!
00:26:49: Und was macht der?
00:26:51: und dann guck mal, was willst du?
00:26:53: Oder guckt mal wie du das erreichst.
00:26:55: Und daraus ergibt sich einfach eine ganz leichte Lebendigkeit.
00:27:00: Wie komme ich von A nach B?
00:27:02: hilft oder die andere mir oder stört er oder sie mich?
00:27:05: und dadurch wenn man sich den Vorgang vergegenwärtigt was will ich erreichen?
00:27:12: ist in so einer Partner Szene eigentlich dass das Zuhören immer der beste Weg sich gar nicht zu fragen Was soll ich jetzt machen?
00:27:20: Sondern ach so!
00:27:21: Du machst das, ja dann mach' ich das.
00:27:24: Wie fühlte es sich denn für dich an zu wissen dass man am Ende der Vorstellungen stirbt und das jeden Abend?
00:27:29: Ich habe darüber einfach nie nachgedacht ehrlich gesagt.
00:27:32: Das passiert dann ja... Also einmal hab ich die Oristie gespielt, so eine griechische Tragödie Und da wusste schon, das ist am Ende einfach super blutig und da hab ich mich insofern vorbereitet Da hab ich mir immer ein bisschen eingekremt Damit ich wusste, dann geht das Theaterblut spielt in der Dusche besser ab.
00:27:51: Also da hab' ich schon daran gedacht Ja, das endet so Aber das war eher eine praktische Überlegung.
00:27:56: aber auch wenn man... Wenn du sonst weil Blut in dein Gesicht reinklatscht ist es einfach am besten nicht damit zu rechnen oder nicht daran zu denken Weil man sonst wegzuckt und den Kopf weg macht, wenn man das ja nicht will Und wenn man sich einfach ganz naiv dahin stellt und sich überraschen lässt.
00:28:16: Es ist viel einfacher sich von dem Liederblut, das in deinem Gesicht geschüttet wird überraschen zu lassen als zu spielen.
00:28:23: Oh ich spiele... Als wäre ich überrascht dass das kommt weil es passiert ja sowieso und dann kann man's einfach machen Und das ist ein bisschen weniger Aufwand und bessere Wirkung glaube ich.
00:28:34: Ja wer kennt das nicht sag' ich da nur noch Ja!
00:28:37: Mit dem Blut im Gesicht.
00:28:39: Du warst ja außerdem bei den Gefährten auf der Bühne, das ist... Das war eine Produktion mit lebensgroßen Pferdepuppen.
00:28:46: Ist es denn für einen Schauspieler an Nüchtern wenn eine Puppe möglicherweise mehr Applaus bekommt als man selbst?
00:28:55: Zum Einen bin ich gar nicht so ein Fan von Applaus.
00:28:58: Es heißt immer so, Applaus ist das Brot des Künstlers und stimmt einfach nicht.
00:29:05: Das Brot des Künstlers ist einfach auch Brot so und wenn man noch was oben drauflegen kann, ist auch gut.
00:29:11: Und bei mir ist es immer so vielleicht auch durch dieses achtmal die Woche so lang und jeden Abend spielen.
00:29:18: Immer wenn das Stück vorbei ist und der Applaus kommt denke ich so jetzt weiß ich nicht mehr was ich machen soll.
00:29:24: weil gibt ja auch so Kolleginnen und Kollegen die dann in der Rolle bleiben und sich zum Don Carlos total verletzt verbeugen.
00:29:31: das ist mir mal ein bisschen unangenehm Warte mal, ist doch jetzt vorbei.
00:29:36: Aber ich hab meistens bei hinterm Horizont beim Applaus überlegt was ich noch einkaufen muss oder was ich machen will und ich denke dann immer so es ist vorbei ihr wollt nach Hause?
00:29:49: Ich bin nach Hause nicht so lang.
00:29:51: in England zum Beispiel ist der Applaus sehr super kurz.
00:29:53: da kommen die Leute auf die Bühne einmal Applaus licht an alle gehen nachhause.
00:29:57: das finde ich irgendwie finde ich gut so.
00:29:59: zehn Minuten standing ovations klar denkt man sich das vor weil jetzt bestimmt sehr hohe Kunst.
00:30:04: Aber ich denk dann auch, ja das verpasst sich auch in meinem letzten Bus und deswegen ist Applaus gar nicht die Währung, in der ich unbedingt bezahlt werden möchte.
00:30:15: aber jetzt habe ich eigentlich deine Frage vergessen.
00:30:17: was war die Frage?
00:30:18: Ja die Frage war so ein bisschen... Jetzt hab' ich die Frage schon fast vergessen.
00:30:21: Die Frage war ja ob es für dich für einen Schauspieler dann eher schon auch so ernüchternd ist wenn eine Puppe möglicherweise mehr Applaus bekommt als menschlicher Schauspieler.
