Wolfgang Bosbach | Streitbarer Demokrat - Wie verdient man sich Vertrauen?

Shownotes

Wolfgang Bosbach gehört zu den wenigen Politikern Deutschlands, deren Name weit über Parteigrenzen hinweg Vertrauen, Haltung und Klartext verkörpert. Mehr als zwei Jahrzehnte prägte der CDU-Politiker den Deutschen Bundestag, war Vorsitzender des Innenausschusses und wurde immer wieder direkt von den Menschen gewählt. Doch wer ist der Mensch hinter dem Politiker?

Mit André Puchta spricht Wolfgang Bosbach offen über seine Kindheit in Bergisch Gladbach, seine Eltern, den Wert von Ehrlichkeit und Bodenständigkeit sowie über Momente, in denen er seiner eigenen Fraktion widersprach, weil sein Gewissen es verlangte. Gemeinsam ordnen sie außerdem die aktuellen Herausforderungen Deutschlands ein: den gesellschaftlichen Umgangston, Migration, innere Sicherheit und die Bedeutung einer klaren Unterscheidung zwischen konservativen Positionen, Extremismus und Islamismus.

Im Podcast „Schüchtern bis nüchtern“ begrüßt André Puchta spannende Charaktere mit außergewöhnlichen Berufen, Lebensentwürfen oder Leidenschaften. Eine Bühne für Biografien, die man nicht erfinden könnte. Hier trifft Kuhfriseur auf Detektiv, Domina auf Pfarrerin, Dildo-Designerin auf Tatortreinigerin, Human Puppy auf Ordensfrau und Hebamme auf Tantra-Trainer. Ein Podcast über das Ungewöhnliche – und das, was uns verbindet.

Transkript anzeigen

00:00:04: Herzlich willkommen

00:00:06: bei Schüchtern bis Nüchdern.

00:00:08: Dem Publicity-Podcast mit André Puchter und chilligen Gästen, fast live aus Berlin!

00:00:23: Es gibt nicht viele Politiker, bei denen die Menschen zuerst den Nachnamen nennen und erst danach die Partei.

00:00:30: Bei Wolfgang Bossbach ist das anders – vielleicht weil er nie den Eindruck vermittelt hat jemand anderes sein zu wollen?

00:00:38: Vielleicht, weil er auch dann widersprochen hat wenn es unbequem wurde.

00:00:43: Oder weil man ihm selbst dann zugehört hat, wenn man seine Meinung nicht teilte!

00:00:48: Mich interessiert heute aber nicht zuerst der Politiker.

00:00:50: Mich interessert, dass der junge aus Bergisch glatt machte.

00:00:53: Der junge Mann, der zunächst eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann machte mit Anfang zwanzig einen Supermarkt leitete später auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur nachholte Jura studierte und schließlich über zwei Jahrzehnte zu den bekanntesten Gesichtern des Deutschen Bundestages gehörte.

00:01:10: Mich interessiert, was einen Menschen prägt – woher Haltung kommt?

00:01:15: Wie Krankheit im Blick auf das Leben verändert und warum manche Menschen Vertrauen genießen, obwohl sie nicht immer Zustimmung bekommen!

00:01:23: Ich freue mich wirklich sehr auf dieses Gespräch und daher auch herzlich willkommen bei Schüchtern bis Nüchdern Wolfgang Bosbach.

00:01:29: Ja danke für die Einladung Herr Bochter.

00:01:31: ich hoffe wir haben ein angenehmes zielführendes Gespräch.

00:01:35: Na also zielführend und angenehm, das wird es definitiv.

00:01:38: Da bin ich mir sicher!

00:01:39: Lieber Herr Bossbach, wenn Sie heute auf den Deutschen Bundestag blicken.

00:01:43: vermissen sie Ihnen oder sind Sie ganz froh diesen nicht mehr so wirklich anzugehören?

00:01:47: Ich bin selber überrascht dass ich ohne romantische Gefühle nach Berlin reise und Eurer Bundestag vorbeifahre.

