Brigitte Oelke | Die Frau hinter der Killer Queen - Was bleibt, wenn der Vorhang fällt?

Shownotes

Brigitte Oelke gehört zu den bekanntesten Musicaldarstellerinnen im deutschsprachigen Raum. Ob als Killer Queen in „We Will Rock You“, Mama Morton im Musical „Chicago“ oder mit ihren eigenen Konzertprogrammen – seit vielen Jahren begeistert sie mit einer außergewöhnlichen Stimme und großer Bühnenpräsenz. Mit André Puchta spricht Brigitte Oelke über ihren Weg von der Schweiz auf die großen Musicalbühnen Europas, über Erfolge, Zweifel, Lampenfieber und die Kraft der Musik. Es geht um Freddie Mercury, die Magie des Live-Moments, das Leben zwischen Scheinwerferlicht und Alltag – und darum, warum wahre Größe oft mit Bodenständigkeit beginnt.

Im Podcast „Schüchtern bis nüchtern“ begrüßt André Puchta spannende Charaktere mit außergewöhnlichen Berufen, Lebensentwürfen oder Leidenschaften. Eine Bühne für Biografien, die man nicht erfinden könnte. Hier trifft Kuhfriseur auf Detektiv, Domina auf Pfarrerin, Dildo-Designerin auf Tatortreinigerin, Human Puppy auf Ordensfrau und Hebamme auf Tantra-Trainer. Ein Podcast über das Ungewöhnliche – und das, was uns verbindet.

Transkript anzeigen

00:00:01: Wenn am Ende eines Musicals der letzte Tonverklungen ist und das Publikum begeistert aufspringt, denken die wenigsten darüber nach was hinter diesem Moment steckt.

00:00:33: Monate voller Proben Jahre voller Ausbildung, Tausende Vorstellungen.

00:00:38: Disziplin, Zweifel und der Anspruch Abend für Abend alles zugeben – auch dann wenn das Publikum nicht weiß wie der Tag hinter der Bühne begonnen hat.

00:00:48: Brigitte Ölke kennt genau dieses Leben!

00:00:51: Seit mehr als drei Jahrzehnten steht sie auf den großen Musical-Bühnen im deutschsprachigen Raum.

00:00:57: Sie arbeitete mit Persönlichkeiten wie Roman Polanski, Brian May, Roger Taylor, Michael Kunze und Sylvester Liewaj zusammen.

00:01:04: War Teil bedeutender Uraufführungen und verkörperte einige der bekanntesten Frauenfiguren des Musiktheaters – ob als Killer Queen in We Will Rock You, Norma Desmond in Sunset Boulevard oder aktuelles Freiland Schneider in Cabaret.

00:01:20: Sie hat Figuren nicht nur gespielt sondern mit Leben gefüllt!

00:01:24: Mich interessiert heute aber nicht nur die Künstlerin, mich interessiert die Frau hinter den Rollen.

00:01:30: Was bedeutet es jahrzehntelang auf der Bühne zu stehen?

00:01:33: Wie geht man mit Druck, Lampenfieber und Erwartungen um?

00:01:37: Und warum beginnt trotz aller Erfahrung jeder Abend wieder bei Null?

00:01:42: Herzlich willkommen bei Schüchtern bis Nüchtern Brigitte Oeke!

00:01:45: Ja hallo ich freue mich sehr dabei zu sein.

00:01:49: Liebe Brigitte, wie schön dich zu begrüßen und mich interessiert gleich zu Beginn wenn du nachts mal so ein bisschen zur Ruhe kommst.

00:01:55: Wie viel Musik klingt denn in deinen Ohren, wenn Du schliefst?

00:01:59: Also neben meinem Tinnitus, der ab und zu da ist es kommt immer drauf an.

00:02:07: also oft ist wirklich einiges dar von Proben von Vorstellungen oder wenn ich etwas lerne für eine neue Produktion oder ein Projekt muss ich wirklich oft schauen, dass sich das irgendwie dann auch noch mal rauskrieg.

00:02:25: Bevor ich einschlafe.

00:02:26: natürlich was dann im Traum geschieht ist dann nicht mehr das was ich kontrollieren kann.

00:02:32: aber ja

00:02:36: Das ist der Schöne an den Träumen, dass man sie nicht kontrollieren kann.

00:02:38: Und wenn man Schauspieler isst dann träumt man vielleicht eher von einer Bühne und man hat irgendwann einen Text vergessen das es dann ein so genannter Alpthraum... Wie ist es denn bei dir?

00:02:47: Träumst du denn auch mal davon, dass du irgendwie eine Liedseile nicht mehr kannst oder ein Blackout hast auf der Bühnen?

00:02:53: Na da's eigentlich weniger.

00:02:55: aber ich hab' dann schon mal öfter bei Produktionen geträumt, dass sich jetzt sofort morgen ne andere Rolle übernehmen soll.

00:03:04: Und ich war dann im Traum so bescheuert und hab gesagt, ja klar mach' ich.

00:03:07: Also mache ich manchmal auch in realen Leben dass ich halt so ein bisschen riskant bin.

00:03:12: Aber äh...und dann im traum das quasi passiert ist und ich wusste natürlich nur die Hälfte ne?

00:03:20: Und dann gab's Stress natürlich.

00:03:22: Im Tja!

00:03:23: Der liebe stressen Traum.

00:03:24: wenn man dann wieder aufwacht dann ist alles gut.

00:03:26: Genau

00:03:27: Ja Du wurdest in der Schweiz geboren und du bist dort auch aufgewachsen, liebe Brigitte.

00:03:32: Wenn du heute an deine Kindheit zurück denkst, welches Bild taucht denn als erstes vor deinen inneren Augen auf?

00:03:40: Also ich sehe vor allem meine Mutter und meine Schwester.

00:03:44: Meine Mutter war Leiterin des Kinderkurs am Theater St.

00:03:48: Gallen und selber auch Sängerin.

00:03:52: Also sie musste ein bisschen mehr kämpfen dafür als ich, aber ich sehe halt ganz viel Musik und wie wir halt ja oft musiziert haben.

00:04:03: Und mit Akkordeonorchester gespielt und gesungen haben.

00:04:07: also ich habe irgendwie glaube ich mit sieben hab ich schon du kannst nicht immer siebzehnt sein gesungen.

00:04:13: da warst er früh dran

00:04:15: Ja, oder?

00:04:16: Weil der Schwester stand dann so ein bisschen älter als ich und ich hatte dann immer eine Kiste wo ich drauf stehen konnte damit wir ins gleiche Mikrofon sehen konnten.

00:04:26: Schön!

00:04:27: Und bevor es später zu deiner Musical-Ausbildung kam über die wir heute noch sprechen werden hast du – das habe ich gelesen in der Vorbereitung des Gesprächs auch einen kaufmännischen Beruf erlernt.

00:04:37: Ja, meine Mutter hat einfach gesagt... Also wir wollten natürlich beide.

00:04:42: Meine Schwester ist ja auch Konzertpianistin also die unterrichtet ganz viel und ich wollte natürlich auch relativ früh schon Musical machen aber sie hat dann eben auch gesagt ne ne erst mal eine Lehre weil ich habe ja kein Abitur gemacht keine Matura sondern in der Schweiz.

00:05:01: da war es damals zu der Zeit einfach normal dass jetzt so ein Normalbürger sage ich jetzt mal ganz lapidar, hat eine Lehre gemacht.

00:05:10: und dann hat meine Mutter gesagt ne ne ne zur Sicherheit also ihr müsst was Anständiges erst machen.

00:05:16: Ja und dann dachte ich naja gut kaufmännische Ausbildung ist ja gar nicht falsch schon so.

00:05:22: und danach bin ich dann auch gleich nach USA weil ich weiter wollte.

00:05:28: Also das mit der Kaufmanagement Ausbildung, das kann ich nur bestätigen als gelernter Kaufmann im Einzelhandel.

00:05:33: Das hilft so ein bisschen auch den Umgang mit Menschen zu lernen und mit Waren und mit Verkauf.

00:05:39: Kann nicht schaden im Leben?

00:05:40: Ja!

00:05:41: Und man lernt also... Ich habe zehn Fingersystemen gelernt.

00:05:44: Das ist auch immer ganz angenehm.

00:05:46: Auch jetzt mit, egal ob Schreibmaschine oder Computer.

00:05:51: Man kann dann schneller Rechnungen schreiben.