00:30:33: Und zwar, diese Puppen haben ja innerhalb von ganz wenigen Sekunden durch die drei Papetiers oder Puppenspieler, die eben dieses Pferd quasi gespielt haben.
00:30:47: So eine Wirkung auch auf mich als Schauspieler auf der Bühne und der ich dann mit dem Pferdinter agiere das nicht nur das Publikum sondern auch ich sofort glaube dass es ein echtes Pferde ist geritten und auch runter geschossen worden.
00:31:03: Und es dann gestreichelt und gefüttert, geführt und gemacht.
00:31:08: Deswegen habe ich das quasi als gleichwertig wahrgenommen.
00:31:13: Wenn sich die drei Papetiers verbeugt haben und riesigen Applaus bogen, habe ich gedacht, dass ist schon verdient!
00:31:19: Weil ich saß ja schon einfach oben drauf und
00:31:22: bin auch schwer
00:31:24: und hab mich oft entschuldigt bei denen und gesagt, tut mir leid, dass ich jetzt wieder da rauf sitze... Aber die haben das schon auch verdient.
00:31:32: und ich fand, dass wirklich vielleicht um auf die Frage von vorhin zurückzukommen.
00:31:38: Das war schon vielleicht das besonderste Theatrische, das ich gespielt habe weil das ganze Ensemble so toll war international und so hart arbeiten und super heterogen als Gruppe gearbeitet hat, dass wir dieses seltsame und besondere Stück jeden Abend spielen konnten.
00:31:57: Das war schon wirklich eines der schönsten Engagements am Theater, das ich bisher hatte bei Gefährten am Theater des Westens in
00:32:03: Berlin.".
00:32:05: Jetzt ist es ja so als Schauspieler wartest du darauf für eine Rolle ausgewählt zu werden?
00:32:09: Als Kapitalist schreibst Du Dir ja Deine Rolle selbst!
00:32:12: Ja toll oder?
00:32:13: Na das ist ne schöne Sache.
00:32:15: aber wie befreiend und wie beängstigend vielleicht auch war denn dieser Wechsel für Dich?
00:32:21: Ich hab das Glück dass ich wirklich seit... Über zwanzig Jahre, ich glaube jetzt vierundzwanzig Jahren eigentlich kontinuierlich arbeite.
00:32:30: Also diese große Angst die ich auch am Anfang hatte so finde ich Engagements oder so habe ich Arbeit.
00:32:36: Die hat sich ein bisschen aufgelöst weil es einfach immer irgendwas zu tun gab entweder Theaterfilm oder auch Werbung Musical Covered Comedy dass ich nie irgendwie lange unbeschäftigt rum saß und nicht wusste was ich tun soll.
00:32:55: Aber der Wechsel zum Kabarett ist insofern toll, weil ich immer nach meinem eigenen Gefühl arbeiten kann und wenn ich mal viel Lust habe irgendwie eine Szene zu schreiben wo zwei Aliens auf der Bühne landen und mich vor der apokalypse fragen ob es sich lohnt mich zu evakuieren dann kann ich das machen und dann gibt's das!
00:33:18: Und da kann ich eben auch die Theatererform dafür nutzen eine Szene schreiben, die waren wirklich glaube ich fünfzehn Minuten lang und dann eben auch diese Szene spielen.
00:33:28: Und auf die habe ich mich warten müssen, sondern auf die hatte ich Lust und da habe ich sie gemacht und dann gab es die.
00:33:36: Das ist schon eine Art von Freiheit.
00:33:38: Ich hab selber Theatertexte geschrieben oder auch für andere Theatermehrtexten geschrieben.
00:33:44: aber wenn ich denn selber spielen darf das ist schon glaube ich das schönste weil ich eben Unabhängig bin von irgendwelchen Karsterinnen oder Karstern, die sagen, deine Haarfarbe passt nicht ganz.
00:33:58: Oder dein Typ passt nicht gar nicht so.
00:34:00: Das ist ja schon gerade auch im Film und Fernsehen oft so dass man für Sachen in Frage kommt aber dann... ...nicht ausgewählt wird weil deine Nase ist mir zu groß.
00:34:11: Dein Partner an der Szene ist ein Kopf kleiner das passt irgendwie nicht.
00:34:15: Und es sind Sachen verstehe ich technisch aber die weigere ich mich so ein bisschen zu akzeptieren weil ich denke ja das ist denn So weiter weit außerhalb von meiner Einflussnahme dass ich denke da habe ich dann auch nicht so richtig motivationen So viel zu investieren Weil ich mir geht es immer lieber um die geschichte und den gedanken und dann mache ich selber
00:34:41: Ja, und das schöne ist das leben das liefert uns ja auch genügend material an Anekdoten.
00:34:45: Also ich stelle mir das immer so vor, du bist auf einem Spielplatz und kommst vielleicht auch mit fremden Eltern ins Gespräch?
00:34:50: Und ist es dann so dass man auch ungefragt Anek-Doten austauscht?
00:34:54: oder unbewusst?