00:01:55: Also ehrlich gesagt, so einmal im Monat würde ich ja gerne noch mal ans Rednerpult gehen.

00:02:00: Aber alles hat seine Zeit!

00:02:02: Ich war dort... Ja.

00:02:03: ...二undzwanzig Jahre, sechs Jahre in Bonn, siebzehn Jahre in Berlin.

00:02:07: Ich habe so ungefähr alles erlebt.

00:02:09: Positiv wie negativ was man als Berufspolitiker erleben kann und man muss auch loslassen können und die Entscheidung nicht mehr zu kandidieren ist mir nicht leicht gefallen.

00:02:20: aber rückblickend es war die Richtige.

00:02:22: Ja also sie waren in berlin sehr umtriebig und das meine ich jetzt absolut positiv, sehr gut vernetzt immer unterwegs.

00:02:28: Und so haben wir uns ja auch kennengelernt als Sie im Herbst zwei tausend vierzehn zu Gast waren an meiner alten Wirkungsstätte dem Friedrichstadtpalast in Berlin.

00:02:37: da hatte sich das große Vergnügen sie auch mal ein bisschen herumführen zu dürfen und habe sie damals schon als sehr eloquenten sehr, ja wie soll ich sagen direkt den Menschen kennengelernt und das wirklich absolut angenehm gedacht der immer das sagte was er auch dachte.

00:02:54: Ich kann mich noch gut erinnern denn ich war fasziniert von dem Blick hinter die Kulissen.

00:03:00: Fantastischen Revue der Arters und nicht glauben wenn man im Plüsch sitzt in Publikum.

00:03:05: dann hat man keine richtige Vorstellungskraft davon welche Mühe welcher Arbeit welche Ideen Man muss um eine so tolle Show auf die Beine zu stehen.

00:03:15: Da bin ich ganz bei Ihnen und ich freue mich vor allem, dass wir uns jetzt zwölf Jahre später an anderer Stelle wieder hören und das es Ihnen zumindest was man somit bekommt erst mal ganz gut geht.

00:03:25: Das freut mich sehr!

00:03:27: Wir

00:03:29: tun mal so!

00:03:29: Kann

00:03:29: mir auch nicht beklagen!

00:03:31: Alles Gute!

00:03:32: Das ist schön.

00:03:33: So, jetzt kommen Sie ja aus Bergisch-Gladbach und wenn ich Sie mal so ein bisschen bitten darf die Augen zu schließen welches Bild aus Ihrer Kindheit in Bergisch Gladbach sehen sie denn sofort vor sich?

00:03:41: Wenn Sie an Ihre Kindheit denken.

00:03:43: Da muss ich nicht lange überlegen.

00:03:45: es ist die Straße.

00:03:47: also wer in den weichen in den fünftiger Jahren eingeschult worden ist der weiß das doch.

00:03:52: wir sind aus der Schule gekommen Wir haben den Ranz in die Ecke gestellt Und dann gab es sofort den Drang nach draußen zu gehen.

00:04:00: Aus zwei Gründen.

00:04:01: erstens völlig unbeobachtet von den Eltern und viele unfassbar, viele Kinder waren damals bei uns auf der Straße und da sind Freundschaften entstanden die jedenfalls teilweise bis heute noch halten.

00:04:14: Ja!

00:04:15: Ich glaube sie werden bestimmt auch damals Willi Bert Krüger irgendwann mal kennengelernt haben.

00:04:19: Der war ja einer der größten Unternehmer in der Region

00:04:22: Ja, den habe ich ja noch kennengelernt.

00:04:24: Also für meinen Heimatverein SV-Nohlenberg gespielt hat.

00:04:28: das war ein ganz guter Fußballspieler.

00:04:31: Und später wurde er dann durch einen unglücklichen, wie glücklichen Zufall eine erfolgreiche Unternehmer der tausende Arbeitsplätze geschaffen hat.

00:04:41: Weil seine Tante verstorben ist die kinderlos war und einen Getränkehandel hinterlassen hat.

00:04:47: Und daraus ist dann im Laufe der Jahrzehnten ein weltweit agierendes Unternehmen geworden.

