Ralf König | Comicautor & Comiczeichner - Was macht Menschen so herrlich kompliziert?

Shownotes

Ralf König gehört zu den bekanntesten und erfolgreichsten Comiczeichnern Deutschlands. Mit Werken wie „Der bewegte Mann“, „Kondom des Grauens“ oder seinen Geschichten rund um Konrad und Paul hat er nicht nur Millionen Leserinnen und Leser erreicht, sondern auch schwules Leben mit viel Witz, Selbstironie und ziemlich unverwechselbaren Nasen in die Mitte der Gesellschaft gezeichnet. Dabei ging es in seinen Comics nie nur um Sex und Beziehungen, sondern immer auch um Toleranz, Religion, gesellschaftliche Veränderungen und die kleinen Absurditäten des menschlichen Zusammenlebens. Mit André Puchta spricht Ralf König über seinen Weg vom Tischler zum gefeierten Comiczeichner, über das Coming-out, die schwule Szene der 1980er-Jahre und darüber, wie sehr sich Deutschland seitdem verändert hat.

Im Podcast „Schüchtern bis nüchtern“ begrüßt André Puchta spannende Charaktere mit außergewöhnlichen Berufen, Lebensentwürfen oder Leidenschaften. Eine Bühne für Biografien, die man nicht erfinden könnte. Hier trifft Kuhfriseur auf Detektiv, Domina auf Pfarrerin, Dildo-Designerin auf Tatortreinigerin, Human Puppy auf Ordensfrau und Hebamme auf Tantra-Trainer. Ein Podcast über das Ungewöhnliche – und das, was uns verbindet.

Transkript anzeigen

00:00:01:

00:00:23: Wer verstehen möchte, wie sich unsere Gesellschaft verändert hat muss nicht zwangsläufig Geschichtsbücher lesen.

00:00:30: Manchmal reicht auch ein Blick in einen Comic.

00:00:33: Seit mehr als vierzig Jahren hält Ralf König seiner Leserschaft den Spiegel vor, mit Witz, Schafsinn und einem außergewöhnlichen Gespür für menschliche Beziehungen.

00:00:44: Seine Figuren sind selten Helden – sie sind verliebt, eifersüchtig übervorrat mutig verletzlich und manchmal herrlich irrational.

00:00:55: Genau deshalb wirken Sie so vertraut!

00:00:58: Lange bevor Themen wie Vielfalt, sexuelle Identität oder gesellschaftliche Offenheit selbstverständlich diskutiert wurden, erzählte Ralf König bereits Geschichten darüber.

00:01:09: Nicht mit erhobenem Zeigefinger sondern mit Humor!

00:01:12: Seine Comics haben Millionen Menschen zum Lachen gebracht.

00:01:16: Gleichzeitig haben sie dazu beigetragen Vorurteile abzubauen und Gespräche anzustoßen die andernorts oft noch tabu waren.

00:01:25: Doch wer sich intensiver mit seinem Werk beschäftigt, erkennt schnell.

00:01:29: Im Mittelpunkt stehen selten politische Botschaften oder gesellschaftliche Debatten.

00:01:34: Bei ihm sind es ganz klar Menschen ihre Sehnsüchte Widersprüche und ihre oft vergeblichen Versuche einander zu verstehen.

00:01:43: Mich interessiert heute deshalb nicht nur der erfolgreiche Comiczeichner sondern viel mehr der Beobachter Der Mann, der seit Jahrzehnten genau hinsieht und daraus Geschichten entstehen lässt in denen wir uns manchmal erschreckend ehrlich wiederfinden.

00:01:57: Herzlich willkommen bei Schüchtern bis Nüchters Reifkönig!

00:02:01: Ja hallo hey!

00:02:02: Guten Morgen lieber Reif!

00:02:04: Wir hören uns an einem Samstagmorgen um zehn Uhr zu einer etwas außergewöhnlichen Uhrzeit.

00:02:09: da schlafen manche noch und ich danke dir sehr dass du die Zeit nimmst für diese gemeinsame Folge.

00:02:15: Wenn ich dir jetzt einen leeren Zeichenblock hinlege und sage, zeichne bitte den durchschnittlichen Menschen des Jahres.

00:02:23: Was werde denn das erste, dass du zeichnen würdest?

00:02:27: Also da ein durftlicher Mensch!

00:02:30: Das ist natürlich fast nicht machbar.

00:02:33: was soll denn durchschnittlich sein?

00:02:34: also da ich immer erst mal von mir aus gehe würde ein Männchen zeichnen das irgendwie auf dem Sofa sich mümmelt und ein paar frustrierte Augenlinge unter den Augen hat.

00:02:47: Und ja, von allem überfordert ist wie du gerade so'n bisschen Treffen sagtest.

00:02:53: also die Zeiten sind ja so dass man eigentlich dauerüber fordert ist und das würde ich wahrscheinlich in so einer Comic-Nase dann irgendwie widerspiegeln.

00:03:02: Ja, ja.

00:03:03: Der durchschnittliche Mensch für mich sieht er so aus ein bisschen leicht übergewichtig, ein bisschen depreniert schlecht gelaunt, vielleicht so ein bisschen den Optimismus verloren zumindest was die Situation in Deutschland gerade angeht.

00:03:15: Den Durchschnittlichen Deutschen sprechen wir mal vom deutschen.

00:03:18: Das wollte ich grade sagen, man ist ein relativ menschen oder ein deutscher.

00:03:23: Ja, leicht über Gewicht, kommt alles hin.

00:03:26: aber ich finde es schwierig durchschnittlich Ja, zu sagen dass es bei mir sind die Figuren lang und dünn und klein und dick.

00:03:34: Und das ist ja alles irgendwie durchschnittlich.

00:03:38: Das versuche ich auch in meine Zeichen so reinzubringen.

00:03:43: Es gibt gerade Comics wenn sie dann ein bisschen auf Merchandising aussehen, sind ja oft so, dass diese Superhelden ästhetik also auch bei schwulen Comics jetzt Umfeld, es gibt ja Zeiten wie das machen.

00:03:56: Meistens aus Amerika kommen aber Sachen da sind die Männer immer schön und gut aussehend und haben ganz viel Sex und nicht so viele Probleme.

00:04:04: Und das war also nie mein Ansatz.

00:04:07: Ich wollte schon was machen ist, was man so täglich an Widerständen und so zu überwinden hat.

00:04:12: Und gerade beim Sex und bei Liebe und bei sowas ist das ja schreit das ja geradezu nach Witze auch.

00:04:21: Ich habe manchmal das Gefühl, dass deine Comics auch so eine Art Gebrauchsanweisung für Menschen sind.

00:04:26: Jetzt mal ganz ehrlich lieber Ralf wie viele Idioten oder wie vielen Idioten bist du denn im echten Leben schon aus dem Weg gegangen weil du sie vorher gezeichnet hast?

00:04:38: Weil ich sie vorgezeichnet habe.

00:04:42: Das heißt weil ich sie früher erkenne, weil wir es schon ausgedacht haben.

00:04:47: Ja genauso wie du es schon gesagt hast ja

00:04:52: Also ich reagiere schnell zum Weggehen, wenn jemand mich vollquart aber nicht zuhört.

00:05:02: Das ist so ein Zeichen für mich das dass sich mit dem oder derjenigen nicht so viel zu tun haben.

00:05:08: Ich finde es anstrengend, wenn Leute nur von sich selber reden.

00:05:11: Aber wenn man selber den Mund aufmacht dann ganz schnell abschalten.

00:05:16: Zum Beispiel würde ich jetzt mal sagen... Also wenn jemand keinen Humor so richtig hat, das finde ich auch schwierig.

00:05:30: Oder irgendwie selbstkritik nicht... Selbstironie würde ich mal sagen, selbst ironie nicht anwesend ist.

00:05:40: Da krankt ja eigentlich gerade ein bisschen die ganze Gesellschaft dran, dass mit der selbstironischen Thema.

00:05:48: Das zu wehren Leute wo ich schnell sage, das wird mir zur Anstrengung, da möchte ich jetzt lieber zu einer anderen Partie.

00:05:54: Haben wir denn das aufmerksame Zuhören, dass wirkliche Interesse am Gegenüber deiner Meinung nach so ein bisschen verlernt?

00:06:03: Ich weiß nicht ob das mehr geworden ist aber in meinem Erleben kommt es schon häufiger mal vor ja Sie ist aber auch nicht so dramatisch, also manchmal passiert es ja in meinem Fall jetzt so dass Leute mich ansprechen bei irgendeiner Gelegenheit keine Ahnung und dann anfangen so kleine Geschichten zu erzählen.

00:06:24: Das ist mir damals in Amsterdam passiert und dann merke ich während er mir die Geschichte erzählt das er gerne hätte, dass sich diese Geschichte zum Comic mache.

00:06:35: Also nicht einfach so möglich, weil die Geschichten haben meistens einen Vorlauf.

00:06:39: Da muss man die Figuren kennen, warum sie so und so reagierte und das alles in ein Comic zu packen ist oft gar nicht möglich.

00:06:49: Das merke ich schnell und das wimmle ich dann aber auch schnell ab.

00:06:56: Und da bleibt selten irgendetwas brauchbares, was mir hängen, woraus ich irgendwas machen könnte.

00:07:00: Da bist du bei mir natürlich im Podcast richtig.

00:07:02: in Folge onehundertdreinzwanzig, denn ich hatte ja schon viele wirklich spannende Gäste.