00:34:56: Ja!
00:34:57: Also ein Spielplatz ist ja für Eltern in wahnsinnig langweiliger Orten.
00:35:00: Das ist da wirklich lange und dann weiß man nicht was man machen soll.
00:35:05: und so richtig einen Buch rausholen kannst du auch nicht verständlich irgendwas will und man unterhält sich dann schon mit den anderen Eltern.
00:35:14: Und das ist auch nicht selten langweilig, aber wenn man mit Leuten da ist, die man kennt oder mag und Leute trifft, die lustig sind, erzähl mal sich schon auch lustige Geschichten.
00:35:27: Eltern lügen sie manchmal ein bisschen an und erzählen wie toll alles ist und wie glücklich Sie einfach immer sind.
00:35:34: Da denke ich so.
00:35:35: ja, bist du sicher?
00:35:40: Wenn dann auch immer unschlüssig wie ehrlich man sein darf, weil wenn du solchen Eltern dann erzählst dass du gestern am liebsten deine Kinder an die Wand geklappt hättest.
00:35:50: Du hast es nicht gemacht aber du hättet es gerne gemacht!
00:35:52: Dann gucken sie schon so ein bisschen verstört und dann fühle ich mich immer eher so ein bißchen unwohl.
00:36:00: Aber mit manche Eltern kann man sehr ehrlich reden das ist schon auch lustig befreit.
00:36:05: Ja, ich frage das, da du ja auch aus dem Jahr zwei Tausend Sechzehn und zwei tausend Achtzehn jeweils längere Zeit in Elternzeit warst.
00:36:10: Du hast es mehrfach betont mit einem Augenzwinkern, dass das freiwillig war.
00:36:16: Wie exotisch wurde denn ein Vater damals auf Spielplätzen noch behandelt?
00:36:20: Naja... Ich wurde schon einfach regelmäßig gefragt.
00:36:22: Ach so!
00:36:23: Bist du
00:36:23: arbeitslos?!
00:36:24: Und dann dachte ich, ja schön wär's.
00:36:26: Also mein Tag ist jetzt nicht von Pausen geprägt.
00:36:31: Im Theater hat schon der eine oder andere Regisseur dann so gesagt, achso wirst du jetzt gar nicht mehr spielen hab ich gesagt nie.
00:36:38: Im Moment nicht, ja dann müssen wir dich wohl nicht mehr fragen, dachte ich doch danach dann wieder aber jetzt grad nicht.
00:36:44: Achso also es war dann schön... Also auch in den ganzen Baby-Schwimmen und Piggy-Prope und Mittwoch-Vormittags auf dem Spielplatz habe ich schon hauptsächlich andere Mütter getroffen und war dann auch in so Müttern Whatsapp Gruppen wo ich manchmal darum gebeten habe, dass wir die Elterngruppe nennen und weil ich ja auch dabei bin.
00:37:07: Und ich sehe jetzt schon auch hier in der Stadt Väter mit Babys rumtragen und Kinderwagen schieben und so.
00:37:15: aber wenn du dir Deutschland bei die Statistik anguckst keine Ahnung.
00:37:19: die letzte Zahl die ich kenne sind irgendwie ein paarundzwanzig Prozent von Vätern die das überhaupt nur nehmen und dann aber auch nur diese in Anführungszeichen Väter Monate die ja gar nicht so heißen aber den Namen bekommen haben, weil diese zwei Monate bis jetzt immer von Männern angenommen wurden.
00:37:38: Aber noch von diesen zwanzig Prozent Vätern nehmen, glaube ich auch, achtzig Prozent dann eben nur die zwei Monate ist glaube ich nicht die ganz aktuelle Zahl, aber es ist schon statistisch noch nicht freiswürdig für mich.
00:37:55: Das hat sich einiges geändert, aber was bei Müttern vorausgesetzt wird im Bereich Sorgearbeit wird bei Vätern häufig noch besonders gelobt.
00:38:03: Du hast dich ja zu dieser Zeit auch mit Vaterschaften, mit Rollenbildern beschäftigt und so kam es jetzt zu deinem ersten Solo-Programm Hasenkind.
00:38:11: du stinkst!
00:38:12: Genau Wir hatten diese Reihe von Hasenkindbüchern.
00:38:15: Hasenkind muss Badengehen, hat sich den See gestoßen und weiß nicht wo die Karotten sind.
00:38:22: Und da habe ich eben so eine eskalierte Wutnummer draus gemacht, Hasenkinder schlingst weil man ja abends öfter mal gebeten wird ein Buch zwölfhundertmal am Stück vorzulesen und dann ist man noch nicht auf Seite vier und heißt gleich nochmal Und genau, dieser Abend hat dann das Thema erzählt.
00:38:47: So ein bisschen eben auch vom Spielplatz aus der PK-Gruppe und beim Babyschwimmen weil es eben eine unmittelbare Realität war.