00:04:56: Genau und er hat, ich glaube Anfang der siebziger Jahre in einer Garage in Bergisch-Klappbach auch den Zitronentier funden als instant getränkt.

00:05:03: Das verbindet uns nämlich auch ein bisschen denn für Krüger habe ich damals sogar temporär mal die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit externt begleitet.

00:05:10: Ja ich war oft im Industriegebiet, doch ist es immer nach Schokolade!

00:05:16: Manelpernhaus ist ganz in der Nähe und wir wussten, wenn es so nach Vanille oder nach Schokolade raucht.

00:05:22: Ich glaube man hat gut zu tun.

00:05:24: Ja genau!

00:05:24: Also ich verbinde... Das stimmt, Markkröger, genau.

00:05:28: Glaube

00:05:29: Papa Kröger wie mächtig stolz auf sein Sohn

00:05:32: Das wäre auf ihn und er hat ja auch viel gemacht, auch für die Arche.

00:05:35: Und viele Spendenchecks übergeben

00:05:37: usw.,

00:05:38: also war ein großartiger Mann und Unterstützer der Region.

00:05:41: Also sie merken schon so ein bisschen mit Bergisch glatt, das bin ich auch verbunden.

00:05:44: Ich habe in Köln auch mal gelebt und kenne das Rheinland?

00:05:46: ganz gut!

00:05:47: Aber sie sind ja in Bergges Schlattbach geboren.

00:05:51: und was hier auch so ein bisschen ausmacht, Sie sind einer der wenigen bundesweit bekannten Politiker die ihren Lebensmittelpunkt während der gesamten politischen Karriere auch beibehielten.

00:06:02: Was bedeutet er denn?

00:06:03: oder was bedeutet Heimat für sie nach wie vor?

00:06:06: Ja das stimmt ich bin alles andere als ein Weltenbummler!

00:06:09: Ich bin hier in Bergisch-Lachbacherz im Schatten des Gönner Domes geboren aufgewachsen und lebe hier im Ortseilherkenrad, also ländlich-sittlich wenn sie so ein bisschen das Bergische Land kennen.

00:06:21: Vorletzter Haus in Bergeschnabbach danach kommt schon die Gemeinde Kürten und danach geht es in die Tiefen des Bergischen Landes.

00:06:30: was bedeutet das für erstmal Vertrauteid?

00:06:32: Vertrautheit der gesamten Umgebung Familie Freunde aber auch Erinnerungen Ruhe zu sich kommen.

00:06:39: Also ich habe ja nach dem Umzug des Bundestages von Bonn, nach Berlin die Standberlin permanent wachsen sehen.

00:06:47: Also eine faszinierende Metropole vielleicht die einzige Weltstadt die es in Deutschland gibt.

00:06:54: Hamburg könnte man noch dazu berechnen mit abstrichen München aber es war nie meine Stadt.

00:07:01: Meine Stadt war immer Bergisch-Ladbach, jetzt kann man sagen das ist aber Provinz und da stimmt auch.

00:07:06: Auch wenn die Stand hundertzehntausend Einwohner hat.

00:07:09: Aber das passt für mich es ist überschaubar und da führe ich mich wohl

00:07:14: Ja, aber dass hat ja alles auch immer seine Vornachteile denn wenn man sich kennt.

00:07:17: Ich kann mir vorstellen sie standen heran aus er früh in einem Blickfeld der Öffentlichkeit.

00:07:22: Wie oft standen denn vor ihrem Haus oder ihrer Wohnung Menschen diese nicht kannten?

00:07:26: Die vielleicht jetzt nicht so schöne Sachen mit ihnen vor hatten?

00:07:29: Also das hat es gegeben, aber ich selber war da nicht zu Hause.

00:07:34: Ich bin sowieso eher selten zuhause also jetzt zum Beispiel.

00:07:37: Erwischen Sie mich tatsächlich zu Hause?

00:07:39: Das ist für mich wirklich wie Urlaub!