00:05:53: Mensch,

00:05:54: ich sag nur ASDFJKLÖ wurde mir in der Schule beigebracht.

00:05:59: Zehnfinger, das habe ich auch sehr schnell gelernt und bin da sehr dankbar darüber.

00:06:04: Das hat mich fürs Leben dann viel gebracht.

00:06:06: Mensch du hast schon das Ausland erwähnt?

00:06:08: Du bist später nach Los Angeles gezogen?

00:06:10: Ja genau!

00:06:11: Also ich hatte meine Lehre gemacht, hab dabei glaube ich noch drei Monate, konnte ich bei meinem Institut bleiben wo ich die Lehre machte und war für sich ein deutsches Unternehmen in der Schweiz Und ich wollte aber immer weg.

00:06:26: Eigentlich wollte ich immer nach England, weil ich als Jugendliche immer so Queen-Fan war und ich hatte sogar auf meinem Mofa den Union-Check drauf.

00:06:40: Also mein Mofa ist Harold, weil Brian May der Gitarist von Queen halt Brian Harold May heißt.

00:06:49: Ja dann bin ich mit meinem Harold da rumgefahren mit dem Union Checker vom Tank.

00:06:56: Und aber durch einen anderen Zufall bin ich dann doch in Los Angeles gelandet, mit neunzehn habe ich dann ein Jahr Au pair gemacht.

00:07:10: da gab es eigentlich noch gar keine Agenturen aber ich hab's halt trotzdem gemacht.

00:07:14: und ja das war schon interessant ein Jahr lang da in Kalifornien Und jetzt habe ich halt einen amerikanischen Akzent, wenn ich Englisch rede.

00:07:24: Heute denke ich... Das sieht

00:07:26: doch gut an!

00:07:27: Ja heute denke ich so, wälsch mal nach England weil aber gut, ich verstehe auch die Engländer natürlich jetzt, wenn sie Englische reden also das pure Englischer.

00:07:37: Aber es kostet mir eigentlich schon besser das englische Englischen.

00:07:40: Wie schafft man es dann als neunzenjährige ein Jahr in den Vereinigten Staaten zu überleben?

00:07:45: Ja, eben ich hatte eine Familie wo ich war.

00:07:48: Also ich hatte dann genauer noch drei Familien.

00:07:51: Ich bin dann ein Monat bei der ersten Familie geblieben und dann kamen noch einen Mädchen und dann konnten sie nicht beide behalten und ich habe dann eigentlich auch freiwillig gesagt ne dann gehe ich woanders hin.

00:08:04: und damals gab es natürlich nur noch Zeitungen die waren voll mit Anzeigen von Opermädchen gesucht.

00:08:12: Ich war so ein bisschen südlich von Los Angeles und es gab natürlich auch viele Beverly Hills Familien, die irgendwie fünfmal so viel bezahlt haben.

00:08:22: Aber ich hatte dann natürlich schon Bekanntschaften geschlossen mit anderen.

00:08:27: Was weiß ich?

00:08:28: Portugiesinnen, Schwedinnen, auch andere Schweizerinnen... Und dann bin ich natürlich in diesem Irvine geblieben!

00:08:35: Jetzt bist du ja erst jugendliche vierundzwanzig gefühlt, lieber Brigitte.

00:08:39: Aber das war ja damals eine andere Zeit.

00:08:40: Ja heute TikTok Instagram und viele andere Portale man kommt schneller ins Gespräch und ich glaube wenn man heute mit neunzen nach Los Angeles ziehen würde und sei es für ein Jahr dann würde man wahrscheinlich erstmal so ein bisschen das Leben leben wollen also den eigenen Traum konsequent verfolgen die große Karriere schon vor sich sehen.

00:08:59: Wie war das denn bei dir?

00:09:00: Gab es da einen Moment in Los Angeles an dem du gespürt hast, dass möchte ich wirklich und habe wahrscheinlich auch die Möglichkeit dazu.

00:09:07: Ja tatsächlich gab's die... Ich hatte, als ich dort war, also abgesehen von Kursen die ich dann natürlich auch nochmal belegt habe.

00:09:17: So English as a second language da hat man dann auch noch mal ein bisschen besser das Englisch intensiviert.

00:09:25: Habe ich auch so an Colleges und so gab es natürlich auch so Dance classes oder da hab' ich auch Tanzunterricht noch genommen.

00:09:33: Ich weiß gar nicht, war das Steppen?

00:09:35: Also ich hab vorher schon gesteppt in der Schweiz aber Ich habe so ein paar Kurse belegt und dachte auch Mensch, eigentlich wenn ich diese Ausbildung machen will dann müsste ich es eigentlich in den USA machen.

00:09:47: Also das ist die Urmutter des Musical würde ich mal sagen.

00:09:52: also bei uns ist ja eher so Operette vielleicht so das Pondant dazu.

00:09:57: aber ich hab' dann auch als ich danach wieder in der Schweiz war hab' ich mir von allen möglichen Schulen aber von der Ostküste Ich war ja dann auch noch ein paar Wochen an der Ostküste New York, hab mich total inspiriert und geflasht.

00:10:13: Also... Und ich habe dann diesen Tuffel gemacht, den Test of English as a Foreign Language.

00:10:21: Den hab' ich auch bestanden!

00:10:22: Dann kam aber halt mein damelliger Freund dazwischen

00:10:25: Und ein damaliger Freund, der kam aus den Staaten oder aus Deutschland unter der Schweiz?

00:10:29: Nein, nein.

00:10:29: Ich bin ja in der Schweiz schon wieder war genau.

00:10:31: Weil ich hatte eigentlich schon alle Bewerbungssachen da zusammen, hatte noch Ballettunterricht genommen und da hätte ich dann einen Video schicken müssen.

00:10:42: halt und da hatten wir aber auch schon eine Choreografie und das habe ich mir dann eben gelassen.

00:10:51: Du hast dich ja sehr früh auch für einen Beruf entschieden, der von außen glamourös wirkt aber gleichzeitig unglaublich unsicher ist.

00:10:58: Wie hat denn deine Familie damals darauf reagiert?

00:11:01: Ja im Prinzip bist du ja null glamouröse wenn man so drin steckt dann.

00:11:07: Also meine Mutter hat mich sehr unterstützt weil sie eben selber damals vom Haus aus vom Vater eine Lehre machen musste weil die so ein Malerbetrieb hatten und Und sie wirklich nicht machen durfte, was sie wollte und gut.

00:11:23: Sie hatte dann natürlich auch die Kinder hat dann aber immer privat halt alles so Gesangstunden genommen, hat dann Wettbewerbenteil genommen und eben beim Theater dann auch gearbeitet.

00:11:36: Ja also für sie war es schon sehr schwierig und deshalb wollte sie halt auch nicht.

00:11:40: das ist für mich schwieriges.

00:11:42: Also sie habe ich schon sehr unterstützt.

00:11:46: Ja, bitte.

00:11:47: Ich wollte dich nicht unterhalten?

00:11:48: Nein, nein, ich habe gerade überlegt weil ja sie ist natürlich mehr in der Klassik zu Hause gewesen und ich wollte das auf keinen Fall vielleicht ein bisschen auch als Trotz.

00:11:59: Ich weiß nicht aber mein Herz war eigentlich nie... so in der Klassik.

00:12:03: Ich mag es gerne, also ich schaue mir auch gerne Opern an und finde das auch toll!

00:12:08: Ich würde auch gerne es einfach können aber der Weg ist natürlich heftig.

00:12:14: Ich hatte auch mal eine Gesangslehrerin die meinte du musst, du musst klasik machen als ich hätte schon das Material gehabt dazu.

00:12:21: Aber ich habe dann irgendwann gesagt nee mein Herz meine Leidenschaft ist halt eher bei Rock Soul und Musical.

00:12:32: Ja, da spüre ich einfach von mir aus mehr.

00:12:36: Und so eine Musical-Branche ist eben auch nicht nur heftig sondern geprägt von Castings, von befristeten Engagements und ständiger Konkurrenz.

00:12:44: Nur ein vergleichsweise kleiner Teil der ausgebildeten Musicaldarstellerinnen und Darsteller kann ja auch dauerhaft von so einem Beruf leben.

00:12:53: Wann hast du denn zum ersten Mal ernsthaft daran gezweifelt?

00:12:56: oder gab es diese Situation bei Lienim?

00:12:59: Das ist jedes Jahr zweitlich dran.

00:13:03: Und dennoch bist du schon so lange auf dem Bühne?