00:38:57: Hat dich denn die Elternzeit zu einem besseren Vater gemacht oder zunächst nur zu einem müderen Menschen?
00:39:04: Also so schlimm Mühde fahren wir gar nicht, weil unsere Kinder Gottlog eigentlich von Anfang an gut geschlafen haben.
00:39:12: Ich glaube, sonst hätten wir auch nicht drei.
00:39:14: Ich glaube das überlegt man sich dann.
00:39:17: Also ich bin mit besser und schlechter immer so ein bisschen vorsichtig, weil... Man versucht immer Sachen besser zu machen und macht sie einfach anders falsch.
00:39:25: Also Elternchaft ist wahnsinnig individuell und auch tagesahum abhängig.
00:39:29: aber ich glaube was hilft so Sachen zu lernen und Routinen zu entwickeln?
00:39:34: Ist schlichtweg Zeit.
00:39:35: also wenn ich irgendwie einen Jahr lang Zuhause bin und alles machen muss und aber auch mache Dann kann ich das besser, als wenn ich Vollzeit arbeite und irgendwie abends nach Hause komme.
00:39:47: Wenn das Leute schon ausgespült ist.
00:39:49: also ich glaube dass es der Vorteil, dass du einfach die Routinen lernen kannst durch durchs machen.
00:39:57: Ja Du hast schon einen
00:39:58: besseren Vater macht
00:40:00: Du bist Vater von drei Kindern, das haben wir heute schon erzählt.
00:40:03: Und Kinder sind ja sehr direkte Coaches!
00:40:05: Sie geben ihr Feedback sofort ungefiltert und notfalls dann auch mal in einem vollbesetzten Supermarkt oder auf einem Spielplatz.
00:40:12: Wie oft erziehen denn Kinder eigentlich ihre Eltern ohne Feuer ein pädagogisches Konzept eingereicht zu haben?
00:40:19: Ach, das hab ich ja auch nicht.
00:40:22: Wann immer ich auch Theaterpädagogische Sachen arbeite, sag' ich immer so, Theaterjahr?
00:40:27: Pädagogisch bin ich nicht da richtig.
00:40:29: Da kenn die mir nicht aus und man liest ja den einen oder anderen Ratgeber oder findet irgendwie auf Social Media irgendwelche selbst ernannten Coaches, wie einem erklären, wie es alles geht und welche fünf Sätze man seinem Kind regelmäßig sagen soll damit später nicht auch dachlos wird.
00:40:49: Das ist am Alltag immer nicht ganz so kompatibel.
00:40:51: Also ich glaube, Improvisationsfähigkeit hat mit der Mehr geholfen im Sinne zu gucken wie das Wetter ist?
00:41:00: Wie ist die Laune?
00:41:01: Was müssen wir schaffen?
00:41:02: Was machen wir jetzt?
00:41:03: und dann einfach im Moment zu gucken, wie kriegen wir das hin?
00:41:07: Und ja... Ich glaube Kinder können einem schon Geduld beibringen Aber man lernt auch einfach rechtzeitig unbemerkt in einen Kissen zu schreien, wenn keiner guckt.
00:41:21: Weil ich war noch nie besonders geduldig und bin es vielleicht ein bisschen mehr geworden aber ich würde jetzt kein Geduldscouching auf Instagram anbieten darf sich nicht was ich erzählen soll.
00:41:35: Dein Humor, der beschäftigt sich mit Sexismus-, Familienrollen-, gesellschaftlichen Widersprüchen und noch mit viele mehr.
00:41:42: Wie findest du denn diese Balance zwischen einer Klarenhaltung... ...und dem Wunsch Menschen nicht nur zu belehren?
00:41:51: Das ist auch eine aktuelle Debatte!
00:41:53: Wie politisch müssen Comedians auch sein oder dürfen sie
00:42:00: sein?!
00:42:01: Und ich glaube da haben wir schon Auch in Deutschland mittlerweile eine gute Bandbreite von Biss.
00:42:08: Und alle müssen da ihr eigenes Ding machen, also für mich wäre irgendwie nur Lachen und so was auch immer funktioniert Frauen- und Männer- und Pimmelwitze- und Haar-Känze-Känsen das langweilt mich schnell und es wären nicht so wirklich meins und das könnte ich glaube ich auch nicht irgendwie authentisch rüberbringen.
00:42:30: Ich habe die Prämisse wenn Leute Geld bezahlen und zwei oder zweieinhalb Stunden zu mir in den Abend kommen, dann finde ich es immer schön wenn sie nicht dümmer nach Hause gehen als sie gekommen sind.
00:42:39: Das ist ein guter Anspruch!
00:42:41: Oder?
00:42:42: Da sehe ich ihnen irgendwie so einen Headtalk oder so eine höchstkursche Kurs an die Backe labere.
00:42:47: aber dass sich schon irgendwie Sachen erzähle und Widersprüche lustig beleuchte, die schon aufs Towns haben damit man vielleicht ins Nachdenken kommt gemeinsam Gemeinsam darüber lachen ich mache mich ja auch selber zur zielscheibe.