00:07:41: Ich bin im Jahr so bis zuhundertfünfzig Tage unterwegs und wenn ich nach Hause komme genieße ich das sehr.

00:07:49: die idealische Ruhe hier Die Schönheit der Landschaft Und wenn ich möchte bin ja in zwanzig Minuten in Köln.

00:07:59: Das habe ich mir insgesamt schlimmer vorgestellt, weil es meinen Vorgänger hier im Wahlkreis mehr erwicht hat als mich.

00:08:06: Also mit unerbetenden Besuchen oder freundlichen Ereignissen rund ums Haus kann auch daran liegen dass ich gar nicht so leicht zu finden bin.

00:08:15: Selbst wenn man Adresse und Hausnummer kennt das Haus muss man erst mal filmen.

00:08:21: Na das mit dem vorletzten Haus, da hinten ganz links oder wie Sie es mir gesagt haben.

00:08:24: Das ist dann doch nicht so einfach.

00:08:25: okay gut aber das war's dann erst mal mit dem Urlaub denn jetzt haben sie mich ein paar Minuten an der Backe Lieber Herr Bossbach.

00:08:32: ihre Eltern konnten ja vermutlich nicht ahnen dass ihr Sohn einmal zu den bekanntesten und das darf man schon auch sagen zu den beliebtesten Politikern Deutschlands gehören würde.

00:08:41: was haben sie denn von ihren Eltern fürs Leben mitgenommen?

00:08:46: Nur zur kurzen Erklärung, meine Mutter hat und hat immer noch.

00:08:50: Mama ist achtundneunzig aber durchaus noch regel.

00:08:56: Mein Vater lebt leider nicht mehr, er ist vierneunzig Jahre alt geworden.

00:08:59: ich glaube von dem habe ich das politische Temperament unfassbar politisch interessiert bis in die letzten Tage seines Lebens hinein.

00:09:08: Da hat jeden Tag lange, lange die Zeitung gelesen.

00:09:10: Aber wirklich jede Zeile, der war unfassbar gut informiert.

00:09:14: Ich glaube er wäre gerne an meiner Stelle Bundeshause Abgeordneter geworden.

00:09:19: aber es ist weniger die Politik im Hause Bosbach sondern es sind die ganz einfachen Regeln des Lebens also Ehrlichkeit Anständigkeit keine halben Sachen machen Bodenständigkeit und vor allen Dingen sich Vertrauen erwerben.

00:09:35: das ist die wichtigste Währung in der Politik.

00:09:39: Ja, die ist leider so ein bisschen gefühlt verloren gegangen aber da sprechen wir vielleicht gleich noch ein bisschen dazu.

00:09:44: ihr Vater arbeitete ja als Kaufmännischer angestellter nach meinen Informationen und war später auch Personalleiter.

00:09:49: der musste also sehr früher mit Menschen umgehen.

00:09:51: hat er Ihnen das vielleicht auch so ein Bisschen mitgegeben?

00:09:54: Das weniger!

00:09:55: Das wusst du dir selber erarbeiten.

00:09:57: man kann da Ratschläge geben aber du kannst auf der Schule in der Uni viel lernen aber nicht Lebenserfahrung.

00:10:04: Das geht nicht, die musst du dir selber aneignen.

00:10:08: und dafür bin ich auch dankbar, dass ich mal einen ganz bürgerlichen Beruf gehabt habe der überhaupt nichts mit Politik zu tun hatte.

00:10:17: Wir treffen als Politiker Entscheidungen für über Achtzig Millionen Menschen und da müssen wir auch deren Leben kennen.

00:10:22: also Respekt vor allem die es mit jungen Jahren schaffen sofort in den Bundestag zu kommen ein Mann dazu erledigen.

00:10:29: aber so ein bisschen Berufserfahrung, Lebenserfahrung kann nicht schaden.

00:10:34: Und sie haben dann die mittlere Reife absolviert und jetzt kommt wieder eine Gemeinsamkeit, Sie haben dann eine Ausbildung gemacht zum Einzelhandelskaufmann wie ich?