00:07:06: Eigentlich hätte ich dich zu jeder Aufzeichnung noch dazuschalten müssen, dass du da so im Hintergrund ein bisschen die Lebenswege auch mit zeichnen kannst wenn der der Tatortreiniger oder die Tatort-Reinigerinnen auf den Senzenmann trifft oder der Kufrisseur auf dem Friedhofsmanager.

00:07:20: Die haben schon einiges zu erzählen.

00:07:23: Natürlich haben sie einiges zählen und das tun sich dann auch

00:07:29: umso besser.

00:07:30: Ich bin da glaube ich nicht derjenige, der die Geschichte anderer so gut zeichnen kann.

00:07:36: Ich gehe immer von mir aus also von mir und schon meinem ganz direkten Umfeld und wenn irgendwie Menschen mit ihren Berufen oder ihren Eigenschaften ziemlich weit weg von mir sind dann fällt es mir auch schwer.

00:07:53: Also ich recherchiere nicht so viel Ich höre immer in mich selbst rein und deswegen kommen bei mir auch ganz selten Berufe vor zum Beispiel.

00:08:03: Da werde ich manchmal drauf angesprochen, was hat denn Paul eigentlich schon Beruf?

00:08:07: Also ich habe diese Figur in Konrad und Paul.

00:08:10: Du wirst es jetzt wissen also

00:08:11: seit... Ja.

00:08:12: Seit bin ich mit denen dran ein schwules Paar, das halt sehr unterfiedlich ist.

00:08:19: und ja, was ist Paul?

00:08:21: Paul freibt auch ... sehr gerne über Friftsteller freiben und wie sie ihr Leben leben, das ist ja auch kein Zufall.

00:08:31: Und Konrad hat irgendwie gut geerbt und ist Musiklehrer und spielt ein bisschen Klavier.

00:08:36: Das sind ja eigentlich keine nennenswerte Berufe.

00:08:39: Das liegt daran dass ich auch da wenig Einblick habe.

00:08:42: Ich habe selber eine Schreinerlehre gemacht damals.

00:08:46: Das war völlig falsch für mich aber da könnte ich vielleicht nochmal irgendeine meine Nase nennen fliegen oder so.

00:08:56: Das ist mir fremd und ich erzähle ungern überhaupt Geschichten über irgendwelche Leute oder Bevölkerungsgruppen, von denen ich nicht so viel Atem habe.

00:09:07: Wann hast du denn zum ersten Mal gemerkt dass Humor mehr sein kann als Unterhaltung?

00:09:11: Also nämlich Möglichkeit eine Gelegenheit Menschen die Wahrheit zu sagen.

00:09:16: wie alt warst du da?

00:09:19: Also da kann ich jetzt so kein Erweckungserlebnis sagen.

00:09:24: Von klein auf war ich fasziniert von Kartons und von Witzen, das weiß ich noch.

00:09:30: Und die waren auch sehr schlecht damals.

00:09:32: Ich meine in meinem Elternhaus lag damals keine neue Revue und so.

00:09:39: So Tittenhälfte, weil mein Vater ziemlich drauf war und die hatten ja immer eine Witzenseite.

00:09:43: Die Witze waren sicherlich erbärmlich!

00:09:45: habe ich das durchgelesen und fand es irgendwie gut.

00:09:52: Na ja, der übliche Weg ist dann eben, dass man... Dann fängt's mit Asterix und Lucky Luke und so.

00:09:58: Da erzählt jeder Comic-Zeichen ähnliche Geschichten.

00:10:01: Man hat halt dies und das zu irgendeinem Zeitpunkt entdeckt.

00:10:05: Und da war Willhelm Wurz sogar für mich ganz wichtig.

00:10:09: Also ich hab noch nicht mal lesen können.

00:10:11: Da zog ich aus dem Regal meiner Eltern diese Wille im Buschklade raus, dieses Familienbuschding da.

00:10:19: Und ich habe die Bilderabfolgen verstanden und war sehr fasziniert.

00:10:24: Ich konnte nicht lesen, aber ich verstand das da irgendwie der Affe, Fipsen-Affe da, irgendwie der Katze grad den Schwanz abflämmt.

00:10:30: Das war ja so ziemlich brutal!

00:10:33: Ja... Und das hat mich ziemlich gekickt.

00:10:35: also es gab wahrscheinlich so viele kleine Momente von großartigen Zeichen an die mir irgendwas gegeben haben und ich hörte nicht auf zu zeichnen.

00:10:46: Wobei ich weniger das Zeichner bin als der Autor, das möchte ich immer doch betonen.

00:10:52: also ich... Das Zeichen ist für mich so mittels uns weg, dass das Schreiben, der Dialoge und wenn die Geschichte lange ist, dass da Spannungsbogen da bleibt und so, das ist die Herausforderung.

00:11:06: Also ich finde Comics eine super Sache, dass man mit Bild und Text halt zusammen Geschichten erzählen kann und Pornen setzen kann, aber mir ist tatsächlich das Freibem irgendwie wichtiger noch.

00:11:17: Aber kam denn dieser Wunsch damals eine Schreinerlehre zu Beginn von deinen Eltern oder von dir selbst?

00:11:23: Es hört es nicht so an als wenn du da so große Lust darauf hattest.

00:11:27: Nein nein ich habe ja nur Hauptschulabschluss.

00:11:30: Naja, haben wir alle irgendwann erstmal!

00:11:32: Das ist ja was Gutes.

00:11:34: Ja, aber der Volk... Also Mathe ist mein Ding, also das ist gar nicht voll.

00:11:42: Ah okay!

00:11:43: Ich habe mich gar nicht gefehlt.

00:11:44: Nicht mehr dem Ansatz konnte ich verstehen, was der Lehrer mir dabei bringen wollte.

00:11:48: Da fehl ich nach voraus im Gehirn und es ging nicht.

00:11:51: Es wird heute anders sein in der Schule, aber damals war's so wenn man in Mathe scheiße war dann war man aufgeschmissen.

00:11:57: Also da könnte man in der Religion gut sein und den Englisch gut sein, aber Mathe war so wichtig.

00:12:03: Das war ja auch Physik und Chemie, das war ja eine ähnliche Sachlage.

00:12:07: Ich konnte mir diese Formeln und diese ganzen ... ich konnte mir das nicht merken.

00:12:11: Jedenfalls habe ich ... jetzt hab' ich ein Fahren verloren wie bei deiner Frage?

00:12:15: Ja es ging so ein bisschen darum, wie du zur Steinerlehre gekommen bist.

00:12:18: hast du wieder durchgezogen beendet?

00:12:21: Ja, ich bin in einem westfälischen kleinen Dorf aufgewachsen.

00:12:26: Mein Vater kannte jemanden, der jemand kennt.

00:12:29: Im Nebenort war eine große Tischlerei-Fabrik und die machten so schreckliche Möbel, Geldenkirchener, Barockzeug was es dann auch später keiner mehr kaufte.

00:12:40: Die gibt's doch inzwischen nicht mehr.

00:12:43: Mitz hießen die und da wurde ich dann einfach... Also meine Eltern konnten mit meinen künstlerischen Ausflügen wenig anfangen, das verstehe ich auch.

00:12:55: Die Lehrer sagten zwar der Junge hat was drauf so aber was sollte ich denn damit machen?

00:13:00: Und gerade in der Landschaft dort also muss ich irgendwas machen womit man Geld verdient und Holz geht immer.

00:13:07: und dann war ich plötzlich in so einer Fabrik.

00:13:10: Ich war jung genug um noch nicht zu verstehen wie schrecklich das ist Denn sonst wäre es bekloppt geworden.

00:13:19: Ich habe ganz viel, wie heißt das?

00:13:25: Akkord gearbeitet.

00:13:26: Es war eine ziemlich Ausnutzung der Lehrkräfte, würde ich mal sagen.

00:13:30: Ich stand da wochenlang Monate lang an irgendwelchen Hobelmaschinen und hab die Tischplatten aus der Maschine geschoben und auf so einen Stapel gelegt.

00:13:38: So was zum Beispiel.

00:13:39: Da lernt man gar nicht zu weit.

00:13:43: Aber weil diese Arbeit so wahnsinnig langweilig war... Ich weiß, dass ich ganz gerne an einer Bohrmaschine stand.

00:13:50: Da konnte ich so Klötzchen bohren die später für Stühle gebraucht wurden und das war natürlich eine fürchterlich öde Tätigkeit.

00:13:57: die wundern lang nur immer nur so ein Klöttchen dazu bohre den ganzen Tag Und da bin nicht einfach.

00:14:02: um mich verrückt zu werden habe ich mir selber Geschichten erzählt.

00:14:05: Also ich hab meine Fantasie mein Kopfkino angeschmissen und hab irgendwie mehr geschichten erzählt und ich glaube Dass das sehr wichtig war Für das was sich dann später gemacht habe oder was ich immer noch mache, also lange Weile finde ich unterschätzt.

00:14:21: Es ist eine Katastrophe dass die Kinder und Jugendlichen heute keine Langeweile mehr haben weil sie dort in ihre Smartphones gucken, weil das die Fantasie natürlich enorm anregt und da bin ich sehr dankbar für diese Zeit auch wenn es damals schrecklich war.

00:14:35: aber ich glaube dass sich meine Fantasien einen richtigen Schub gekriegt hat.

00:14:41: Ich glaube man braucht für sich so ein Ventil.