00:43:04: aber wenn man irgendwie so über Sachen wie lehrkräftemangel oder rollen klischees Redet das ist ein gutes thema da es viel zu holen einfach und Ich finde die ganzen bitze mit frauen können nicht einparken und der Mann um geschürtelte kann ich einfach nicht dass er schon Einfach hunderttausendmal erzählt und war schon im zweiten mal schon bisschen alt.
00:43:28: und deswegen mach ich das nicht so und den Vorwurf belehren oder moralisieren.
00:43:37: Den machen auch schnell Leute, die sich vielleicht wünschen sie könnten das besser.
00:43:41: Ich weiß es nicht aber ich finde dass mich schon nicht so schlimm ehrlich gesagt.
00:43:47: Ich weiss gar nicht wie du damit jetzt meintest mit diesem schönen Berliner Dialekt.
00:43:51: Ich meine ich verkaufe das Olympiascheide nicht aus.
00:43:56: Weißt du das?
00:43:56: Das Schöne ist ja lieber Florian, dass das Publikum verfügt ihr über die unangenehme Eigenschaft.
00:44:01: Nicht automatisch über alles zu lachen was du vielleicht beim Schreiben genial findest oder fannst.
00:44:05: Ja!
00:44:05: Das trifft dir auf den Komedien zu.
00:44:07: Das merkt so sehr schnell und Schweigen is auch ein sehr präzises Lektorrad wenn dann gar nichts kommt.
00:44:14: Gab es denn diese Momente auch schon, dass du oft der Bühne standst und für dich dachtest Mensch das ist jetzt eine richtig geile Satz kommen da müsst ihr richtig abgehen und da passiert einfach nichts?
00:44:22: Oder ist das aus dem Stadt zu statt unterschiedlich?
00:44:24: Das, das auch wirklich?
00:44:25: Also ich hab mal in Bielefeld gespielt und da war es zwei Stunden roten still.
00:44:30: Und ich dachte so ja okay die finden das nicht gut, blöd!
00:44:33: Und dann versuchte mit ein bisschen Restwürde und Anstand da durchzukommen... ...und am Ende haben sie applaudiert getrampelt und yay!
00:44:41: Da habe ich dann noch von der Bühne gefragt was ist denn mit euch
00:44:43: los?!
00:44:44: Ich dacht ihr fand das richtig richtig kacke!
00:44:45: Dann haben wir gesagt nein wir sind Ost-Westfalen wir lachen nach ihnen!
00:44:49: Es
00:44:51: ist ja gut, wenn man es vorher weiß.
00:44:53: Und wenn ich jetzt auf viele Fälle fahre, weiß ich das schon vorher und schäme mich dann nicht währenddessen so doll.
00:45:00: Aber klar, wenn mein irgendwie am Schreibtisch sich Sachen überlegt und wie thematisch und dann vielleicht Witze schreibt oder Beobachtung irgendwie zusammenschraubt gibt's schon manchmal Sachen.
00:45:12: da denke ich Oh, ich finde das super lustig.
00:45:14: Es ist super schlau!
00:45:16: Es hat einen guten Callback und einen guten Bogen.
00:45:18: Ich find's richtig gut... Und auf der Bühne ist es so... Ja okay.
00:45:22: Zwei Leute lachen und der Rest denkt sich so ja, ist ok.
00:45:25: Und dann sind manchmal Sachen die mich selber überraschen.
00:45:29: Dann schreibe ich was und denke so, das ist schon ein Füllsatz und Übergang.
00:45:32: Und auf einmal ist eine Riesenreaktion und denk' ich so guck mal.
00:45:36: Und hab aber gemerkt zum Einen ist das ein guter Vorgang So ein Programm, ein neues Programm vom Schrei durch ab die Bühne zu bringen und dem so ein bisschen Zeit zu geben.
00:45:49: Und dann verendet es sich auch schnell.
00:45:50: also so einen Text wenn ich in zum ersten Mal spiele so nach fünf sechs oder acht Vorstellungen ist von dem noch so sechzig Prozent da.
00:46:00: der Rest ist schon gestrichen oder umgearbeitet und das passiert dann einfach immer wieder und auch jeden Abend Und auf der Bühne kristallisiert sich einfach sehr schnell heraus, was funktioniert und was nicht.
00:46:14: Das ist auch ein guter Vorgang und hält es lebendig und ist auch lehrreich, dass ich irgendwie merke am Ende entscheiden wir gemeinsam ob die Bühnen was funktioniert.
00:46:25: Und das kann man auch vorher gar nicht so planen.
00:46:28: Aber das ist schon manchmal überraschend, dass immer denke ich, darüber lacht ihr jetzt so dort?
00:46:34: Ja okay cool!
00:46:35: Kann ich auch noch mal ausbauen.