00:10:43: Ja auch im Lebensmittel-Einzelhandel!

00:10:45: Ja also Lebensmittel stüpft mich ganz.

00:10:47: da muss ich mich korrigieren.

00:10:48: Ich war im Baumarkt tätig, Bahagebau.

00:10:55: Lebensmittel Einzelhandelskauf.

00:10:57: Man hat die ganze Ausbildung durchlaufen, auch ausbildungsverführungskraft und dann eben Leiter.

00:11:04: eine Supermarkt ist geworden was lustig war denn ich habe in einer Konzern von über zwei Hundert Filialen als Leiter ausgerechnet die Filiale bekommen indem ich als Lehrlin Fünf Jahre vorher angefangen hatte.

00:11:18: Da war auch noch die Verkäuferin, die mir jeden Abend um viertel nach sechs den Besen in die Hand bedeutete.

00:11:25: Oh je!

00:11:25: Er

00:11:25: war ja noch Ladenschuss halb sieben, um den Parkplatz zu kehren und der war nicht klein.

00:11:31: Und deswegen sage ich auch heute gerne... Das ist durchaus ernst gemeint.

00:11:35: Leute geht mit euren Lehrlingen oder auszubildenden anständig oben.

00:11:39: das könnte mal die Chefs werden.

00:11:41: Absolut richtig.

00:11:42: wie lange war es ihr denn dann noch im Geschäft tätig?

00:11:46: Es gab da keinen Streit, aber ich glaube sie hat geschluckt.

00:11:49: Weil sie auch diejenige war, die wenn nicht mal mürisch geguckt habe immer den schönen Satz hatte Leerjahre sind keine Herrenjahren.

00:11:57: Ja, das stimmt wirklich.

00:11:59: Und auch da... ich könnte heute schon wieder schöne Geschichten erzählen.

00:12:01: Mein Ausbilder hieß Gerd Döring und der hat mich immer unterstützt und als ich dann später nach Berlin gegangen bin und am Friedrichstadtpalast angefangen habe stand er irgendwann mal vor der Tür mit einem Kollegen von Hagebau um mich zu überraschen.

00:12:12: nach all den Jahren also wir haben uns nie aus den Augen verloren hatten auch einen gleichen Tag Geburtstag und der meinte dann auch irgendwann zu mir man sieht sich immer zweimal im Leben.

00:12:22: Genau.

00:12:22: Also Sie waren ja da Anfang zwanzig, als sie dann begonnen haben eben den Supermarkt zu leiten?

00:12:27: Was haben Sie denn damals schon über Menschen gelernt?

00:12:31: Das war gar nicht einfach!

00:12:33: Denn ich war von den Auszubildenden abgesehen.

00:12:36: der jüngste Mitarbeiter in einem damals doch relativ großen Markt hatte dann Führungsverantwortung für das Personal und vor allen Dingen Umgang mit Kunden.

00:12:46: Und eins lernst du am ersten Tag die Menschen Die gibt es überhaupt nicht.

00:12:52: Und der Politik habe ich da gehört, die Menschen erwarten das und das.

00:12:55: Nein!

00:12:56: Die Menschen sind alle verschieden.

00:12:57: Also ich will jetzt nicht übertreiben.

00:12:58: Es gibt keine vierundachtig Millionen verschiedene Charaktere aber die Vielfalt der Meinungen spiegelt sich in der Vielfald der Charaktäre der Menschen wieder.

00:13:08: Wir haben keineswegs nur aller einheitliche Wünsche und Erwartung an die Politik.

00:13:15: Hat Ihnen denn diese Zeit später auch in der Politik geholfen?

00:13:19: Ja, vor allen Dingen ein Punkt.

00:13:21: Ich hatte in der Ausbildung gelernt einen damals ... Überlegen Sie, damals gab es ja noch kein Internet, kein Smartphone.

00:13:29: Das gab sie alles noch nicht.

00:13:30: Ein unzufriedener Kunde sagte sieben anderen also die Reklamation eines Kunden ernst nehmen und das habe ich auch immer sehr ernst genommen.