00:14:43: Also wir haben da gewisse Parallelen, ich habe nach meinem mittleren Bildungsabschluss eine kaufmanische Ausbildung begonnen damals noch abgeschlossen, kaufe mal im Einzelhandel und mein Ausbildungsbetrieb war ein Baumarkt.

00:14:53: und meinen Ausbilder mit dem ich immer noch in Kontakt stehe, wir haben einen gleichen Tag Geburtstag Gerd heißt der Der meinte irgendwann mal zu mir im zweiten Lehrjahr, das machst du alles gut hier ist alles super.

00:15:04: Aber Du bist so was anderem geschaffen dass du musst was mit Menschen machen.

00:15:08: Du bist ja ein Baumarkt falsch aufgehoben und für mich war das immer okay mal eine Trittschalldämmung zuschneiden Und den Leuten irgendwas verkaufen.

00:15:15: aber ich hatte schon immer zwei linke Hände.

00:15:17: Aber woher

00:15:18: hat der Mann das gemerkt?

00:15:22: Weil ich, wie du glaube ich auch so eine Leidenschaft, meine Leidenschaft woanders sah.

00:15:26: Ich war schon als Jugendlicher jemanden der gerne Fotos gemacht hatte.

00:15:29: Ich hatte mir von meinem ersten Lehrlingsgehalt eine Spiegelreflexkamera gekauft.

00:15:33: Ich wollte immer Journalist werden und ich wollte mit Menschen sprechen, sie interviewen.

00:15:37: Das war das was mich interessiert.

00:15:39: hat die Lehre auch.

00:15:40: ja ich habe gute Noten damals Das war alles okay.

00:15:44: Aber die Leidenschaft fehlte so für diesen Beruf, den sah ich irgendwo diese Leidenschaftszeichen woanders und sehr ähnlich war das ja glaube ich bei dir auch da du diese besondere Art schon damals hattest oder besaerst Menschen zu beobachten.

00:16:01: Ich finde dass jetzt ein bisschen überschätzt mit dem Menschen beobachten.

00:16:05: Ja sicher beobachte ich, sonst konnte ich gar nicht wiedergeben Also du darfst dir das nicht so vorstellen, dass ich in die Stadt gehe und mich ins Café setze und Menten beobachte.

00:16:15: Das ist so nicht... Ich lebe mein Leben und wenn ich dann später am Schreibtisch-Sitz oder am Zeichenbrett unter irgendwas Papier bringen will, dann erinnere ich mich vielleicht an dies und das oder so.

00:16:28: aber ich kram dann nicht mal in meine Erinnerungen.

00:16:32: Das is irgendwie anders als zu denken sich Beobachten ja Mir fehlt sogar, das finde ich sehr ärgerlich.

00:16:40: Mir fehlt der Link.

00:16:42: Die Dinge die ich am Tag so aufnehme, die mich erfreuen oder auch verstören oder frustrieren... Das frustriert und verstört, erfreut mich erst mal.

00:16:57: Mir fehlt der Link.

00:16:58: sofort zu denken, da könntest du eine Geschichte

00:17:00: rausmachen.".

00:17:02: Das ist doof!

00:17:03: Das hätte ich gerne anders.

00:17:04: Ich hätte immer so einen Notizblock im Gehirn, der sagt, das ist ne gute Idee.

00:17:08: Das habe ich aber nicht.

00:17:09: Ich vergesse ganz vieles von dem was mir passiert oder wenn ich mit meinen Freunden zusammen bin... ...ich hab wirklich sehr witzigen Freundeskreis.

00:17:20: Da fliegen die Pornen in Pinkpong hin und her Dann lachen wir und ich denke mir kurz, ja das musst du dir merken.

00:17:28: Und dann ist er aber wieder weg.

00:17:31: Also mit dem Obachten ist so eine eher unbewusste Sache.

00:17:35: Ja vielleicht doch unbewusst?

00:17:37: Ich frage das nur weil ich beim Lesen deiner Comic schon auch das Gefühl hatte dass du weniger über Ereignisse erzählst als über Verhaltensweisen.

00:17:44: und deine Figuren die reagieren ja aufeinander.

00:17:47: Die missverstehen sich, die verletzen sich, sie versöhnen sich.

00:17:51: Darin erkennen wir uns ja alle wieder und ich glaube dazu benötigt man ja auch irgendwie eine Eigenschaft, das aufzusaugen.

00:17:59: Deswegen hatte mich das so interessiert ob du die Menschen irgendwie einordnest vielleicht auch unbewusst?

00:18:06: Also unbewusstja nur über unbewussgau das vielleicht drehen.

00:18:12: Also ich funktioniere jetzt ja, sonst würde ich das letztlich seit forty-fünf Jahren machen.

00:18:16: Aber was du recht hast?

00:18:18: Es geht weniger um Ereignisse als um das Miteinander wie Leute miteinander sprechen.

00:18:27: Ich mache auch lieber kleine Geschichten groß und große Geschichten klein.

00:18:31: Ich quäle mich seit viel zu langer Zeit mit der Nibelung In meiner Version, natürlich habe ich eine Idee dazu und die finde ich auch gut.

00:18:42: Und immer noch gut zum Glück.

00:18:43: aber es ist ein Epos.

00:18:48: Da sind so viele Figuren, die alle Dinge tun wo ich sagen würde da will man keinen von ihm bekannten Geister haben wie die reagieren was sie machen was sie tun warum sichs tun.

00:18:58: das ist alles sehr sehr sehr wirre Und mich hat das immer gereizt, dieses germanische-deutsche E-Post mal zu zeichnen.

00:19:06: Das mache ich es auch und es klappt aber auch.

00:19:09: Aber ich habe die Geschichte unterschätzt.

00:19:13: Ich

00:19:14: hab mich überschätz... Ja, alles rum!

00:19:17: Entschuldigung.

00:19:18: Alles gut.

00:19:20: Das müssen wir... Das lassen wir alles schön drin.

00:19:21: Das hast du alles super wiedergegeben.

00:19:24: Aber glaube ich ist ja nicht so einfach wenn man sich damit Siegfried Greenhild und Brünnhild irgendwie auseinandersetzt.

00:19:29: da kommt man schon mal durcheinander

00:19:31: Da kommen wir eben, also ich bin wirklich verstört.

00:19:36: Ich bin es gerade bei den Valkyren eigentlich.

00:19:38: Ich müsste viel Spaß machen und ich warte auf den Moment wo's klickt macht und das geht wieder von alleine.

00:19:42: Das habe ich nämlich auch oft.

00:19:44: Manchmal gehen Bücher von alleine, das sind aber eher die kurzen Sachen.

00:19:49: Ich hab ja bei Facebook und bei Instagram diese Kommentare von Paul Kurzgeschichten gemacht, wie die Pina zahlt zu vier Bilder jeden Tag über Monate bis dann irgendwann ein Buch zusammen ist Läuft wirklich von alleine, da muss ich über mich nachdenken.

00:20:03: Die Figuren sind mir auch so nahe, die kenne ich so sehr, dass sie eigentlich von alleine kommunizieren und reden.

00:20:11: Also die Sprechblasen füllen sich von allein.

00:20:12: Da muss ich gar nicht mehr was ausdenken oder viel aushinken.

00:20:17: Bei den Nibelungen ist das anders.

00:20:18: Das ist eine mittelalterliche Geschichte.

00:20:20: Da kenne Ich mich halt auch nicht so aus wie man damals gelebt hat.

00:20:24: Ist ja klar!

00:20:25: Ja, da waren wir beide auch nicht dabei.

00:20:27: Das können wir auch schlicht bei

00:20:28: einem... Wir waren aber beide nicht dabei.

00:20:31: und wie gesagt wer die Nibelung so ein bisschen kennt, ich rede jetzt noch nicht von Wagner, der ist ja noch verbunden.

00:20:38: Aber ich meine das eigentliche Nibelungenlied aus dem dreizehnten Jahrhundert.

00:20:46: Da passiert so viel dass sich Schwierigkeiten abtas zwischen zwei Buchdeckel zu kriegen Zuversichtlich, ja.

00:20:52: Krieg ich hin!

00:20:53: Also dann kommen wir vom starken Drachentöter aus Gesandten.

00:20:56: jetzt wieder irgendwie zu dem Comic Zeichner Ralph König.

00:21:00: Kannst du dich denn noch an den ersten Menschen erinnern denen Du gezeichnet hast weil er dich vielleicht auch so ein bisschen fasziniert hat oder eben vielleicht auch nicht?

00:21:07: Vielleicht weil er schön aussah oder weil du ihn irgendwie verstehen wolltest?

00:21:12: Ich habe selten überhaupt Menschen die es gibt gezeichnt.

00:21:15: einfach so wie der klassische Kalkatorist war ich ja nie.

00:21:19: Da müsste ich jetzt sehr weit zurückgehen.

00:21:21: Ich habe in der Grundschule damals schon nachfolge gefeiert, weil ich die Lehrer immer gezeichnet habe.

00:21:28: Das kam bei den Schülern super an.

00:21:29: Bei den Lehrern, wenn sie das unter der Schule gefunden haben, dann nicht so.

00:21:34: Aber das könnte ich jetzt so sagen ... aber ich hab eigentlich nie versucht Personen zu zeichnen, Politiker oder Familiemitglieder und so.

00:21:44: Ganz viele Leute möchten gerne von mir Hochzeitskarten oder jemand wird sechzig zum Geburtstag ein Porträt oder sowas.

00:21:52: Die sind auch immer sehr glücklich damit mit dem, was ich dann, wenn ich es denn tue liefere.