00:13:05: Ja, es ist halt wirklich so... Ich habe gerade kürzlich mal eine ganz junge Kollegin die noch nicht lange fertig ist und ich hab sie mal unterrichtet.

00:13:17: Habe ich getroffen Und da habe ich sie halt auch gefragt, wie es ihr geht.

00:13:22: Sie sagen, ja, ich war jetzt in so einem Loch und dann ... Und dann sagt er okay was ist der Grund?

00:13:29: Eigentlich kann man nur sagen willkommen im Showbusiness weil man hat natürlich immer irgendwelche Löcher oder so Lücken wo man gar nichts hat oder wo man wirklich gefühlt zwanzig Auditions Castings wie du es nimmst macht und einfach keinen keine Zusage bekommt.

00:13:48: und das muss ja auch eben nicht heißen, dass man schlecht ist.

00:13:51: Sondern dass man halt einfach vielleicht nicht in diese Produktion mit anderen Leuten zusammen gewürfelt passt.

00:13:59: Aber es ist natürlich der Weg manchmal schon etwas beschwerlich.

00:14:07: Also bei mir war's eigentlich ging recht zügig als ich dann mal dabei war.

00:14:15: Ich habe Gott sei Dank auch nie die Situation gehabt, dass ich dachte, oh, ich muss jetzt einen Job haben weil ich meine Miete zahlen muss.

00:14:25: Sondern ich hab oft wirklich bei gewissen... Ausschreibungen dachte so, nee das ist gar nichts für mich.

00:14:34: oder ich habe Audition gemacht weil ich eine gewisse Rolle in der Ausschau hatte.

00:14:40: Dachte, das wäre ja super.

00:14:42: und dann haben sie mir aber eine andere Rolle mit einer Zweitbesetzung von der Rolle angeboten und dann habe ich halt nein gesagt ne?

00:14:51: Weil ich hab mir dann wirklich überlegt okay wie wirst du dich fühlen wenn du diese kleinere Rolle machst, aber eigentlich die andere machen willst.

00:15:01: Und das war auch eine Uraufführung in der Schweiz.

00:15:03: Aber ich habe das dann eben abgesagt.

00:15:07: Habt dann später natürlich ein bisschen für mich rumgeheulte, oh, ich hab keinen Job!

00:15:15: Ja, das weiß man immer erst dahinten.

00:15:17: Also erst im Nachhinein ob es eine gute Entscheidung war auch ein Angebot abzusagen.

00:15:22: Das ist ja wie auf dem normalen Arbeitsmarkt.

00:15:24: aber wie ist es denn bei euch Brigitte?

00:15:26: Also bewirkt man sich da in den meisten Fällen, das habe ich schon herausgehört aktiv auf Ausschreibungen.

00:15:31: Aber gibt es eigentlich auch so genannte Headhunter die sich dann bei dir mal melden wenn er eine Rolle vielleicht exakt auf dich zugeschneitert werden könnte?

00:15:39: Ja, also die Headhunters heißen dann in dem Sinne eigentlich Casting Director.

00:15:45: Also ja Kopfgeiljäger.

00:15:51: Ich kenne natürlich mittlerweile nach über dreißig Jahren, kenne ich natürlich sehr viele Leute und es kommt schon mal vor dass sie mich dann direkt anschreiben und sagen oh du ich hab da ein Projekt, da würdest du super reinpassen.

00:16:04: würde dich das interessieren?

00:16:07: Das ist natürlich ein Fall, wo man denkt ja bitte mehr davon.

00:16:12: Weil obwohl wir alle in den Business so lange dabei sind müssen wir halt ab und zu auch wenn wir die Leute kennen, die kreativen Regisseur musikalischer Leiter oder so, müssen wir dann trotzdem was weiß ich nach Wien fliegen um in der Schweiz eine Produktion zu machen.

00:16:33: Das ist natürlich oft ein bisschen beschwerlich, da muss man sich wirklich zweimal überlegen.

00:16:38: Kann ich mir das leisten?

00:16:39: Ja weil ja manchmal hat man halt auch wirklich so Phasen wo es einem jetzt finanziell nicht so gut geht und dann irgendwie keine Ahnung Geld auszugeben hin zu fliegen oder zu fahren mit dem Zug zwölf Stunden um dann vielleicht eine zweite Runde zu haben.

00:16:59: also es passiert dann auch Dann macht man der erste Runde Und es liegt dann wieder weg und dann kriegt man nach einer Woche Bescheid, ach du kommst noch mal zur zweiten Runde bitte wieder in Wien.

00:17:10: Und da denkt man sich auch also er echt jetzt wieso habt ihr das nicht an?

00:17:15: Also es gibt ja auch Produktionsfirmen die das dann quasi in zwei Tagen am Stück machen genau deshalb weil sie eben auch die Leute etwas schonen wollen die dann dieses Vorsingen- und Vortanzenvorsprechen haben.

00:17:30: dann höre ich aber richtig heraus, dass die wenigsten oft möglichen potentiellen Auftraggeber Reisekosten erstatten.

00:17:36: Ja!

00:17:38: Also ich hatte einmal... Bleib

00:17:40: bei dir hängen?

00:17:41: Einmal ... ne zweimal hatte ich den Fall, aber bei dem einen Theater war das wirklich nur wenn man eine zweite Runde hatte.

00:17:50: da haben sie die Fahrkosten bezahlt.

00:17:53: Aber in Wien habe ich mal tatsächlich erlebt, dass sich Fahrkosten erstattet bekommen hab.

00:17:59: ja

00:18:00: Ja.

00:18:01: Du hast ja deine Ausbildung an der Stage-School in Hamburg absolviert, da hast du wahrscheinlich auch so ein bisschen gelernt dieser Anfangszeit.

00:18:08: wie wichtig Geduld auch ist wenn man diesen Beruf ausüben möchte dieses Leben führen möchte bin heute junge Menschen zu dir sagen liebe Brigitte Oeke ich möchte Musical Darsteller werden.

00:18:19: Was antwortest du ihnen denn erstes?

00:18:22: Ich frage erstmal warum?

00:18:25: Das ist eine sehr gute Antwort.

00:18:28: Naja also Das Ding ist, also mich haben auch schon Leute gefragt oder meine Schwester die unterrichtet eben viel auf so Teenager.

00:18:40: Die dann hier Gymnasium fertig machen und sie hat mich dann auch schon angeschrieben.

00:18:45: du könntest mal könnte ich dir mal deine E-Mail gegeben geben da is eine Schülerin die will unbedingt in dieses Business weil die gönne ich ein paar Sachen fragen und das finde ich dann cool.

00:18:57: aber oft ist es auch so habe ich gemerkt Da hab ich ja einfach gemerkt, die... Manchmal ist es so dass sie's nicht wirklich wollen.

00:19:05: Die wollen vielleicht einfach diesen... Also ich sag jetzt mal Pseudo-Ruhm.

00:19:10: Ja?

00:19:10: Diesen Ruhm haben diese... Dass man beklatscht wird und so aber merken manchmal nicht immer, aber manchmal nicht genau was eigentlich alles nötig dafür isst und das man halt schon viel.

00:19:28: Wie soll ich sagen?

00:19:31: Ja, man muss wirklich viel einstecken auch.

00:19:33: Also auch gerade mit Privatleben und so... Und da muss man dann halt immer entscheiden, gehe ich da jetzt hin oder bleibe ich hier bei meinem Freund oder Mann?

00:19:44: Und ist es das Wert?

00:19:46: Da muss man halt wirklich überlegen ob man das will.

00:19:51: Man bringt ja auch ein persönliches Opfer mit.

00:19:53: und dieser Yusiekel-Beruf der verlangt eben auch viel abnehmend Talent Disziplin oder auch körperliche Fitness, Ausdauer wahrscheinlich auch so ein bisschen den Willen sich ständig weiterzuentwickeln und was ja viele auch unterschätzen dass viele Produktion bis zu acht Vorstellungen pro Woche

00:20:10: umfassen.

00:20:12: Ja also eben auch Wochenende, ja Sylvester Feiertage.

00:20:16: Ja, richtig ist es genau!

00:20:18: Also wenn dann die Freunde irgendwo sich treffen oder da muss man halt eine Absage der anderen nach der anderen Geben halt.