00:13:39: Ich hab allen Mitarbeitern gesagt wenn reklamiert wird bitte den Chef fragen ich mache dasselbe möchte die Gespräche führen wie so oft im Leben mal berechtigt, mal unberechtigt aber alle ernst genommen.

00:13:53: Gescheitert bin ich dann bei einer Reklamation eine Flasche Asbach die angekriegt nicht gut war, aber zu zweidrittelt schon leer!

00:14:05: Das war ein älterer Herr, das will ich nicht vergessen.

00:14:07: Wir haben dann die Pulle bis auf den Boden gelehrt und am Ende auch der Meinung so schlecht ist der Weinband gar nicht also... Und so habe ich es auch in der Politik gemacht in den Bürgersprechstunden.

00:14:17: natürlich gibt's da mehr Kritik als Lob aber du musst die Menschen ernst nehmen.

00:14:21: Mark kann man helfen, mark kann man nicht helfen.

00:14:24: Ich dachte jetzt gerade sie meinen dass mit dem Weinbrand mit der fast ausgetrunkenen Flasche in der Bürgersprechstunde es bezog sich auf was anderes.

00:14:30: Dann bin ich ja beruhigt!

00:14:32: Ja, das ist doch gut.

00:14:33: Nein!

00:14:34: Also Herr Bossbach was man glaube ich bei Ihnen ja sieht ihre Biografie ist ja auch ein Beispiel dafür dass Bildungswege nicht geradelinig verlaufen müssen denn sie holten ja dann ihr Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nach.

00:14:46: Eigentlich wollte ich den Handel gar nicht verlassen sondern ich will mich fortbilden.

00:14:50: Ich hatte schon einen der größten Märkte in der Region.

00:14:54: und ja dann willst du das vierzig-fünfundvierzig Jahre lang machen.

00:14:59: oder möchtest du mal im Handel eine Führungsposition außerhalb einer Filiale übernehmen?

00:15:05: und dafür gab es dann die Weiterwindung zu staatlich geprüften Betriebswirt.

00:15:09: Damals

00:15:10: hatte ich Kontakt zur Jura, erster Mann in meinem Leben Handelsrecht Gesellschaftsrecht Arbeitsrecht alles was mit Wirtschaft zu tun hat.

00:15:18: Und da das bei mir Kling klicke macht eigentlich möchtest du Jurist werden.

00:15:22: Dafür hätte ich aber oder musste Ich damals noch das Vollabitur machen und auch Latein lernen.

00:15:30: Das fällt einem mit Mitte zwanzig auch nicht mehr.

00:15:32: So leicht erfeustere ich, wenn die Schwester Lateinlehrerin ist.

00:15:37: Ja Sie haben das dann aber gut geschafft denn sie haben an der Uni Köln studiert, Rechtswissenschaften und dann, ich glaube, in deiner ersten und neunzehnten Jahrzehnte ihr zweites Staatsexamen.

00:15:49: Joa, ich meine Professorin hatten zwar teilweise die Auffassung vertreten.

00:15:52: Ich hätte ein Fernstudium absolviert aber ich war auch in Vorlesungen also sollte uns jetzt einer aus der damaligen Zeit zuhören.

00:16:00: Ich war auch manchmal in der Uni.

00:16:02: Ja das glauben wir Ihnen sofort.

00:16:05: Hatten Sie denn damals jemals Angst zu scheitern?

00:16:10: Ja und nein zu scheiten nicht.

00:16:11: Aber man hat natürlich einen gewissen Ehrgeiz Man will ja jetzt nicht so mit Möhrenort über die Runden kommen Und meine Schwester hatte schon studiert.

00:16:20: Also ich komme ja nicht aus einem wohlladenden Haus, glaubt meine Eltern hätten sich bedankt wenn der Sohn jetzt auch noch studiert hätte.

00:16:26: Es war mir vom ersten Tag an klar du musst arbeiten gehen und damals war ja der Bundestag noch in Bonn halbe Stunde von Köln entfernt und das ließ sich gut vereinbaren.