00:21:56: Ich muss ja nur eine dicke Nase malen und wenn der Typ ne Brille hat, dann setz' sich ihm die Brille auf und dann sehen die Leute die Ähnlichkeit obwohl ich sie selber gar nicht so finde.

00:22:05: Ich gebe das meistens mit einem schlechten Gewissen ab erst recht wenig Geld dafür nehme weil ich denke dass ist das schlechte Arbeit.

00:22:11: so sieht da gar nicht aus.

00:22:12: aber die Leute sind immer ganz glücklich zu meiner Überraschung.

00:22:15: Aber das ist eigentlich nicht das, was ich gerne mache.

00:22:17: Also ich hab so meine Nase drauf und die sollen eher allgemeingültig sein und nicht so irgendjemanden speziell meinen.

00:22:26: Jetzt schauen wir noch mal auf Konrad und Paul!

00:22:28: Du bist ja... also wenn du heute fünfundzwanzig wärst nochmal?

00:22:30: Du bist knapp drüber kann ich an der Stelle sagen.

00:22:34: Schwul-Single völlig unbekannt damals wärst würdest du den versuchen mit Comics berühmt zu werden oder doch lieber einen OnlyFans Account eröffnen?

00:22:43: Nein, nein.

00:22:43: Die Comics sind ein Geschenk!

00:22:45: Also das sehe ich auf jeden Fall so... Ich weiß ja nicht woher ich das habe.

00:22:48: in meiner ganzen Familie rechts und links und früher gab es niemanden der irgendwie mit Kunst auch nur ansatzweise irgendwas zu tun gehabt hätte.

00:22:56: also ich wüsste sich jetzt einfach, woher das ist weiß ich nicht.

00:22:59: meine Eltern waren da völlig fremd mit meinen Schwestern am Downes mit dem Hut.

00:23:04: die meine Familie hat doch meine Bücher nie wirklich gelesen.

00:23:07: Meine Schwäge, also die Männer meiner Schwestern, die fanden das toll.

00:23:10: Aber meine eigene Familie konnte damit nie irgendwie richtig was anfangen.

00:23:14: Ich hab jetzt vor ein paar Tagen ... ich sag's fast ungern aber dann dein Karst hast ja auf Füchtern und Bärsdorf-Schüchtern?

00:23:22: Schüchterm

00:23:23: bis Nüchtharn!

00:23:23: Das sind wir beide hoffentlich am Samstagmorgen.

00:23:27: Also Schüchter darfste nicht sein du musst ein bisschen bitte nicht schüchdern, also gerne raus damit.

00:23:33: Ja, ein bisschen für ich bin ich wohl schon weil Ich habe vor ein paar Tagen hier in Düsseldorf den Landesverdienstorten bekommen von Ministerpräsident Wüst.

00:23:43: Und das ist etwas, wo ich mir bisschen die Augen reibe.

00:23:46: Also da, ich denke, meinen die echt mich so?

00:23:50: Ich hab davor vor forty-fünf Jahren einen billigen Feldschiff genommen und lustige kleine Versorte für Hule Mentving gezeigt.

00:23:58: Und jetzt stehe ich in Düsseldorf Ich schüttle den Ministerpräsidenten die Hand und habe jetzt einen Ordner am Gewehr.

00:24:04: Das ist so ein bisschen, also ich kann es noch nicht so richtig glauben aber jetzt hab' ich wieder den Faden verloren.

00:24:11: du hast worauf war die Frage jetzt?

00:24:14: Ist gar nicht schlimm denn wir haben hier so viele Fäden herumliegen dass Du immer einen finden wirst den Du wieder siehst oder an dem Du ziehen

00:24:21: kannst.

00:24:22: Ja genau!

00:24:23: Also ob Du damit auch mal beginnen würdest mit

00:24:26: Genau, also ich würde auf jeden Fall wieder Komikzeichen ist das Beste was passieren konnte.

00:24:31: Das muss ich schon sagen... Ich habe ja auch hier und da mal eine Erfahrung gemacht mit Filmen zum Beispiel.

00:24:36: Einige meine Bücher wurden ja verfilmt mehr oder weniger gut Und da hab' ich jedes Mal gedacht Gott sei Dank brauche ich nur ein Vfilt-Stift und Blatt Papier und kann das machen was ich will die Nasen gucken wie ich will, die sagen was sich will Und keiner redet mir da und rein, dass sich irgendjemand den Witz vielleicht nicht versteht oder das ist so lang oder das zu kurz.

00:24:57: Da muss noch irgendwas erklärt werden und es ist ja schrecklich Drehbuch schreiben und dann mit den Produzenten diskutieren.

00:25:05: Ist sowas von ermüden, dass ich immer denke gut, dass alles was ich kann alleine kann.

00:25:13: Das kannst du.

00:25:13: Und was ich auch mal an der Stelle erwähnen möchte, auch im Vorfeld der heutigen Aufzeichnung als wir uns das erste Mal digital begegnet sind miteinander kommuniziert haben ist es auch sofort aufgefallen.

00:25:23: Du bist ein sehr bodenständiger Mensch, der glaube ich sein Lebenswerk gar nicht so wahrnehmt wie das andere wahrnehmen denn die Öffentlichkeit sieht das ja schon.

00:25:32: Also viele sind mit dir groß geworden oder älter geworden.

00:25:36: Du bist jemand der vielen Menschen hier auch Freude schenkt und sonst wärst du auch bei mir nicht im Podcast.

00:25:40: Ich danke dir das sehr dass du auch vorbei geschauen Und heute mein Gras bist, denn ich glaube Menschen wie Ralf König tun der Gesellschaft einfach gut.

00:25:50: So es gibt viele Menschen die verstreuen negative Energie.

00:25:52: bei dir ist das ja etwas anderes?

00:25:58: Ja ich bin froh dass ich keine negative Energie habe.

00:26:00: also das muss ich sagen wenn man am Ende seines Lebens sagen kann man hat den Leuten ein bisschen was zu lachen gegeben und zum nachdenken vielleicht in einem guten Sinne, dann ist das besser als irgendwie schlechte Laune verbreiten und ein schlechter Politiker zu sein, der irgendwie Tod und Verterben bringt.

00:26:18: Den Ordentlich nicht mehr dann schon auch an den Anzug aber es ist so ein bisschen... Ich glaube es gibt einen Wart dafür dass man jetzt aber nicht einfällt wenn Künstler was machen oder gemacht haben oder überhaupt nicht nur Künstlern vielleicht und dann aber nicht so richtig Verstehen, warum das denn so gut ankommt.

00:26:42: Ich habe jetzt gerade das Gefühl auch mit diesem Landesverdienstorden oder den Preisen die ich in letzter Zeit bekommen habe oder den Lesungen die ausverkauft sind und dass da irgendetwas... Dass sich da irgendwie so ein bisschen eine Art Ernte einfahre.

00:27:00: Also wo ich gar nicht gerechnet hätte Aber es höre wirklich sehr, sehr oft dass gerade schwule Männer zu mir kommen nach Lesung beim Signieren oder so.

00:27:11: Dass meine Comics für sie damals richtig wichtig waren.

00:27:15: Also das ist eine Coming-Out Hilfe war.

00:27:18: Das ich der erste war, der in die Sache mal ein bisschen Witz und Humor reingebracht hat In einer Zeit wo eben Witz zum Humor in der Zwollenszene schwierig war.

00:27:27: Und da bin ich auch ein bisschen stolz.

00:27:33: Aber da ich das damals... Da gab es das Internet ja nicht.

00:27:39: Ich hatte ja kein Feedback, ich habe nur gemerkt die Bücher verkaufen sich ganz gut und immer besser aber ich hab' ja selten mit den Leuten gesprochen, die's gelesen haben.

00:27:48: Das passiert jetzt sehr oft.

00:27:51: Das gefällt mir.

00:27:51: aber manchmal denke ich auch jetzt in Düsseldorf dachte ich irgendwie meine die echt gleich.

00:27:56: Das ist ein bisschen komischer.

00:27:59: Tja, mit sechsundsechzig Jahren fängt das Leben an.

00:28:02: Ja, bitte.

00:28:03: Ich habe den Geburtstag gerade hinter mir und von allen Seiten klärte mir dieses Lied entgegen.

00:28:08: Das ist ja schrecklich!

00:28:09: Also dann entnehme ich dem, dass du auch nicht so der größte Schlager findest?

00:28:16: Oder Jürgens mag nicht das schlechteste gewesen sein, aber mit dem Lied hat er mich fickt.

00:28:21: Zum Glück ist es nur einmal im Film, dass man sechsundsechzig wird.

00:28:25: Also ich fand die Beatles ein paar zwei Jahren, am sechsten vor fand ich sehr viel... Humor voller und netter als dieses Glied.

00:28:33: Das ging mir echt auf den Nerven, weil auch jeder meint er sagt es zum ersten Mal.

00:28:37: Ja klar!

00:28:38: Es ist jetzt auch bei Facebook oder so... das Leben fängt erst an, da hat man Spaß daran und das ist ja nur eine charmlose Lüge.

00:28:45: Ich glaube was anfängt ist Posterterprobleme und so ein Scheiß aber bestimmt nicht das Leben.

00:28:51: Ja die Liebe ist unheimlich.

00:28:54: Ich wollte auf was ganz anderes hinaus, du merkst schon wir sind heute so ein bisschen quer bet mit den Themen aber das ist ja der schöne an dem schönen Podcast dass wenn man sich gut versteht ihr auch mal so links und rechts blicken kann.