00:20:26: Also das ist wirklich etwas, am Anfang ist es noch relativ egal habe ich gemerkt so ja und ich bin jetzt voll im Job und geil und super und ich auf die Bühne und dann irgendwann merkt man schon als ich zum Beispiel mit We Will Rock You in Zürich gespielt hab ein Jahr Und dann dachte ich so, oh toll jetzt kann ich mal wieder so Schulfreunde oder Freundinnen treffen.

00:20:54: Ja denkste ne?

00:20:55: Weil wir haben natürlich von Dienstag bis Sonntag gespielt und natürlich die hatten Zeit aber immer abends und hab gesagt ja das spielte ich halt ne.

00:21:06: Tagsüber sehe da muss ich arbeiten.

00:21:08: also es ist wirklich schwierig habe dann nur ein der Montag ist dann frei und ehrlich gesagt wenn man jetzt wirklich acht Vorstellungen spielt dann, die man einfach mal zufrieden gelassen werden.

00:21:22: Ja ich kann das sehr gut davorziehen.

00:21:24: Man benötigt ja auch Zeit für sich.

00:21:26: Die Resilienz ist total wichtig, die mentale Gesundheit und viele Menschen sehen am Ende einer Vorstellung den Applaus aber eben nicht viel mehr.

00:21:34: Liebe Brigitte was sie ja nicht sehen sind die Stunden davor.

00:21:37: wie sieht denn so ein typischer Tag bei dir aus wenn du abends auf der Bühne stehst?

00:21:41: Also ich sage mal so, wenn das nächste Stück natürlich schon läuft dann muss man ja nicht mehr groß proben.

00:21:46: Außer es wird jetzt eine Zweitbesetzung von der anderen Rolle mit der Rolle die man auf der Bühne zu tun hat neu reingeschickt.

00:21:56: Dann muss man vielleicht vorher ein bisschen früher da sein.

00:21:59: Ansonsten check ich halt morgens immer, ob meine Stimme da ist.

00:22:07: Sie ist noch da?

00:22:07: Das kann ich bestätigen!

00:22:08: Ja jetzt im Moment sind sie da ja aber eben.

00:22:10: also ich hatte jetzt vor ein paar Wochen mal so eine Phase wo ich dauernd so trocknen Husten hatte und dann denke ich okay dann ist es eben schwieriger zu gucken läuft alles werden die Songs gehen Da muss man erstmal, also keine Panik.

00:22:30: Also ich hab das auch bei... Also natürlich durch eigene Erfahrungen, plus auch jetzt durch viele Gesangsschülerinnen und Schüler gemerkt.

00:22:38: Erst mal einfach keine Panik, wenn die dann anrufen und so, also beide Stimme!

00:22:43: Und dann so okay, jetzt hast du was getrunken, hast du mal gegurgelt, hast vielleicht mal inhaliert und vor allem hast du einmal etwas gegessen?

00:22:51: Weil oft ist es so dass man, wenn man Frühstück und danach erst die Stimme ein bisschen aufwacht aber das ist bei jedem auch wieder anders Naja, und dann schaue ich halt ob die da ist.

00:23:04: Und je nach Rolle sage ich jetzt mal muss man nicht wahnsinnig viel jetzt machen weil wir ja zum Beispiel bei Cabaret haben wir immer ein Ein-Singen auch vom musikalischen Leiter das ist immer so eine halbe Stunde vor der Vorstellung.

00:23:20: aber klar.

00:23:21: also je nach rolle mache ich so mein eigenes Ritual.

00:23:26: Auch jetzt, wenn ich ... Ich hab ja auch schon mal nur Sprechrollen gehabt.

00:23:29: Und da mach' ich auch ein paar ... ... Sprichübungen halt und guck', dass meine Zunge halt aktiviert ist und lauter so Sachen die halt einen normaler Mensch jetzt in Anführungszeichen sogar nicht kennt weil wir reden ja alle!

00:23:46: Das siehst du mal, liebe Brigitte.

00:23:48: Bei dir ist es die Stimme und die Aktivierung der Zunge ist auch ein schönes Wort.

00:23:52: bei mir ist es so wenn ich morgens vom Spiegel stehe dann schaue ich als erstes ob mein Gesicht noch richtig sitzt.

00:23:58: Ja gut also da spiegelt habe ich ja schon abgehängt.

00:24:01: Achso gibt das gar nicht mehr bei dir?

00:24:03: Ist das schon soweit?

00:24:05: So schlimm ist es noch nicht.

00:24:06: Das kann ich dir sagen, da kannst du dich doch durchaus noch im Spiegel beobachten.

00:24:09: Nee

00:24:09: aber vielleicht bin ich deshalb auch eher weitsichtig als kurzsichtig.

00:24:13: Ich muss da ganz weit weg und dann seh' ich, dann sehe ich's mittlerweile so unter den Augenringe und falte nicht mehr so gut.

00:24:23: Naja

00:24:24: das ist ja normal, aber wie du hast ja so viele tausende Vorstellungen auch schon gespielt in deinem Leben.

00:24:29: Hast du denn überhaupt noch Lampenfieber davor?

00:24:32: Es kommt echt drauf an.

00:24:33: Also Lampenfieber in dem Sinn, was heißt Lampenfieber?

00:24:38: Das ist für jeden auch etwas anderes.

00:24:40: Ich habe jetzt nach meinen dreißig Jahren und also auch schon vorher gemerkt dass ich eigentlich sehr wenig Lampenspiebe hab.

00:24:48: Jetzt verglichen mit anderen Kolleginnen und Kollegen die teilweise so nervös sind!

00:24:56: Also das habe ich Gott sei Dank nicht.

00:24:58: oder beziehungsweise Je nachdem, ich habe mal Evita gespielt in Münster vor ... für ... ja, für... und das ist natürlich eine Rolle.

00:25:08: Da trägst du das ganze Stück.

00:25:11: Und du denkst wirklich, das war wirklich jedes Mal so.

00:25:15: Dass ich da kurz bevor der Vorhang aufging und das Orchester angefangen habe, dachte ich, was mache ich hier?

00:25:21: Wieso bin ich

00:25:22: hier?!

00:25:22: Bin ich so bescheuert!

00:25:25: Ich schaffte es nicht!

00:25:26: Da klarschaust du.

00:25:27: Aber man hat's mir überhaupt nicht angesehen.

00:25:29: Weil die Leute haben immer gefragt, du bist so ruhig... Also äußerlich ja vielleicht aber ... Also da habe ich schon jedes Mal gedacht, oh je.

00:25:42: Ja und vielleicht ist das ja auch etwas Gutes?

00:25:44: Du bist ja heute mein Gast, einhundert-einundzwanzig!

00:25:47: Ich hatte viele Menschen aus dem öffentlichen Leben bei mir und hab sie auch immer mal wieder gefragt wie sieht es denn bei Ihnen oder bei dir aus wenn du eine Show moderierst, Ulrike von der Gröben die Nachrichten oder Ula Kokkan bringen, die hunderttausend Markshow oder Harry Weinford... Ist man dann noch nervös?

00:26:02: Fast alle haben mir dann geantwortet, ja das ist doch was Gutes.

00:26:05: Ein bisschen Nervosität zeigt dir auch dass einem die Show oder die Vorstellung wichtig ist.

00:26:09: und was auch alle bestätigt haben wenn du völlig ohne Anspannung auftrittst dann berichtest Du auch oft von fehlender Konzentration.

00:26:17: Ja auf jeden Fall Ja.

00:26:19: und ich denke auch, also ich sage da manchmal auch eben jetzt auf mir Gesangsschülerin du schaue wenn du nervös bist.

00:26:27: Also entweder je nach Typ natürlich machen ein paar Atemübungen oder nimm das einfach mit weil nervös bedeutet ja auch ich bin am Leben!

00:26:37: Ich lebe und ich habe ganz viele Schmetterlinge überall und dann muss man einfach schauen dass man ins Jetzt kommt und da gibt es auch ganz tolle Übungen halt.

00:26:49: Oder so eine schöne kleine Flasche Eierlücke?

00:26:52: Du, also ehrlich gesagt das gibt... Also für mich nein.

00:26:55: Aber es gibt wirklich halt.

00:26:58: ja was heißt leider?

00:26:59: jeder muss und jede muss selber wissen was sie macht.

00:27:02: aber Es gab wirklich auch schon bei Auditions habe ich gesehen, dass die Leute teilweise so nervös sind.

00:27:09: Ich muss jetzt mal ein Bottka trinken.

00:27:10: Was bitte was?

00:27:11: Ja, ich hab meine Tabletten genommen und Valium und also alles dazu.