00:46:38: andere Sachen sterben daneben.
00:46:39: Dann streiche ich die und tue sie in so ein Ordner, so tolle Ideen aber nur für Florian
00:46:44: Das kennen wir alle aus dem beruflichen Alltag.
00:46:46: Ablage D sagt man immer so schön.
00:46:49: Dein früheres Programm hieß nichts darf man mehr?
00:46:52: Darf man denn heute tatsächlich weniger sagen oder bekommt man nur schneller eine Antwort?
00:46:57: Ich glaube ganz ehrlich Wir leben einer Zeit in der so viel sagbar ist wie noch nie.
00:47:01: Aber dadurch dass wir vernetzt sind und auch in einer globalen Welt leben Und in Echtzeit ständig noch bei Rehwe an der Kasse Nachrichten aufs Telefon bekommen, wie jetzt Hans-Jürgen und Onkel Thorsten das fanden.
00:47:14: Haben wir das Gefühl... Oh, viel mehr Reaktionen!
00:47:16: Ja aber es ist ja erst mal nicht schlecht.
00:47:20: Und irgendwie in den Koaderer die immer sagen, man darf gar nichts mehr sagen, möchte ich mich einstimmen?
00:47:26: Das Programm Nichts Darf Man Mehr hatte, glaube ich Premiere, im Jahr zwanzig.
00:47:31: Und als ich das geschrieben habe, dachte ich so naja uuh, ist das dann auch aktuell Und kann ich das dann irgendwie ein oder zwei Jahre spielen?
00:47:38: Und ich spiele immer noch Nummern daraus.
00:47:40: Die Debatte ist so lebendig wie eh und je, und wir reden immer noch über Pipi Langstroms Vater und irgendwelche Schnitzel- und Süßigkeiten von früher und so... ...und ansetzen irgendwelchen wichtigen Leute in irgendwelcher Talkshows und erzählen was sie nicht sagen dürfen oder irgendwelches jemalige Gameshow.
00:47:58: Moderatoren schreiben ganze Bücher voll mit Dingen die sie nicht mehr sagen dürfen!
00:48:02: Ich denke so... Guck mal, du hast doch ein Buch veröffentlicht.
00:48:07: Und ich glaube es gibt Meinungsfreiheit aber eben nicht Kritikfreiheit.
00:48:13: also Du kannst Sachen sagen Aber du musst eben auch damit rechnen dass Leute das so oder so finden und Das ist ja auch schon so ein Geschäftsmodell.
00:48:22: Also die leute die sagen das und das darf ich nicht mehr sagen Die kalkulieren ja eben auf diese große Reaktion Sonnen sich dann im Shitstorm und Bräune ist bräuner.
00:48:34: Also die dann eben... daraus auch Profitschlagen, also das würde ich schon ein bisschen zwischbältig sehen.
00:48:40: Ja, ja es hat sich eben einiges geändert, auch die Social Media Aktivitäten des Künstlers.
00:48:46: Ich habe ja bei mir auch ab und zu Politiker im Podcast, ob jetzt die Partei erst mal völlig egal.
00:48:52: Und die erzählen wir alle.
00:48:54: vor einigen Jahren war's noch so da standste vorne im Plenum irgendwie an der an diesem Redepult und hast dann deine zehn zwölf Minuten gesprochen oder manchmal auch weniger.
00:49:03: Und am Ende gab es ihm dann irgendwie einen Satz, der in den Tagesthemen oder in irgendeinem anderen News-Format geendet ist.
00:49:10: Inzwischen ist das so... aus deinem Büro Beraterstab einen Satz, der wird ja farblich markiert.
00:49:15: Den musst du ganz präzise und ganz emotional in die Kamera
00:49:19: sprechen.".
00:49:20: Das ist dieser Satz!
00:49:21: Der zählt für Social Media.
00:49:22: nur diesen Satz werden wir bei TikTok ausspielen.
00:49:25: Ich erwähne das weil Du hast ja auch eine eigene Social-Media Serie Feierabend und da führst Du ja gewissermaßen Gespräche mit mehreren Versionen Deiner selbst.
00:49:35: Welche davon gewinnt denn im Alltag am häufigsten?
00:49:38: Also bei der Serie Feierabend sitze ich in der Mitte und dann auf meiner Schulter, links und rechts Engelschen und Teufelchen.
00:49:44: Und die geraten über diverse Themen dann in Diskussion und Streit.
00:49:52: Manchmal gewinne ich manchmal der Teufe, manchmal der Engel aber eigentlich gewinnt am Ende immer das Kind dass dann irgendwie doch aufwacht und von außen nochmal eine ganz neue Perspektive reinbringt uns drei Erwachsene quasi hat Absurdung führt.
00:50:08: Und was du vorhin meintest mit dieser rausgeschnittenen Stelle aus einer Rede, so einen Satz der dann so ohne Runtex ausgespielt wird.
00:50:18: Dessen muss man sich natürlich bewusst sein.