00:29:03: Was mich aber interessiert also wenn wir jetzt so eine Comic zeichen was ist denn da so?

00:29:07: das wichtigste ist die Körpersprache oder der Blick der abgebildeten Personen?

00:29:14: Ich frage, dass da viele deiner Pointen nicht durch spektakuläre Situation entstehen sondern ja durch alltägliche Gießen und Dialoge.

00:29:23: Das ist so der Stärke auch deines Humors.

00:29:28: In der Zeichnung sind die Augen ganz wichtig.

00:29:32: Das erste was ich zeichne in den Augen.

00:29:34: Wenn die lehme schiefgehen dann fange ich gleich wieder von vorne an.

00:29:39: In Bruchteil einer Sekunde müssen die Augen sitzen.

00:29:42: Ich mache sie mit einem ganz dünnen Feinliner, der am liebsten noch halb leer ist, sodass der Sprich richtig dünn kommt.

00:29:50: Ich zeige ihn auch eins zu eins und ich zeig ihn nicht größer oder so wie viele kommen, sondern ich zeige es nicht so wie es nachher auch gedruckt wird.

00:29:58: Und diese Augen sind eine Sache von der Sekunde und ich sehe sofort ob er sitzt oder nicht.

00:30:02: und dann kommt die Nase Und die Körpersprache, ja wie sie im Sofa sitzen und so.

00:30:14: Ich hatte Nebenwille im Busch.

00:30:16: neben Robert Crumpf und in den ähnlichen großen Zeichnern war mein Erweckungserlebnis in den achtziger Jahren Claire Bretuchet.

00:30:25: Claire Bretuschet ist die große französische Zeichlerin, die hat sich frustrierten gemacht.

00:30:30: damit war sie zumindest in Deutschland am berühmtesten weil der Rohvold Verlag der ja sonst keine Comics gedruckt hat bis dahin.

00:30:37: Hat die Frustrierten gebracht, weil sie einfach so ehrlich auf den Punkt waren.

00:30:41: und da muss ich sagen habe ich gesehen wie witzig es sein kann wenn man Geschichten aus dem Alltag erzielt.

00:30:47: Comics war vorher für mich ein Ding das war eher Weltraum und Monster und Western und Piraten.

00:30:54: Ich hatte als Kind schon eine blühende Fantasie, meine Mutter hat das alles aufbewahrt was sich als kind gezeichnet haben Wieder entdeckt in ihrer Schublade, im Pflegeheim.

00:31:06: Und das hat mich schon sehr beeindruckt was ich als kleiner Junge schon mir alles ausgedacht und gezeichnet habe.

00:31:15: Aber Claire Britische war die erste Zeichnerin die mit zeigte dass es viel witziger ist wenn da zwei Nasen auf den Sofa sitzen sich darauf unterhalten wo's zum nächsten Urlaub geht eine will in die Berge der anderen ans Meer und wie so ein Dialog da laufen kann.

00:31:28: Das wollte ich damals, als ich das entdeckt habe in den Achtzigern für Schwule machen und ja hab mich an diesem Stil orientiert.

00:31:39: Also jeder hat seine Idole und sie war sicherlich mein größtes.

00:31:44: Gibt es denn Eigenschaften die sich durch fast alle Deiner Figuren ziehen?

00:31:48: Unabhängig davon ob Sie sympathisch oder vielleicht auch unsympathisch herüberkommen sollen?

00:31:56: Also ich finde Schwächen durchaus sympathisch.

00:31:59: Wenn die Leute komplexe haben oder unsicher sind, dann ist das etwas was sich... da kann man Humor mitmachen und es ist aber auch sympathisch.

00:32:09: also wenn es um was ganz andere gut sind immer zwei würde ich sagen Handlungsstränge oder aber zwei, zwei Ebenen.

00:32:20: Wenn wenn zwei Nasen sich unterhalten man wegen dem Kaffee jetzt und hält sich Paul mit einem seiner besten Freunde den Ludger oder so Und es geht um irgendwas wahrscheinlich das er Kellner gut aussieht oder dass die nächste Party da unten ist Und dann sagt paul einfach mittendrin ohne gehen zusammen an hast du dir den Bart gefärbt?

00:32:40: So also und der leser merkt Das Gegenüber von Paul hat einen pechschwarzen Bart.

00:32:47: Und der wimmelt aber ab und dann geht es wieder um was anderes, und dann lässt Paul aber nicht nach.

00:32:52: Hast du dir den Bart gefärbt?

00:32:54: Dann nochmal!

00:32:54: Also das bringt die andere Figur dann in die Brädullie und so entfet mit's.

00:32:59: Und dass ist das eben wie wirkliche Gespräche auch.

00:33:03: Ja nun mal stattfinden... Es ist nicht, dass ich da bewusst sitze und Gespräche analysiere und merke, dass war der gesagt oder so.

00:33:13: Ich scheine auch gut, Selbstgespräche führen zu können.

00:33:15: Das braucht man glaube ich als Dialogschreiber auch, dass man mit sich selbst reden kann.

00:33:29: Also die Drehbuchdialoge in vielen, vielen oft vor allen Dingen deutschen Produktionen, Fernsehfilmen oder auch Kinofilmen auf katastrophal weil man einfach hört... dass da jemand am Freibtisch sitzt und das in den Laptop getippelt hat.

00:33:44: So sprechen Menschen nicht wie in den Krimis gesprochen wird, und das interessiert mich dann sehr schnell nicht.

00:33:50: Ich mag das dann nicht sehen oder hören vor allen Dingen.

00:33:53: Und ich habe irgendwie für mich immer so eine Gegenstimme vielleicht deshalb viel zufrieden.

00:33:59: Wenn der eine redet, dann antwortet der andere ganz selbstverständlich dieses darauf.

00:34:04: Das denke ich mir nicht aus!

00:34:05: Es kommt einfach wenn ich Glück habe bei der Nibelung Schwierig, weil das ist die Mittelalter und so.

00:34:11: Aber wenn die Leute in Köln sitzen im Café, habe ich kein Problem mit es

00:34:15: auszulenden.".

00:34:16: Wie viele Reifkönig hab' ich jetzt in der Leitung?

00:34:18: Ein zwei oder drei?

00:34:20: Ich hab nur zwei!

00:34:22: Nur zwei!

00:34:25: Gut, die reichen mir auch.

00:34:27: Danke dafür.

00:34:28: Hast du denn manchmal das Gefühl dass Leserinnen und Lesern erst lachen und erst später merken, worüber eigentlich...

00:34:37: Naja, das weiß ich nicht.

00:34:38: Ich weiß ja nicht wie die Leute lachen vorüber... Das wird mir selten auch so erzählt.

00:34:42: Also du bekommst auch selten Feedback von deinen Gegenübbern?

00:34:44: Bekommst du dich irgendwann mal so Kenntnis oder Briefe früher?

00:34:49: Ja, Feedback bei Facebook bekomme ich das natürlich wenn ich meine, vor allen Dingen wenn ich die Comics da poste jeden Tag Aber die gehen ja jetzt nicht so tief.

00:35:02: Die Lachen, aber die Frage ob sie erst lachen und später was sich denken oder sowas kommt schon mal.

00:35:12: Aber die meisten lachen für den Moment und dann ist auch gut.

00:35:18: Ich hab auch nie irgendwelche Geschichten erzählt, um jemanden irgendwas beizubringen oder aufzuklären.

00:35:24: Auch in den Nachtsägern damals nicht.

00:35:26: Das war niemand mein Ansatz und ich glaub das war ein Glück weil wenn es so belehrend rübergekommen wäre wird's wahrscheinlich nicht funktioniert.

00:35:34: Ich wollte einfach schweilig schon Comic sein!

00:35:37: Ich hatte Fritz Kett von Robert Trump entdeckt und in einem Teenager, also sehr jung, ich war vierzehn oder so habe ich entdeckt dass es eben Comics für Erwachsene gibt, wo die Ficken und wo die Kiffen und wo keine Ahnung.

00:35:51: Und das wollte ich auch.

00:35:53: Das habe ich gezeigt, dass ich wohl bin.

00:35:57: Wusste sich ja sehr früh schon.

00:36:00: Ich glaube, ich bin eher naiv als mutig.

00:36:03: Heute wird manchmal gesagt, ich wäre mutig gewesen.

00:36:06: Das sagte der Präsident Wüst in Düsseldorf auch.

00:36:10: Aber das kann ich nur verneinen.

00:36:12: Ich finde überhaupt nicht mutig!

00:36:17: Zeichne einfach vor mich hin und überprüfe eigentlich nicht so richtig, ob das jetzt jemanden beleidigen könnte oder nicht.

00:36:25: Das ist ja auch damals war es nicht so ein Problem.

00:36:28: Es wird mehr und mehr eins, dass Leute sehr schnell beleidigt sind durch Witz- und Tumor und so.

00:36:36: Darf was ruhig möglichst wenig dran zu denken?

00:36:39: Ja, es gibt ja Comics.

00:36:40: Das erlebst du vielleicht bei Lesungen.

00:36:41: Da gibt es vielleicht auch Comics die rückblickend... Anders verstanden werden als zum Zeitpunkt ihres Erscheinens, denn Humor entwaffnet ja auch.

00:36:49: Du nimmst ja Themen die Schwere und ist sie kleiner zu machen?