00:27:16: Und da ist mir eben immer wieder aufgefallen, ich brauche gar nichts!

00:27:20: Also anscheinend bin ich doch ja...was das angeht sehr gechillt.

00:27:25: Also ich habe auch nie Probleme bei Audition oder Castings.

00:27:30: Da gibt es wirklich viele Kolleginnen Die wirklich fast sterben.

00:27:36: Nun bist du ja heute im Podcast Schüchtern bis Nüchter zu Gast und die Frage muss ich dir stellen, liebe Brigitte, bist du denn eher Schüchter oder Nüchter unterwegs in deinem Leben?

00:27:44: Also beides!

00:27:48: Ich muss sagen als ich wirklich ein Kind war unter einem Teenager und dann eben nach Amerika bin eigentlich war extrem schüchter.

00:27:58: Das glaubt mir heute, wenn man mich so sieht und wie ich da auf der Bühne sehe.

00:28:02: Es glaubt me oft gar niemand.

00:28:03: Aber es war wirklich so!

00:28:08: Ich hab immer alles für mich selber ausgemacht oder halt das was sich jetzt auf der bühne zeigt, das habe ich dann in meinem Zimmer gemacht Aber so, dass es niemand gesehen hat.

00:28:23: Ich hab dann mal eine elektrische Gitarregeschenke bekommen von meiner Mutter, weil ich so Queen-Fan und Brian May Fan war.

00:28:31: Und damals gab's ja noch keinen Selbstauslöser, glaub ich bei der Kamera.

00:28:35: Ich habe dann Fotos von mir gemacht wie ich mit dieser Gitarrepose ... aber so, das ist niemand Sieg!

00:28:43: Ich hab kürzlich wieder in der Hand gehabt und musste so lachen.

00:28:48: Ja, das sind schöne Erinnerungen an die Zeit vor dieser ständigen Digitalen Erreichbarkeit und dass alles sofort auch gepostet werden musste.

00:28:55: Das hatte schon auch was?

00:28:56: Ja, vor allem man wusste ja nie ob ihr die Fotos jetzt scharf seid oder nicht!

00:29:02: Und das war dann immer so ein Kick zu sehen, es ist scharf geworden aber oh wie guck ich denn da.

00:29:08: und so...

00:29:09: Liebe Brigitte, man wird ja in kaum einem anderen Beruf so ständig beurteilt wie in deinem von Regisseuren, von Produzenten und von Kritikern.

00:29:18: Und natürlich vom Publikum an jedem Abend vor oder nach jeder Vorstellung lernt man irgendwann, Kritik nicht mehr persönlich zu nehmen?

00:29:26: Ja, ja.

00:29:32: Man muss es versuchen!

00:29:36: Also ich hatte jetzt Gott sei Dank noch nie eine Kritik die mich total... Boden geschmettert habe, ich muss gerade überlegen.

00:29:44: Ich hatte einmal eine Kritik die ich nachvollziehen konnte aber da die hab' ich nicht für mich persönlich wahrgenommen sondern eher von der Regie weil ich eigentlich das Gleiche dachte.

00:29:58: Aber letztendlich war ich halt in der Rolle und ja dann wurde natürlich auch kritisiert Und ja ich fand es schade weil man denkt dann so Ja aber ich hab doch nur das gemacht was der Regisseur so wollte.

00:30:13: Und klar war ich, dass die auf der Bühne stand.

00:30:17: und mittlerweile denke ich einfach okay, also Kritiker schreiben oft für Kritiker Ich weiß gar nicht, wer das gesagt hat.

00:30:33: Die Donnerparken oder jemand anders.

00:30:37: Künstler müssen einfach die Möglichkeit haben auch Fehler zu machen und es ist eines der wichtigsten Sachen.

00:30:43: Das sage ich immer in meinem Gesangsunterricht Mach einfach, ja.

00:30:49: Wenn es schief ist dann ist das schief.

00:30:50: aber wir sind hier in einem Safe Space und selbst wenn's auf der Bühne mal passiert ist niemand gestorben.

00:30:58: Es ist kein Weltuntergang Und wir müssen einfach die Chance haben eben uns dadurch auch zu entwickeln Dass wir Fehler machen und dass wir angegriffen werden.

00:31:11: Da kann ich nur Bruce Lee zitieren.

00:31:13: Also angegriffene wird immer nur der den Ball hat.

00:31:20: Ja,

00:31:22: mit solchen Sprüchen muss man sich dann halt die Welt schön reden auch.

00:31:27: Das gehört auch zum Beruf.

00:31:29: Musstest du schon einmal lachen obwohl die Szene eigentlich ernst war?

00:31:35: Also ich muss sagen... Im Prinzip, ja?

00:31:40: Ich bin sogar keine Lachurzen.

00:31:41: Also ich hatte schon einiges erlebt.

00:31:45: das dann Kollegen.

00:31:46: also wenn ihnen langweilig ist dann teilweise dich versuchen zum lachen zu bringen und das hat bei mir nie geklappt.

00:31:54: aber was halt mal geklappt hat und das war halt nicht bewusst dass ein Kollege überhaupt mich mehr wusste was es für eine Szene ist und mich kurz davor gefragt habe Wir fängten das an und die Musik lieb schon.

00:32:10: Und ich dachte, wir müssen raus!

00:32:13: Und dann dacht ich, das kommt schon wenn du da bist, ne?

00:32:16: Weil so Muskel-Erinnerung und alles, Muscle memory... ...und dann hat er so einen Quatsch erzählt.

00:32:24: Ich wollte ja mit ihm ein Dialog halten und ich dachte oh mein Gott.

00:32:28: Und dann einfach der hat so einen Satz gesagt und sich dann hingestellt und ich dachte, ah!

00:32:34: Und ich dacht okay wie geht es weiter?

00:32:36: Und dann habe ich einen Satz gesagt und mit einem Satz, also ich habe auf ihn reagiert und merke mit dem Satz das ist ja sein Satz was er eigentlich danach kam.

00:32:45: Ach du meine Hüte!

00:32:45: Oh

00:32:46: Gott!

00:32:46: Und dann... Das war... Ich musste einfach weil ich so einen kleinen Schock hatte, der stand dann so und hat aber nicht weiter geredet, da war ich kurz so und dachte oh Gott, das haben wir jetzt gehört.

00:33:06: Und dann hat er sich wieder gefangen und hat weiter geredet, ich dachte auch Gott sei Dank.

00:33:10: Und dann mussten wir nach vorne und dann hat der wieder einen Quatsch gesagt und ich habe nachher dann halt erfahren dass der totale Magenschmerzen hatte.

00:33:21: Das ist halt auch etwas was halt heftig ist.

00:33:24: also das sehen die Leute natürlich auch nicht.

00:33:28: Klar, jeder hat mal irgendwie Magen oder Magen-Darm.

00:33:31: Oder Erkältung und so.

00:33:37: Und da dann wirklich zu entscheiden, kann ich die Show machen?

00:33:44: Oder kann nicht?

00:33:46: Und oft ist es so dass das vielleicht Mittags noch nicht der Fall ist weil wir uns immer mittags bis mittags krank melden müssten.

00:33:54: Und dann oft ist es so, dass das vielleicht erst am Nachmittag passiert.

00:33:59: Dann trauen sich halt viele auch nicht zu sagen, nee ich spiele jetzt nicht und sind dann wirklich mit halber Kraft oder eben wenn man Schmerzen hat, wer das jemals hatte weiß einfach oh je!

00:34:12: Und dann kommt auf einmal ein Text nicht.

00:34:16: Das wusste ich aber nicht.

00:34:20: Ich musste den dann ganz tief in die Augen blicken bei der Szene, ich konnte es nicht.

00:34:26: Die Leute sehen das von weitem nicht aber ich musste wirklich dreißig Zentimeter neben ihm blicken weil ich hätte sonst nicht hingekriegt!

00:34:37: Das ist ja auch das Schöne an einem Live-Theater dass er eben auch von seiner Unmittelbarkeit liebt

00:34:43: Und es ist eben immer anders.

00:34:45: Klar, ich liebe auch Filme!

00:34:47: Also ich bin ab und zu mal so ein Film-Junkie

00:34:49: aber...

00:34:50: Ich habe auch oft Filme mal ein paar Mal gesehen, aber das Tolle bei live ist halt wirklich dass es immer anders ist.

00:34:58: Klar sind die Verabredungen gleich, aber die Leute sind ja Menschen und die sind nicht jeden Tag gleich drauf oder einer vergisst mal was?