00:50:19: deswegen ist vielleicht das ganz schlau wenn irgendwie die Berater und Beraterin von irgendwelchen Leuten in der Politik das schon voraus ahnen und ein bisschen die Kontrolle behalten.
00:50:30: weil natürlich so in Zeiten von Instagram und TikTok wo du Inhalte ausspielst, die einfach wirklich sekundenlang sind fehlt ja ganz oft Kontext und der macht ja einfach den kompletten Sinn.
00:50:44: Und du kannst ja einen Satz wenn du ihn von dem Satz davor abschneidest komplett umdeuten.
00:50:50: Darüber habe ich auch eine Nummer gemacht dass es einfach wichtig ist zu wissen nicht nur was man sagt sondern auch wer's in welchem Kontext sagt.
00:50:57: also wenn zum Beispiel wenn jemand singt Hier so aus Mambon Number Five, A Little Red of Erika.
00:51:05: Dann ist es schon gut zu wissen ob's jetzt Lou Bega is oder Hannibal Lecter?
00:51:10: Also je nachdem ändert sich die ganze Geschichte ein bisschen.
00:51:14: Ja lieber Florian zum Ende unserer heutigen Folge du warst ja Schauspieler im festen Ensemble, Usie Gildaschneller, Potry Slamm, Autor, Regisseur, Dozent, Kapparetist.
00:51:24: das können wir beliebig fortsetzen.
00:51:26: auf was dürfen wir uns denn jetzt als nächstes bei dir freuen?
00:51:30: Heute erscheint mein erstes Buch.
00:51:34: Oh, welcher Zufall?
00:51:36: Ja guck dir das mal an ist ja ganz ungeplant.
00:51:39: Das buch heißt ich könnte schreien manchmal auch vor glück und ist ab heute vorbestellbar.
00:51:45: Und wer diesen podcast hört dass buch ist wirklich gut.
00:51:49: also ich würde es mir auch kaufen.
00:51:50: aber Ich habe so geschickt bekommen von verlag.
00:51:54: und die sache ist ich hab mir sagen lassen für diese ganzen Zählung von der Bestsellerliste zählen wirklich nur die ersten Tage nach Erscheinen.
00:52:02: Also, wenn ihr euch das Buch e-kaufen wolltet dann bestellt es doch gleich heute weil dann zählt es noch in diese Liste mit rein.
00:52:10: Wenn es euch nicht kaufen wolltet macht's einfach trotzdem.
00:52:13: Das ist ziemlich gut man kanns auch gut verschenken.
00:52:15: Es ist eine lose Zusammenhänge Kolumnenreihe von Geschichten.
00:52:22: Da geht es nicht nur um Eltern- oder Kinderthemen, sondern eben auch um gesellschaftliche Zusammenhänge.
00:52:30: wie gehen Familien mit dem Fußabdruck um den CO²-Fußabdruck?
00:52:36: Oder wie reagieren Eltern mit Kindern auf Wehrpflichtpläne der Regierung?
00:52:42: Wie haben unsere Eltern gelebt?
00:52:45: Leben in der gesellschaft als menschen miteinander und es ist lustig und bisschen traurig ein bisschen ernst aber auch meistens lustig.
00:52:53: Und wer das kaufen will freut mich toll heute
00:52:59: Ja, dass das hoffen wir mal alle dass alle jetzt zum kiosk beziehungsweise in den nächsten buch laden laufen und sich dieses buch vor bestellen oder eben dort auch kaufen.
00:53:07: Wie viel arbeit steckt denn in diesem buch?
00:53:09: also ich habe zehn jahrelang geschrieben Die ersten Geschichten über über über Vaterschaft und so angefangen wirklich vor zehn oder elf Jahren.
00:53:22: Und die gesammelt, teilweise auf der Bühne benutzt und dann hat es immer weiterentwickelt und mehr dazu.
00:53:27: Und dann auch Anekdoten vom Spielplatz, Anek-Doten ausgesprächen mit meiner Familie, mit Schwiegermutter oder mit Freunden und Freundinnen.
00:53:37: Und habe das eben alles jetzt zusammen montiert und gegossen in dieses Buch.
00:53:45: Aber ich hätte das nicht jetzt in den letzten Jahren einfach so schreiben können.
00:53:49: So wie Christian Lindner, der während der Elterzeit ja Jagd, Imkert, Fischt und Bücher schreibt.
00:53:54: Also dafür war mein Alltag zu voll.
00:53:58: Deswegen hat das wirklich, wirklich lange gedauert.
00:54:01: Ja also dieses Buch hat zweihundertach Zeiten und sehr, sehr gute Kritiken bekommen im Vorfeld und Zitate.
00:54:07: denn das ist hier ein Buch für alle die nachts manchmal in einen Kissen schreien und sich fragen ob es normal ist Wie normal ist das denn für dich?
00:54:15: Ganz normal.