00:36:52: Und ich denke das meinte Ministerpräsident wüsste vielleicht so ein bisschen... ...zweitausendsechsundzwanzig ist einfach anders als vor fünfunddreißig Jahren.

00:36:59: Ja!

00:36:59: Das war eine andere Zeit.

00:37:01: da gehörte schon etwas mehr Mut dazu gewisse Themen auch zu zeichnen, darzustellen, zu veröffentlichen.

00:37:08: Ja aber erstens habe ich ja niemals gedacht dass sich damit Erfolg haben werde.

00:37:14: Ich habe das gezeichnet, weil ich irgendwie gerne Comics gezeichnt habe.

00:37:18: Und mich wäre dann an der Kunstakademie, weil sich irgendwas mit Kunst machen wollte.

00:37:23: Dass das mit den Comics funktionierte war natürlich toll und dann konnte ich auch nach dem bewegten Mann bei Robert tatsächlich davon leben.

00:37:34: Natürlich habe ich weiter Comics gezeichert und nichts anderes gemacht.

00:37:36: aber als ich damit anfing, war das ja keine Berufsperspektive... Ich war schwul und ich hab schwule Comics für meine schwulen Freunde.

00:37:47: Und die Szene da draußen gezeichnet.

00:37:49: Ja, und heute ist der Mann.

00:37:53: also da gibt's diesen oder jenen Witz, der heute an vielleicht nicht mehr so verständlich isst weil die Zeiten sich geändert haben oder auch B, den ich heute auch schon nicht mehr zeichnen würde.

00:38:05: Weil man heute vielleicht auch hier und da ein bisschen sensibler geworden ist, wobei das mit dem Sensibel auch schwierig finde.

00:38:12: Wenn ich gerade beklagte, dass viele Leute keine Selbstironie mehr haben und Humor nicht mehr verstehen dann ist das ja nicht nur im täglichen miteinander ein Problem sondern eben auch für jemanden der Humor produziert.

00:38:23: Und Satire produziert oder so.

00:38:28: Ich habe harte ein bisschen mit der queeren Szene wo ich denke die ist ziemlich humorlos geworden.

00:38:37: Das war nicht immer so, aber in letzter Zeit ist es so.

00:38:40: Also meine Philosophie daraus ist mich wirklich auf meine schwulen Belange zu konzentrieren und das zu zeichnen was ich sehe und was ich selber denke und erlebe oder mir ausdenke.

00:38:52: Aber ich habe nicht den Anspruch die ganze Regenbogenfahne abzubilden und alles was nicht binäherend oder trans Menschen oder auch erleben müssen Da verstehe ich zu wenig von.

00:39:05: Ich habe das sich immer im Freundeskreis und deswegen kann ich das auch nicht beobachten, dann lasse ich lieber die Finne

00:39:10: davon.".

00:39:11: Ja, das ist eine gesunde Einstellung!

00:39:16: Wofür läuft denn für dich die Grenze zwischen Humor-und Verletzung?

00:39:23: Naja wenn es persönlich wird.

00:39:25: also ich versuche halt eben meine Figuren allgemein gültig zu halten dass keiner der Manfred heißt jetzt sieht Oh, die Figur.

00:39:34: Das bin ich aber und alle lachen jetzt über mich oder so das nicht.

00:39:38: Also das muss durch den Humor Wolf gedreht werden und alle sollen sich angesprochen fühlen wenn es geht und nicht nur eine Person.

00:39:46: Ich habe den Fehler ganz am Anfang mal gemacht.

00:39:50: in Dortmund hab ich meinen ersten Schwul-Comics damals noch gezeichnet In den Achtziger an Anfang der Achtzeiger Und es gab damals in Dortmond einen Typen Der machte die sogenannte Rosa Hilfe.

00:40:04: Rosa Hilfe war damals so ein Sorgentelefon für junge Schwule, die Angst haben und die Informationen brauchen.

00:40:11: Und da war das Ding, wenn man bei dem anrief und sich bei dem traf, ich ging da auch durch dieses Abenteuer also dann landete man erst mal bei dem im Bett.

00:40:24: Es ist nicht so schön und heute klingt das alles noch vorspare als damals.

00:40:30: Ich habe das damals so hingenommen.

00:40:34: Also, ich hab es nicht als ein Missbrauch erlebt.

00:40:42: Also

00:40:42: es ist mit dem gegenseitigen Einvernehmen geschehen, das ist freiwillig.

00:40:46: Ja ja, als hat mich keiner jetzt vergewaltigt oder so.

00:40:49: aber ich landete bei dem Bett und das ging schneller als ich dachte weil da war ich nun wirklich noch unerfahren und schüchtern und sowas wurde natürlich dann von so jemandem auch ein bisschen ausgenutzt.

00:41:02: Aber durch dieses Sprungenbrett sag' ich mal war ich dann zack in der Schwulzehne im Dortmund und fühlte mich dann auch wohl!

00:41:09: Nur da ich habe dann aber ein Comic gemacht damals, das war nur so zwei drei Seiten oder so über jemanden der das zur Hand habt und er hatte aus einer Brille auf genau wie der Typ eine Brille hat.

00:41:20: Und der fühlte sich tatsächlich angesprochen und das war ja auch und alle wussten dass er in diesem Comic geht.

00:41:28: Und dann hat er mich darauf angesprochen fand es überhaupt nicht gut und da fand ich ist auch gar nicht gut dass ich das gemacht habe.

00:41:35: Das hatte ich unterschätzt, dass man ihn erkennen würde und da habe ich mir gemerkt also ne.

00:41:38: Also wenn du Comics zeichnen dann nicht irgendwelche bestimmten Personen zu meinen oder so das ist nicht.

00:41:46: Jetzt erzählen deine Geschichten ja häufig von Liebe, von Scham und Sicherheit Angst.

00:41:52: Warum liegen denn diese Gefühle so nah beieinander?

00:41:56: Naja weil wir Menschen sind.

00:42:02: Wir sind verletzlich.

00:42:03: Und wir sind Eitel und die Eitelcard ist schnell verletzt.

00:42:06: oder wir haben Komplexe, Body Shaming keine Ahnung.

00:42:13: Wir werden älter und müssen damit uns auseinandersetzen dass wir in den Spiegel gucken und aussehen wie ein alter Sack.

00:42:20: Das ist ja auch ganz streng.

00:42:22: Dann gehen wir zu irgendwelchen Barbieren, die viel zu teuer sind aber die einem einen schönen Nachschritt fahren.

00:42:32: Wir sind Menschen und wenn es mir ein bisschen gelingt, diese ganzen Widersprüche und Zweifel da irgendwie Sprechblasen zu bringen dann ist das wahrscheinlich was.

00:42:42: Gibt

00:42:44: es den Themen die heute schwieriger geworden sind?

00:42:46: Du hast das ja auch immer sehr lustvoll gemacht mit Klischees über Schwude zu spielen.

00:42:51: Könnte ein junger Zeichen heute noch so umbefangen in Anfang wie du das damals gemacht hast, wie du angefangen hast?

00:42:57: Nee, das glaube ich leider nicht!

00:42:59: Das glaube ich nicht... Also es ist sowieso, ich meine es gibt hier und da schule Zeichner, Comiczeichner.

00:43:07: Aber da gibt's jemanden in Berlin der zeichnet so Bärenkomics, so dicke Warteminnen und so.

00:43:17: Es ist jetzt nicht sehr gesellschaftskritisch, das sind kleine Sexgeschichten... Ich glaube, dass ich mit dem was ich damals in den Achtzigern gemacht habe heute auch nicht mehr durchgegeben.

00:43:30: Man muss schon sehr gut sein sofort um überhaupt an die Öffentlichkeit zu kommen.

00:43:35: Ich hatte damals so einen geschützten Raum, ich hatte kleine Schwuleverlage Die haben das in kleiner Auflage gedruckt und es gab ein kleinen Leserkreis der das gekauft hat Und so konnte ich über die Jahre hinweg meinen Zeichenstil und meiner Erzählweise immer besser machen.

00:43:53: Heute Kommst du ums Internet nicht drum herum?

00:43:55: Du musst halt bei Facebook oder Walk immer deine Sachen posten.

00:43:58: Und wenn die noch nicht gut genug sind, oder du hast noch irgendwie nicht ganz verstanden wie da sie läuft dann kriegst du sofort so rum die Ohren dass das die meisten sich gar nicht aus trauen das zu machen.

00:44:09: schlimmer noch die Nicht nur dass die meisten jungen Zeichner und zeichnerinnen sich nicht trauen sondern Sie kommen wahrscheinlich gar nicht auf die Idee.

00:44:16: Ähm

00:44:17: irgendein.

00:44:18: Szene kritischen Comics zu zeichnen denn das ist tatsächlich schwierig.

00:44:22: auch die Schwulen Da muss ich sagen, bin ich sehr erfreut.

00:44:26: Die schwulen Männer teilen meinen Humor also nicht alle aber die meine Bücher schon so lange jetzt kaufen und mögen.

00:44:37: Die sind so drauf wie ich.

00:44:38: das ist ja auch eine bestimmte Altersgruppe.

00:44:40: Also ich sage mal zehn Jahre plus Minus würde ich sagen die ganze Jungen aller erreichte ich ja auch nicht.

00:44:46: mehr will ich gar nicht.

00:44:49: Ich finde älter werden sowieso ein spannendes Thema.

00:44:51: da werde ich bald anbleiben.

00:44:52: Aber Aber ich glaube, dass das junge Zeichen heute sehr schwer haben in einer Szene, die so empfindlich ist.