00:35:09: Und da muss man überlegen, wie man das jetzt rettet oder umgekehrt.

00:35:14: Ja, da kann ja viel passieren.

00:35:15: die Technik fällt aus oder die Texte verschwinden plötzlich aus dem Kopf, wie schon erwähnt.

00:35:19: Oder es passiert was völlig Unerwartetes.

00:35:21: Da hilft er dann auch nur in diesem Moment zu bleiben und anders als beim Film gibt es auf der Bühne auch keinen zweiten Versuch.

00:35:28: Deswegen entwickeln erfahrene Darstellerinnen und Darstellern oft eine hohe Improvisationsfähigkeit.

00:35:36: Aber liebe Brigitte... Dann hast du eine große Vorstellung.

00:35:40: Dann fällt irgendwann der Vorhang, das Publikum applaudiert und wenige Minuten später sitzt du dann vielleicht auch alleine in der Garderobe?

00:35:47: Wie fühlt sich denn dieser Moment an?

00:35:52: Der fühlt es sich gut an also im besten Falle.

00:35:56: ich habe aber auch schon erlebt dass ich dann in der Gardrobe war und geheult hab.

00:36:03: Also manchmal von der Anspannung Also das ist wirklich sehr rollenabhängig, habe ich gemerkt.

00:36:12: Manchmal von der Anspannung manchmal einfach auch weil man Salz braucht.

00:36:17: Das habe ich auch schon mal erlebt aber auf einer Bühne wo ich glaube ich drei Stunden lang mit Band gesungen hab auf so einem Stadtfest, das habe ich ja auch schon gemacht.

00:36:28: Klär uns mal bitte ein bisschen auf was ich kenne unter Zucker, aber wie ist es mit dem Salz?

00:36:33: Ich habe auch teilweise jetzt in der jetzigen Rolle, ich hab einfach gemerkt eine Elektrolyte halt.

00:36:38: Also wenn man da ja und dazu kann Ja aber wenn man so viel schwitzt dass die ganzen Salze raus geschwitzt werden.

00:36:49: also ich hatte jetzt bei meiner letzten Rolle im Halle an der Saale Da war ich fast nur auf der Bühne das war eine absolute Übermutter So ne Showbiz-Mutter Und da hat Also was heißt viel an?

00:37:03: Ich hatte ein Kostüm an und die richtige, weil die Stadthjahrte haben ja immer noch so richtige Fundus mit echten Pelzmanteln.

00:37:13: Die wirklich also gefühlt zwanzig Kilo sind!

00:37:16: Und wenn man das natürlich dann dauernd an hat, dann kurz umziehen muss wieder ein anderer Pelz-Mantel und lauter Sozoics... Da schwämmen die Salze raus und dann kann es schon mal sein dass man fast wie in so eine Depression fällt.

00:37:29: Also das habe ich eben bei einem Konzert mal erlebt, dass sich eigentlich nur noch nach Hause wollte und ich hab dann geweint.

00:37:39: Und die kamen dann so, war geil!

00:37:42: Lass mich in den Ruh, lass mich in der Ruh.

00:37:45: Mein Mann hat es dann gesehen und ist Gott sei Dank fit und hat mir eine Brezel oder so geholt.

00:37:52: Dann ging's sofort besser.

00:37:55: Aber es gibt natürlich auch Sachen, wenn man manchmal denkt, oh Gott das war furchtbar die Show.

00:38:00: Das ist ja... Oh Gott!

00:38:03: Und dann aber Leute drin hat, die sagten, oh mein Gott was toll.

00:38:09: oder Leute diesen Parme gesehen haben, das war so richtig toll heute besser wie sonst und ich denke nicht, fand mich gar nicht gut.

00:38:18: Also das Gefühl ist leider... Ob das kann man sich nicht wirklich verlassen, ist immer ein bisschen schade.

00:38:25: Oder wenn man denkt oh, das war toll!

00:38:28: Ich war ja super heute und dann irgendwie er kommt so naja.

00:38:32: also vielleicht guckst du da noch so und es war jetzt nicht so... Und man denkt so was?

00:38:38: Also das Gefühl ist manchmal wirklich etwas bescheiden

00:38:44: Ist ja aber auch erstmal etwas Schönes, wenn man auch diese Eigenwahrnehmung noch hat und vielleicht auch über vieles nachdenkt ob der Abend oder die Vorstellung jetzt gut war.

00:38:52: Und du würdest ja nicht schon seit über drei Jahrzehnten Hauptrollen in großen Produktion spielen, wenn du nicht gut wärst in deinem Job.

00:38:57: das möchte ich an dieser Stelle auch nochmal betonen.

00:38:59: also Ich schätze dich schon sehr lange so wie Du bist und kann das nur jedem sagen.

00:39:03: Prichid Öke ist immer eine gute Entscheidung Wenn man Dich auch mal bucht.

00:39:07: Aber es du hast ja viele Rollen gespielt uns Hast gab's denn irgendeine Rolle, bei der du schon während der ersten Proben gespürt hast?

00:39:14: Die wird mich komplett verändern auch als Person.

00:39:18: Puh!

00:39:19: Also ich erzähl jetzt mal eine Anektote.

00:39:27: die hatte ich lustigerweise mit Cabaret was ich ja im Moment auch spiele.

00:39:31: aber damals habe ich Sally Bowles gespielt in Münster und ich hatte damals das war glaube ich zwei tausend drei oder so drei Ja, und ich hatte davor in Köln noch Jekyll and Hyde gespielt.

00:39:48: Ich war so ein bisschen ausgepowert.

00:39:50: Und es eigentlich lief alles gut!

00:39:53: Man denkt sich dann, oh Mann, wieso bist du denn so undankbar?

00:39:56: Du hast jetzt nicht schätzt und du hast genug Jobs und alles.

00:39:59: Und ich wusste schon dass ich dann Cabaret in Münster machen werde gar keine Lust mehr auf irgendwas.

00:40:07: Ich hatte so eine Lustlosigkeit und ich war ja wahrscheinlich wie so ausgepowert, und ich fand einfach alles nur Trögel... Und deshalb ist es manchmal glaube ich gut das zu hören auch für jüngere Darstellende.

00:40:23: Das hat man halt einfach mal, dass man denkt ja eigentlich habe ich doch alles was ist denn los mit mir und so.

00:40:28: Und dann dachte ich oh Gott jetzt muss sich dann dieses Calvary anfangen aber das ist doch eigentlich toll!

00:40:35: Ich war wirklich lustlos also wirklich da ich hatte oft gar nichts mehr Lust war ich bei diesem Konzeptionsgespräch, was es bei jedem Musical immer gibt.

00:40:47: Dann wird die Bühne gezeigt, die Kostüme, also die Zeichnungen und dann wird alles vorgestellt und dann oft liest man auch das Stück mal gleich durch.

00:40:56: Und da hat der Regisseur mir tatsächlich gesagt... Also Brigitte, ich will dir nicht vorgeben wie du die Rolle genau spielen musst aber was auf jeden Fall notwendig ist für die Rolle, ist diese Lust am Leben und diese ... äh ja.

00:41:14: Und ich dachte nur ffffah.

00:41:18: Ich dacht mir so nein oh mein Gott!

00:41:21: Also dieser Lebenslustin und dieser Lebenshunger Ja, und einfach diese Leidenschaft.

00:41:29: Und ich dachte so oh mein Gott was ... ja!

00:41:33: Ich habe es ja gecheckt, was hat er mitmalt?

00:41:37: Aber ich war sogar nicht so.

00:41:40: Was mache ich hier?

00:41:42: Und dann aber hat die Rolle mir einfach geholfen wieder aus diesem Loch auszukommen.

00:41:48: Ja, ich frage das auch weil viele Schauspieler berichten dass sie eben diese Rollen nicht spielen sondern verstehen müssen um sie glaubwürdig darstellen zu können.

00:41:57: Ja und manchmal muss man einfach reinspringen also in der Zeit wirklich Im Prinzip keine so eine Party-Maus, die dauernd irgendwo ausgeht und so.

00:42:10: Wenn ich mal persönlich eingeladen werde dann muss ich gucken und so aber jetzt auch nach den Shows... also ich gehe meistens nach Hause ne?

00:42:18: Und wenn ich arbeite trinke ich eh kein Alkohol.

00:42:22: Aber da dachte ich okay!

00:42:25: Jetzt musste dich da reinstürzen und ich hab so viel gefeiert.