00:54:16: Also, ich glaube... Früher wurden Kinder ja noch gehauen.
00:54:22: Das machen wir heute ja nicht mehr.
00:54:23: Die meisten sind auch gut.
00:54:24: Aber ich glaube manchmal in so Stressmomenten die man einfach hat als Personen, die mit anderen kleineren Personen zusammenleben den ganzen Tag und dann sind Ferien oder es regnet immer zu Hause, da gibt's schon Momente wo man an seine Grenzen kommt und wo man am liebsten irgendwas irgendwelchen wie hauen oder explodieren möchte.
00:54:45: Und wenn man mit diesem Impuls ehrlich umgeht, dann kann man ihn auch umleiten.
00:54:51: Dann kann man auch ins Kissen schreien statt irgendwie anders auszuflippen.
00:54:55: und ich glaube diese Art von Ehrlichkeit... Ich bin erschöpft, ich weiß nicht weiter, ich habe keine Expertise, ich möchte schrein.. Die ist wichtig um eben vielleicht besonnen zu reagieren ins Kissen zu schreien und nicht ins Gesicht von wem anders.
00:55:14: Aber es gibt ja auch viele Eltern, die sagen nie bei uns ist alles voll schön!
00:55:17: Und ich weiß nicht wie die dann mit so einem Impuls umgehen weil ich glaube dass sie den schon irgendwann auch mal haben im Alltag.
00:55:24: Ja da gab es jetzt zum Beispiel die Autorin Almut Schneering, die hatte gesagt zu deinem neuen Buch Ich könnte schreinen Florians kurile.
00:55:32: Erlebnisse machen schmerzhaft bewusst Wo wir tatsächlich stehen, im Wir sind doch längst weiterland.
00:55:37: Ich fand das eine sehr schöne Beschreibung.
00:55:40: Was würde uns denn noch helfen damit wir in diesem Wir sind durch längst Weiterland wirklich weiterkommen?
00:55:47: Zum einen erleben wir gerade so eine Retraditionalisierung.
00:55:52: also es gibt ja nicht wenige die sagen so früher war alles besser und Frauen wieder an den Herd und Latte Reformen die irgendwie für Familien gar nichts freundlich sind Und alle die dann sagen, ach das sind so schlimme Sachen denke ich naja komm.
00:56:07: Ja schon aber soweit waren wir auch noch gar nicht.
00:56:11: also ich glaube so um Augenhöhe in Partnerschaften und als Eltern zu erreichen ist schon noch ein Stück Weg und da haben ja auch viele Angst davor.
00:56:24: Also wenn man privilegiert den Leuten ihre Privilegien infrage stellt dann haben das Gefühl Gleichberichtigung fühlt sich für sie an wie man nimmt irgendwas weg.
00:56:35: Aber ich glaube, dass man als paar.
00:56:38: Total profitiert, wenn man sich die Sachen fair aufteilt.
00:56:42: Weil dann beide wissen wie viel es ist und weil dann beide auch gleich viel Freizeit haben im Idealfall.
00:56:47: Und man hat ja auch aber dann Anteil daran.
00:56:51: also man.
00:56:52: Also unsere Eltern.
00:56:54: Haben ein anderes Leben gelebt, was wir heute leben können?
00:56:56: Also früher haben Väter vielleicht nicht unbedingt gewusst, wie die Lehrer heißen oder welche Schuburse du hast Und heute ist das möglich.
00:57:03: und wenn wir heute aber Peter erzählen so, was ich alles gar nicht kann.
00:57:06: Ich nicht.
00:57:07: Dann denke ich immer so, dass es schon auch eine Entscheidung.
00:57:10: deswegen sage ich heute mal Wenn mir irgendein Freund erzählt, dass er die Geschirrspülmaschine einfach nicht so gut einräumen kann.
00:57:17: Mein Freund, du bist Ingenieur bei der Deutschen Bahn.
00:57:19: Er erklärt noch ganz andere Missstände wahrscheinlich dann sage ich immer Männer können das nicht so gerne?
00:57:28: Da würde ich hinterfragen warum.
00:57:31: Vielleicht kann man sich ja ein bisschen weiterentwickeln so als Mann, als Vater auch.
00:57:37: Das wünsche ich jedem der uns heute zuhört!
00:57:39: Also lieber Florian es war mir ein Vergnügen dass du mein Gast warst und ich könnte heute auch schreien und auch für Glück das wir so ein gutes Gespräch miteinander hatten.
00:57:47: Ich wünschte dir für dein neues Buch alles erdenklich Gute!
00:57:50: Danke!
00:57:51: Gute Nerven viel Erfolg weiterhin und komm gerne mal wieder vorbei
00:57:56: Mach' dich gerne!
00:57:57: Vielen Dank André für die Einladung und für das schöne Gespräch.
00:58:00: vielen Dank Das war Schüchter.
00:58:03: bis Nüchtern ist mit André Puchter fast live aus Berlin.
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