00:45:00: Wo jeder selbst die Rundschwebe sofort Kontra kriegt weil jemand sich beleidigt fühlt oder nicht ernst genommen oder nicht gesehen.

00:45:09: Es ist echt schwierig geworden!

00:45:12: Also zum Thema Älterwerden kann ich dich insofern beruhigen, dass ich vor einiger Zeit die wunderbare Anneliese Hackmann bei mir zu Gast hatte eine neunzigjährige total engagierte Dame Expertin für Edelkatzen.

00:45:25: Und die hat also vor vielen, vielen Jahren auch an Gesetzen mitgeschrieben und jeder der eine Katze zu Hause sitzen hat darf dieser Frau nur danken ja?

00:45:32: Und dann habe ich sie irgendwann mal gefragt Mensch, Frau Hackmann jetzt sind Sie ja schon über neunzig.

00:45:36: wie sieht's denn aus?

00:45:36: möchten Sie nicht mal ein bisschen kürzer treten?

00:45:38: und ihre Antwort war Herr Buchter mein Kalender ist voll für die nächsten zwei drei Jahre.

00:45:42: Ich habe keine Zeit zum Kürzertreten.

00:45:44: Jetzt geht es erst richtig los.

00:45:47: Diese Frau wird uns alle überleben und wir hoffen auch, dass Reif König uns überlebt.

00:45:51: Aber das ist ein anderes Thema damit du noch viel zeichnen kannst.

00:45:55: Du hast ja seit Jahrzehnten ein schules Leben.

00:45:57: Hast du denn manchmal das Gefühl, dass wir gesellschaftlich gerade wieder so ein bisschen rückwärts laufen?

00:46:03: Ja sicher!

00:46:06: Das ist ja keine Frage von Gefühl.

00:46:11: Je lauter die Quieres hin und wird, umso mehr Widerstand kommt da ja natürlich auch.

00:46:15: Das ist ja klar!

00:46:17: Und jetzt mit der AfD und so was uns dann ins Haus steht, dass diese Kräfte wieder stärker werden... das ist alles gar nicht witzig.

00:46:28: Ich bin nun kein politischer Zeichner.

00:46:30: Ich fühle mich jetzt überhaupt nicht auf.

00:46:34: Ich meine es wäre schön wenn mir da mehr zu einfiel und wenn ich eine Idee habe mache ich das ja auch.

00:46:40: Aber ich bin jetzt so niemand, der sich hinsetzt und ich mache jetzt Kartons gegen die AfD oder so.

00:46:47: Das ist nicht meins.

00:46:48: Also das lasse ich mal in einer Sprechblase fallen und ich glaube es besteht ganz zweifel bei niemandem darüber dass ich da eher eine andere Meinung habe.

00:47:01: aber ich bin kein Karikaturist und mache keine politischen Kartons oder sowas.

00:47:07: selten wenn als diese Diese Mohamed Geschichte, da war mit den Mohamed-Kartons in Dänemark.

00:47:14: Da war ich damals mal so erboßt über diese Idee dass man sich nicht über eine Religion lustig machen darf das ich da einige Kartons rausgehauen habe die auch jetzt wieder in der Begründung warum ich den Landesverdienst war natürlich noch einmal hervorgekramen wurden.

00:47:30: Aber auch da würde ich sagen, da war ich weniger mutig als vielleicht naiv oder so.

00:47:35: Ich war wütend und habe das gezeichnet und es kam dann gut an weil die meisten Gartunisten haben sich gar nichts zugeheuzt hat.

00:47:44: Außer jetzt in der Titanic

00:47:45: usw.,

00:47:45: da ist natürlich Thema.

00:47:47: aber so Comic Zeichner oder so wüsste ich nicht, die haben da nicht so viel gemacht.

00:47:53: Natürlich gibt es diesen Backlash.

00:47:58: Ich guck mir das an und ich bin im normalen Leben überhaupt kein witziger Mensch.

00:48:03: Das kann man nicht sagen, ich neige auch eher zu depressiven Stimmungen.

00:48:08: hat man wirklich allen Grund zu?

00:48:10: also wenn schon die Sommer jetzt so sind dass man sagen kann man kann sich eigentlich nicht mehr auf den Sommer freuen weil diese Hitzewellen waren ja wirklich in diesem Jahr extrem Und es geht ja so weiter.

00:48:20: das macht alles keinen Spaß.

00:48:22: und dann die politischen Entwicklungen und auch im privaten die meine Eltern sind gestorben und was damit zusammenbängt an Emotionen und dann, was man alles erledigen muss.

00:48:31: Und also da auch daran liegt es ein bisschen dass ich mit den Nibelungen lange Zeit nicht weiter kam weil das Leben einem manchmal um die Ohren haut und man nicht so richtig dazu kommt zu entspannen und einfach das zu machen was man machen will und muss.

00:48:49: Dann sind wir froh, dass es Konrad und Paul gibt.

00:48:51: Und wenn die beiden heute Anfang zwanzig wären, Grindr, Tinder, Prep, Instagram, offene Beziehungen, hätten die beiden ein leichteres Leben oder werden sie komplett überfordert?

00:49:08: Also Grindr... Ich meine was heute Grindr heißt war ja damals Geromio oder so, also von der Art und Weise unterschaltet sich das ja glaube ich jetzt nicht.

00:49:18: Ich bin da raus, das weiß ich nicht aber ich glaube das sind diese Kontaktdatingseiten Und da wird sich ja nicht so viel geändert haben.

00:49:26: Also für alle, die uns jetzt zuhören, die Nichtspur sind und nicht der queeren Community angehören vielleicht auch über fünfzig?

00:49:32: Das ist wie Quelle- und Neckermann!

00:49:33: Man nimmt einen Einkaufswagen, man steckt sich da irgendeinem Produkt rein im Zweifel, es ist immer ein Mann... ...und dann geht man zur Kasse.

00:49:41: Aber auf wilder Mann ja nicht, das wollen wir doch nicht verfehlen.

00:49:43: Da kann man ihn ja umtauschen

00:49:45: Der springt ja noch zum Einkaufswagen wieder raus.

00:49:49: Also für mich war damals, ich meine wann wurde das erfunden Anfang der Neunziger oder so langsam... Für mich, der ich ein Kneipenmuffel immer war also ich hatte immer keine Lust in die Kneipe zu gehen und mir die Nächte um die Ohren zu holen bei Bier dass es mir nicht schmeckt und Musik die ich nicht mag nur um da irgendwann über müdet irgendjemandem Böse anzugucken der dann böse zurückguckt und dann zieht man zusammen ab.

00:50:11: Das habe ich dann im Frühling wenn mich der Haferstach gerne mal gemacht, aber eigentlich war das nicht so ein Ding.

00:50:18: Und als das Internet dann erfunden wurde und man bei Gay Romeo in diesem Fall nach dem Foto gucken konnte, gefällt er mir oder nicht?

00:50:30: Dann konnte man ihn bestellen und er kam dann um acht Uhr abends vorbei und da guckte man sich an.

00:50:34: Und ob das was ist oder nicht und dann meistens war es was.

00:50:37: Also das hat mir wirklich den Zugang zum Sex auch sehr erleichtert.

00:50:42: Da möchte ich jetzt gar nicht drüber schimpfen Und ich glaube, das wäre jetzt bei Conrad und Paul wenn die Jünger wären ähnlich.

00:50:50: Weil Paul sowieso der ist ja etwas simpler gestrickt.

00:50:55: Das heißt wer von den beiden hätte denn da schlimmer ein Datingprofil?

00:51:01: Schlimmer, aber wir definieren schlimmer!

00:51:03: Ja das darfst du definieren, Du bist mein Gast.

00:51:06: Ich denke Paul hätte überhaupt einen Datingprofil.

00:51:09: Conrad würde sich wahrscheinlich eher schüchtern dran trauen, hätte vielleicht ein DATING-Profil wäre dann aber nicht so viel unterwegs.

00:51:16: Geh man da jetzt erstmal nicht so Sex sucht, sondern der ist eher kulturell interessiert und das ist bei Geromio schwieriger sich so verabreden in die Oper zu gehen oder so.

00:51:26: Darum geht es ja dann nicht.

00:51:29: Wurde überlast du heute anders als mit Vierzig?

00:51:31: Ist Gelassenheit eine Voraussetzung für Humor?

00:51:39: Schaden tut's nicht.

00:51:40: Gelassen hat etwas... steht auf jedem Teebeutel gelassen hat oder so heißt der Tee ja auch oft, Gelassenheit oder innere Ruhe.

00:51:52: Also ich bin es manchmal peinlich solche Tees zu kaufen wenn man den Kräuter-Tee trinken will weil die einfach so scheiße heißen.

00:52:00: Gelassen hat ist nicht schlecht.

00:52:03: ob das eine Voraussetzung ist für Humor?

00:52:05: Ja doch!

00:52:06: Ich würde schon sagen, ob ich heute anders aber andere Dinge lache als früher möchte.

00:52:14: Jetzt mal bezweifeln.

00:52:16: Also ich mag alles was ein bisschen derb ist und bisschen also derbt nicht im platten Sinne sondern das war Facebook bei mir.

00:52:26: immer.

00:52:26: ein Problem ist dass dir alles was nackt ist sofort ... sperren.

00:52:34: Ich kämpfe ja immer um mein Profil da, ne?

00:52:37: Also ich werde aus den unsinnigsten Gründen heißt es dann plötzlich das in Nacktarstellung und das ist pornografisch und das geht nicht.