00:42:30: Also wie glaube ich in meinem ganzen Leben nicht, weil ich dachte so, ich mach jetzt das was Sally Bowls gemacht hat vielleicht eben verstehe ich sie dann auch?

00:42:39: Und so in diesen Taume und vor allem der Regisseur wollte dann jedes Mal wenn wir die Szene noch mal geprobt haben, wollte er etwas komplett Neues!

00:42:48: Ja ihr müsst euch überraschen und normalerweise setzt man ja dann die Sachen ja so macht man jetzt die Szeme Und das war halt immer anders.

00:43:00: Ich weiß noch einmal, hat er mich gelobt an einem Morgen, wo ich total... Also ich war wirklich noch müde vom Feiern, vom Vorabend und wir haben ja dann immer ein Zehnproben und ich war bei mir aber nicht so diszipliniert wie ich gern sein.

00:43:20: möchte.

00:43:21: und da hat er gemeint, du das war so toll.

00:43:24: Du warst auf einmal frei und konntest dich so gehen lassen, dachte ich, okay aber es ist eigentlich nicht da was man haben will ne?

00:43:33: Aber in dem Moment habe mich irgendwie dahin gebracht wo ich dann letztendlich sein sollte und auch privat hat's mir geholfen.

00:43:43: also ich hab natürlich wieder aufgehört party zu machen.

00:43:47: Also zumindest dann, wenn man nicht eine drogensüchtige Alkoholikerin spielt gegen einen Amt.

00:43:51: Ja

00:43:51: also das stelle ich mir ehrlich gesagt... Das ist schon so ein bisschen... Ich habe es jetzt bei Freuland Schneider gemerkt, die ist keine Alkohleswichtige aber dieses Emotionale ja wo auch von Stücken her, die dann lustig auf einmal dramatisch und tragisch sogar sind und ja wo's halt wirklich in der Rolle ein bisschen tiefer geht Ähm, das ist schon gar nicht so ohne.

00:44:17: Deshalb bin ich auch oft, äh ... treff' ich mich nicht groß mit Leuten tagsüber wenn ich spiele weil je nach Show is es wirklich anstrengend.

00:44:28: Weil's einfach Energie ist ne?

00:44:30: Die man da rausgibt.

00:44:32: und wenn ich dann tagsüber auch noch sehr viel machen würde, ähh Brr!

00:44:39: Da fehlt mir die Energie abends.

00:44:40: Ja und du verkörpers hier auch zahlreiche Frauenfiguren großen emotionalen Tiefe, wenn man zum Beispiel sich jetzt mal nochmal Desmond anschaut oder Mama Rose.

00:44:49: Die leben ja von inneren Widersprüchen die verlangen eine intensive Auseinandersetzung mit den Motiven der Figuren.

00:44:55: Gibt es da Eigenschaften einer Figur, die du gerne behalten würdest?

00:45:03: Manchmal denke ich wirklich... Ach, die ist ja echt total... ...die geht über Leichen!

00:45:10: Also das würde ich einfach nie machen.

00:45:14: und also nicht, dass ich es machen will.

00:45:16: Aber manchmal einfach mal ein bisschen sich mehr wehren und so.

00:45:21: Also das war bei der Rose extrem weil die... Das war eine autobiografische Geschichte und die ihre Kinder wirklich im Prinzip verkauft hat aber sie war halt eben auch letztendlich alleine ziehen und hat, wenn man diese Komponente sieht.

00:45:39: Also nicht das narzistische und dieses fast bipolare und selbstzerstörerische was ich auch hatte aber dieses einfach nein!

00:45:47: Ich muss jetzt weil in Existenz auch davon ab.

00:45:51: Ja

00:45:52: genau.

00:45:53: Abhängt.

00:46:02: Manchmal denke ich mir schon, oder so eine Furchtlosigkeit.

00:46:06: Obwohl ich bin... Ich bin nicht immer furchtlose aber wenn es wirklich drauf ankommt dann bin ich's ja.

00:46:13: und also man kann von jeder Rolle was lernen.

00:46:20: Gerade wenn man jetzt auch von vorne schneider wie sie diesen Konflikt hat, dass sie eigentlich diesen älteren Mann auch heiraten will und aber eben ja vielleicht eben nicht weil die Nationalsozialisten kommen.

00:46:38: Und er ist Jude und ja und sie will halt ihren ja ihr Business behalten und das ist halt einfach wie sie ihn dann anspricht.

00:46:46: und ja also Ja, man kann schon auf jeden Fall was lernen.

00:46:55: oder auch jeder Mann war für mich ein Wahnsinnsprojekt.

00:47:00: Es wurde total ungeschrieben nicht so Hugo Hoffmanns Tal sehr katholisch sondern eben eigentlich fast das Gegenteil und da war ich der Tod.

00:47:13: Und da einfach diese Klarheit zu haben Das finde Ja, also man kann ja oder auch wirklich überlegen.

00:47:24: Brauche ich jetzt das Zeug?

00:47:25: Also was kann ich später mitnehmen wenn ich mal nicht mehr da bin?

00:47:28: Nix.

00:47:30: Kannst du nichts nehmen?

00:47:31: Dann nimmst du gar nichts mit!

00:47:32: Auch wenn du mal den Tod gespielt hast.

00:47:33: Tod ist tot.

00:47:35: Ich

00:47:37: hatte ja mal den Sensenmann bei mir zu Gast im Podcast einen sehr spannenden Mann aus Brandenburg.

00:47:44: Stefan Bauer lehrt den Menschen das Dängeln und Da geht man natürlich auch mit gewissen Vorteilen in so ein Podcast.

00:47:50: War sehr, sehr interessant!

00:47:52: Ich muss dich das aber heute auch noch fragen liebe Brigitte denn wir müssen heute noch über VivaRogio sprechen.

00:47:57: da hast du ja die Killer Queen gespielt.

00:47:59: Die zählt ja zu den anspruchsvollsten Frauenrollen im Rockmusical.

00:48:02: Das...da geht es um eine starke Bühnenpräsenz Ein außergewöhnliches Stimmumfeld oder einen Stimmunfang den Du mitbringen musst.

00:48:09: Was hat denn diese Rolle für Dich so besonders gemacht?

00:48:13: Naja, also wie ich schon erzählt habe.

00:48:15: Ich war natürlich als, ich glaube, als ich dreizehn oder so war zwölf dreizehnt, wurde ich riesiger Queen-Fan!

00:48:22: Ich hatte wirklich mein ganzes kleines Kinderzimmer, also Jugendlichenzimmer.

00:48:27: Das war voll mit Plakaten und ich wollte Freddy heiraten und alles Mögliche.

00:48:33: Ich hab über die Ecken auch Poster hingehängt an der Decke oben.

00:48:38: Also meine Mutter dachte wirklich, die spinnt jetzt ne?

00:48:43: Ja Und als es dann irgendwann hieß, wir machen Musical da wie bei Rock You Ich hatte im Vorfeld mal ein Jahr vorher habe ich mir die Show in London angeschaut, weil als ich ein anderes Stück gespielt hatte, meinte einen Tänzer.

00:49:02: Oh Brigitte!

00:49:02: You gotta see that show!

00:49:04: Du musst diese Show sehen in London und da ist es voll deine Rolle, diese Killer Queen.

00:49:08: Und er hat mir das Programm-Hef gezeigt... ...und dann dachte ich so naja gut, dass war eine Person of Color in einem großen Körperumfang.

00:49:21: Und dann dachte ich natürlich erst, na super!

00:49:24: Bin ich jetzt so wuchtbrummig oder was?

00:49:27: Dass sich jetzt diese Rolle spielen soll.

00:49:28: Ich habe es natürlich dann erstmal so abgetan und ... und ich dacht so oh nee von Queen darf man doch kein Musical machen.

00:49:36: Jetzt ne, die Queen ist doch heilig und so.

00:49:38: Dann hab' ich mir doch aber angeschaut und war total hin-und weg... und auch eben gerade von dieser Rolle und dachte so, oh das ist meine Rolle.

00:49:53: Aber dann dachte ich ja gut also wenn die jetzt wirklich schwarz sein soll dann habe ich natürlich keine Chance.

00:50:01: aber das wusste man ja da nicht weil manche Rollen sind halt wirklich ethnisch vorgeschrieben Und da stand aber nichts.

00:50:11: und dann dachte ich, okay.

00:50:13: Ich muss einfach so gut vorbereitet

00:50:15: sein.".

00:50:17: Ja, und ich hab' dann drei Runden gab's und ja... ...ich habe dann letztendlich den Zuschlag bekommen!

00:50:24: Bäm!

00:50:26: Jawoll!

00:50:27: Ja, wenn da plötzlich so ein Brian May im Zuschauerraum sitzt, singt man da auch anders?

00:50:33: Oh mein Gott, der war ja auch ein paar Mal da.

00:50:36: also er war... Insgesamt fast zehn Jahre gemacht, aber immer in anderen Orten.

00:50:44: Na ja, das hinkt man da anders!

00:50:48: Also ich weiß noch kurz an der Premiere Musical, da waren wir... Da bin ich irgendwie nochmal durchs Treppenhaus weil meine Karten... Irgendwie hieß es eher die sind nicht reserviert und dann Dann musste ich irgendwie den Produzenten finden und das war eine Aufregung.

00:51:06: Und dann ist mir Brian entgegengekommen, ich so oh mein Gott!

00:51:10: Now I'm excited!

00:51:11: I am

00:51:11: nervous!".

00:51:12: Da hat er gesagt, nein sei doch nicht nervös!

00:51:16: Wir lieben dich und wir lieben euch doch alle.

00:51:19: ja und wir unterstützen euch

00:51:22: doch.".

00:51:24: Das hat man in der DDR auch schon mal gehört, es ging nicht so gut aus In der DDR, in der deutschen demokratischen...

00:51:35: Ja, na ja.

00:51:36: Aber gut also er war halt ... Also er ist wirklich ein wahnsinnig netter und unterstützender Mensch.

00:51:43: Und er hat mir dann halt einmal auch ... Er gibt eigentlich nur Komplimente.

00:51:49: So die Art von Komplimenten ist immer anders so bisschen hieraschig anders Aber das war schon toll.

00:51:59: Er hat mir halt einmal gesagt, er findet so toll, dass ich ihre Musik verstehe und es war also schon eines der schönsten Komplimente.

00:52:11: Ich habe die Musik eingesaugt als Teenager und ich glaube, jeder kann irgendwie nachvollziehen... Ja, so eine Band hatte.

00:52:22: Man kann es einfach sofort mitsingen und das ist dann was anderes als wenn man etwas Neues lernt.

00:52:28: Du warst ja auch früh Teil der deutschsprachigen Erstaufführung von Tanz der Vampire.

00:52:34: Wie war es denn mit Roman Polanski zu arbeiten?

00:52:36: Also was heißt deutsch sprachig?

00:52:37: Das war ja ne Beltua-Führung.

00:52:44: Das war sehr interessant!

00:52:47: Also zehn Wochen ging er wirklich ein und aus.

00:52:52: Manchmal hat man gemerkt, dass er viel Film macht weil er gewisse Sachen halt sehr bildhaft haben wollte.

00:53:03: Gut es gibt immer solche und solche Regissiere die dann etwas mehr aufs Äußere gehen oder ein bisschen mehr klischeehaft sind oder die halt wirklich eine Personenführung haben.

00:53:15: Ich, da ich damals halt im Ensemble mit Cobra Magda und Rebecca war, hab der jetzt nicht so wahnsinnig viel gearbeitet.

00:53:25: Aber ich war einmal bin ich extra dort geblieben weil sie jemanden gebraucht haben sehr dann in der Gruft irgendwie in den Sarg mussten habe ich gesagt ah ich mach das!

00:53:35: Und dann hab ich viel mitgekriegt.

00:53:38: so ne?

00:53:39: Er macht Wahnsinnigviel vor auch.

00:53:42: Das ist immer sehr lustig.

00:53:44: halt Ja, man sieht ihn natürlich dann gleich wieder im Film Tanz der Vampire.

00:53:50: Also er hat dann oft Alfred Sachen vorgemacht und dann sieht man diesen kleinen Mann und denkt so ja ein Film war das oder wenn er den Grafen ins Zähne gesetzt habt.

00:54:06: Das lustigste war Jim Steinman war auch da, der Komponist.

00:54:16: Und Jim Steinman, der hatte ja so lange graue Haare und war auch ein sehr einzigartiger Typ.

00:54:23: Der immer mit einer Jutetasche umrum gelaufen ist.

00:54:28: Ich weiß noch das erste Mal als der Graf bei Tanze Vampire auf die Bühne kam mit seiner Perücke und seinem Outfit hat Roman sofort gesagt Und er sah wirklich aus wie Jim Steinman.

00:54:45: Also eigentlich und der hat dann auch jedes Mal, Steve Barton hat das damals gespielt.

00:54:49: Jedes mal wenn es Steve Bartons auf die Bühne kam, hat Roman Polanski halt nicht gesagt, Steve kannst du mal dort und so und dann immer, Jim, oh sorry Steve!

00:55:01: Also erst heißt Jim war gesprochen und Jim Steinmann war dann immer etwas verlegen hier.

00:55:08: Ja, so unterschiedlich sind die Männer.

00:55:10: Und wenn es dich mal wieder reißt um eine Gruft zu steigen dann kann ich dich gerne mit meinem Podcast Gast der zweiten Folge aus dem Jahr zweitausend kurz überlegen.

00:55:18: zwei tausend zwanzig verknüpfen Olaf Ilefeld den Friedhofsmanager des zweitgrößten Friedhof in Deutschland, den Stanstorfer Friedhof im Brandenburg.

00:55:27: da gibt es nämlich auch Gruften und da kannst du gerne mal vorbeischauen und Dann war wieder ein bisschen Gruften Luft schnuppern.

00:55:33: Ich hoffe das ist grammatikalisch jetzt richtig gewesen mit der Gruftenluft aber Du weißt schon was ich meine.

00:55:37: Na

00:55:38: ja, als ich denk, weil du dich lassest lieber auf der Bühne mit.

00:55:41: Gut!

00:55:42: Dann halten wir das auch fest, lieber nur auf der bühne.

00:55:45: und liebe Brigitte zum Ende unserer heutigen Folge meine letzte Frage an Dich was bedeutet denn Erfolg für Dich heute?

00:55:53: Also das hat sich natürlich schon etwas geändert.

00:55:56: also... Früher war ja Erfolg, so ein Ding.

00:56:00: Oh man hat es geschafft!

00:56:01: Man möchte die Anerkennung von anderen vielleicht auch sogar von den Eltern.

00:56:07: Ja jetzt habe ich's euch gezeigt dass ich sie eben schaffen kann und so.

00:56:11: und ja und ich kann mir das leisten.

00:56:14: und so heute denke ich halt... Mir ist halt so ne Zufriedenheit oder einfach so eine Ruhe Einfach so eine Art Glücklichsein, viel wichtiger.

00:56:32: Und dass ich gute Rollenspiel und auch mal ne Auszeit nehme, mich mit Freunden treffe oder wieder die Familie besuchen gehe.

00:56:44: Weil mittlerweile habe ich schon einige Kolleginnen und Kollegen und Freunde, die auch schon gestorben sind oder teilweise schon mit vierzig gestorbt sind.

00:56:56: Da denkt man dann schon okay... immer sagen ja später, später.

00:57:01: Irgendwann bis der Achtzig und denkst ja was kommt jetzt später noch?

00:57:06: Und deshalb denke ich mir schon wenn ich mir etwas vornehme also wenn ich zwanzig dreißig Prozent von dem was ich mir vornähm jeden Tag schaffe dann ist das kann nicht mehr eigentlich schon auch die Schulter klopfen weil man muss nicht immer hundert Prozent oder perfekt um so sein.

00:57:23: Das ist wohlbar Und ein schönes Schlusswort, lieber Brigitte.

00:57:27: Wir sind am Ende angekommen nicht am Ende unseres Lebens sondern am Ende dieser Folge dieser spannenden Folge.

00:57:32: ich darf mich bei dir bedanken.

00:57:34: du hast uns so'n bisschen mitgenommen in deinem Beruf und deine Berufung und Du hast uns auch so'nn bisschen gezeigt dass das Geheimnis einer langen Karriere vielleicht genau darin liegt Dass es nicht immer nur um Applaus geht Sondern vor allem um die Freude Menschen mit Geschichten zu berühren, das kannst du und ich wünsche dir von Herzen auch für die nächsten vierzig-fünfzig Jahre alles erdenklich guter.

00:57:58: Vielen Dank!

00:57:58: Ich war sehr gerne hier Danke dir.

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