00:52:43: und dann sperren die mich wieder oder... oder schränken meine Reichweite ein oder so.

00:52:48: Da muss sich im Maslalum fahren dass ich das was ich erzählen will erzählen kann ohne jetzt aber irgendwie einen Pimmel zu zeichnen weil dann muss man sofort weg.

00:52:55: Und das ärgert mich also diese amerikanische Prüderie über diese Über dieses Social Networksache, dass das so wie ein Trojanisches Pferd wird uns was unterjubelt und die nächsten Generationen wachsen wieder mit diesem verklemmten Scheiß auf.

00:53:13: Dass man keine Titte zeichnen darf oder zeigen darf ohne dass es irgendjemand empört oder so.

00:53:21: Das ist wirklich ein Problem!

00:53:23: Ja, es wäre ja auch schade wenn du überall so in den Schwarzen Backen drüber liegst?

00:53:27: Das muss ich bei Facebook tun.

00:53:29: Also der schwarze ist der Balken grad nicht, aber ich hatte neulich ein Comic gepostet.

00:53:33: Da liegen zwei Menschen im Bett und unterhalten sich ob sie zum CSD nach Rostock oder so fahren... Und der eine pult dem anderen da im Gespräch, so nebenbei ist gar kein Thema in der Unterose rum und holt dann auch mal den Pimmel raus und papiert zwar nichts mit dem Pimmeln Das ist schon zu viel.

00:53:53: Und dann habe ich das posten wollen und dachte, nee, die sperren mich wieder!

00:53:57: Dann habe ich über diesen Pimmel einen kleinen Tesafilmstreifen gelebt, dass man das nicht sieht.

00:54:04: Ob der Balken schwarz oder gelb ist, wäre egal aber man muss sich selber zinsieren um auf diesen Plattformen zu bestehen.

00:54:11: Ich sage es seit einiger Zeit also eigentliches Buch.

00:54:16: Papierbücher sind eigentlich cooler als das was wir bei Facebook da machen Weil man da bei Owald sagt mir keiner, der Pimmel ist zu groß und er muss weg.

00:54:25: Das sagt Max Ackerberg und das ist leider schlimm dass man ohne diese Facebook- und Instagram Sachen nicht mehr seinen Weg gehen kann.

00:54:37: Ich brauche das für meine Lesung um die bekanntzumachen.

00:54:39: ich brauche dass wenn ich ein Buch habe um das bekannt zu machen Die Verlage machen keine Werbung mehr weil sie sich das gar nicht leisten können.

00:54:47: also man ist selber nun aufgefordert Und gezwungen für sich Werbung zu machen, das geht nur noch übers Internet.

00:54:55: So ist es halt.

00:54:56: Ist denn das Internet-Socialmedia für dich eher Fluch oder Segen?

00:55:00: Naja beides!

00:55:03: Also ich habe angefangen mit diesen Comics, diesen kurzen Connacht & Paul Comics.

00:55:07: vier Bilder jeden Tag als Corona war.

00:55:13: Ich habe in einem Buch gezeichnet für Rohwald, das hat ein anderes Thema und plötzlich war von jetzt auf gleich nur noch Corona.

00:55:19: Man macht das Radio an und es war Corona, Corona, und ich wusste gar nicht wie lange dauert das jetzt noch.

00:55:24: und werde überhaupt jemand über meinen Buch sprechen?

00:55:26: weil was ist?

00:55:30: Das hat mich total verstört und verunsichert.

00:55:32: dann hab' ich angefangen zum Thema Corona so kleine Kartons zu machen Wo ich sofort merkte, die gingen durch die Decke bei Facebook jetzt und bei Instagram.

00:55:42: Wir saßen alle im gleichen Boot.

00:55:46: Also wir sollten alle zu Hause bleiben und nicht mehr atmen.

00:55:48: Wie gehen wir damit um?

00:55:50: Und diese Comics kamen so gut an, dass ich das weitergemacht habe.

00:55:55: Da ist dann auch die Dopamin-Ausschüttung gut funktioniert.

00:56:00: Ich war dann auch süchtig danach das zu machen.

00:56:02: Die Leute waren süchtige danach nach das zu lesen wunderbar!

00:56:06: Ich habe dann Robert gefragt, wie wäre das denn wenn die gesammelten Comics dann als Buch erscheinen?

00:56:11: Dann wäre ich von dem Thema was sich da gerade auf den Tisch hatte auch erlöst und die fanden es gut.

00:56:17: Ganz zu meiner Überraschung weil ich dachte sie sagen auch das kennen ja schon alle warum wir noch einen Buch machen.

00:56:22: aber ich hab den Werbeeffekt unterschätzt und dann habe ich halt schon ein paar durch die Corona Phase gehen lassen.

00:56:30: Das Buch aus verwirrte Zeiten kam bei Robert raus und war ein erfreulicher Verkaufserfolg.

00:56:36: Also der Fluch und Segen, also einerseits muss ich mich beschneiden und darf bei Facebook keine Pimmel zeichnen.

00:56:42: Wo ich dachte wir sind in unserem Breitengraden über sowas hinaus oder so eine Brüderie.

00:56:48: Sind wir nicht mehr?

00:56:50: Aber natürlich bringt mir das Internet eine Vielzahl von Lesern die haben vorher noch nie ein Buch vor mir angabt.

00:56:59: Und sie sehen plötzlich auch das ist ja witzig und kaufen es vielleicht auch.

00:57:04: Lieber Ralph, zum Ende unserer heutigen Folge die letzte Frage an dich.

00:57:07: Stell dir vor jemand liest in fünfzig Jahren – da feierst du dann, ich glaube deinen hundertsechzehnten Geburtstag – zum ersten Mal einen Comic von dir?

00:57:16: Was wünscht du dir denn das dieser Mensch anschließend über unsere Zeit versteht?

00:57:25: Also erstmal muss ich jetzt den Superpissimisten raushängen lassen.

00:57:29: Ich glaub noch nicht mal dass in fünfzig Jahren noch irgendjemand Comics will sein.

00:57:34: Also,

00:57:34: na das weiß ich nicht.

00:57:36: Ich

00:57:36: will jetzt nicht einsteigen.

00:57:37: es ist ja leider so dass in jedem Bekannten und wenn sobald mit meinen Freunden zusammen bin und irgendjemand sagt irgendwas von Klima oder Trump oder so dann geht sofort die Abwärtsspirale und man ist beim Weltuntergang.

00:57:49: aber ich glaube in fünfzig Jahren bei den Sommern die wir jetzt haben und noch haben werden wird werden comics wahrscheinlich das ganze.

00:57:58: aber egal ich hypothetisch dass ich die Frage mal an mich ran, was will ich denn dann haben?

00:58:03: Naja es wäre natürlich schön wenn so ein Einblick da durchgebe wie was gesellschaftlich los war welche Themen gerade angesagt waren und wie die Menschen miteinander umgingen und sprachen.

00:58:19: Das finden wir heute ja auch.

00:58:22: wenn wer etwas was fünfzig Jahre ist oder hundert Jahre alt Ist es ja auch interessant, was haben die Menschen damals gedacht und gesagt und geplaudert?

00:58:30: Und wo waren die Probleme und so.

00:58:31: Wenn das ein bisschen in meinen Comics sich für so jemand widerspiegelt, dann ist das schon eine tolle Sache.

00:58:38: Also, dann blicken wir gespannt in die Zukunft!

00:58:40: Und lieber Ralf herzlichen Dank für deine Offenheit, für dein Humor... ...für deinen Belieg auf die Welt.

00:58:46: Ja bitte

00:58:47: ganz kurz noch in dem Zusammenhang also dieses Corona-Ding, was ich gerade erwähnt habe, kann Paul erleben Corona Das war ja so eine außergewöhnliche Zeit diese Jahre mit all diesen Regeln, dass wir Abstand halten müssen.

00:59:03: Ich erinnere mich an Erdbeerkuchenessen bei meinen Freunden und dann ist Richard wirklich mit dem Kuchen von hinten gekommen damit er nicht mit dem kuchen an uns vorbei und so weil dieser einen Meter fünfzig Abstand da nicht... Das ist ja heute wenn man sich das überlegt und es ist eigentlich lange her!

00:59:17: So absurd, dass ich selber wenn ich in dieses Buch mal reingucke denke ich.

00:59:21: was ehrlich?

00:59:23: Und das ist natürlich dann toll, wenn jemand da in fünfzig Jahren irgendwas liest.

00:59:29: Wo er denkt gar sich die Welt aber echt verändert.

00:59:31: Das ist doch schön!

00:59:33: Ja also vor allem wenn es nicht nur die negativen Themen sind, die hängen geblieben sind sondern man auch noch schöne Sachen hat, die man weitergeben kann an die nächsten Generationen.

00:59:42: Lieber Ralph herzlichen Dank.

00:59:43: Es war eine Riesenfreude mit dir.

00:59:45: Danke dass du dir die Zeit genommen hast und von Herzen alles erdenklich Gute und wir hören uns spätestens zu deinem Sechsundneunzigsten Geburtstag wieder.

00:59:55: Oh Gott, oh Gott!

00:59:55: Da konnte ich jetzt auch drauf einsteigen... Das machen wir in

01:00:00: der nächsten Folge.

01:00:01: Alles erdenklich

01:00:02: Gute für dich.

01:00:03: Ich danke auch.

01:00:04: Danke Tschüss.

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