00:16:39: aber es war dann vor allen Dingen gegen Ende des Studiums zeitlich eine enorme Doppelbelastung.

00:16:47: Am Ende hat es gut geklappt.

00:16:49: Ja, und wenn Sie heute jungen Menschen begegnen die glauben mit Anfang zwanzig müssen der gesamte Lebensweg feststehen was würden sie Ihnen sagen?

00:17:00: Bitte nicht festhalten an einer beruflichen Entscheidung von dem man nicht selber überzeugt ist.

00:17:06: also ich würde jetzt niemandem mit Anfang sechzig raten noch mal etwas komplett Neues zu machen.

00:17:11: aber Wenn man sie einmal entschieden hat für eine bestimmte berufliche Laufbahn und stellt dann fest, nee das ist doch nicht meins.

00:17:19: Nichts is schlimmer als die nächsten Jahrzehnte mit schotternden Knähen ins Büro oder auf die Baustelle zu gehen wohin auch immer Rücksagen.

00:17:29: Das habe ich mir jetzt anders vorgestellt.

00:17:32: Ich habe eine neue Idee möchte es da gerne mal probieren.

00:17:35: Diesem Mut sollte man haben Und nicht denken ich bin jetzt gescheitert.

00:17:40: nein Es hat mir immer geholfen, ob als Rechtsanwalt oder als Berufspolitiker.

00:17:46: Ich bin jeden Tag auch wenn es mal Ärger gab wo nicht gerne ins Büro gegangen und das halte ich für eine wichtige Motivation.

00:17:54: Ja lieber Herr Bossbach Sie sind mit einundzwanzig Jahren in die CDU eingetreten.

00:17:59: Wenn ich sie damals gefragt hätte möchten sie einmal den Deutschen Bundestag was hätten sie geantwortet?

00:18:06: Also als ich in die CDU eingetreten bin, ohne jede Karriereplanung.

00:18:10: Das war der Wahlkampf, die Wolle-Willi-Wahl.

00:18:14: Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes ist die SPD stärkste Partei geworden und hat sich dann vier Jahre später wieder komplett umgedreht.

00:18:22: Damals haben wir hier auf kommunaler Ebene eine Wahlkampfe gemacht und sprachlich fahren lag.

00:18:28: Ich war natürlich klar, wir wollen gewinnen!

00:18:32: Wir wollen gerne gewinnen, haben den Wahlkreis auch wieder mit meinem Vorgänger zurückgeholt.

00:18:39: Aber selber daran gedacht, Berufspolitiker zu werden?

00:18:42: Nein!

00:18:42: Das hat sich ein bisschen geändert, da ich ja über zehn Jahre als Referent für den hiesigen Abgeordneten tätig war und das weiß jeder der Fußball spielt.

00:18:53: Wenn du mal Kreisliere gespielt hast und hast die Chance Bundesliga zu spielen, sagst du nicht nein?

00:18:58: Na klar, und Sie waren ja auch viele Jahre Stadtrat in Bergisch-Gladbach.

00:19:02: Ja ich habe genau dreiundzwanzig jahre Kommunalpolitik auf dem Buckel und auch dreiund zwanzig Jahre Bundespolitik.

00:19:08: Wahnsinn!

00:19:08: Vielleicht wäre ich heute noch im Rat meiner Heimatstadt aber durch den Umzug von Bonn nach Berlin ließ sich das ja nicht mehr kombinieren.

00:19:18: Aber was sie damals ja schon vor sich hatten, waren ganz andere Themen.

00:19:22: Da ging es dann im Stadtrat wahrscheinlich um Bauverhaben, Schulen für eine Stadtentwicklung, Bürgeranliegen – das sei ja dann später als Sie in den Deutschen Bundestag gezogen sind, ganz anders aus.

00:19:35: Wenn Sie die sogenannte Große Politik meinen haben Sie recht aber die Verwochtelung im Wahlkreis vor Ort ist geblieben und ich habe immer die Bürgersprechstunden sehr, sehr ernst genommen Und ich hatte jedenfalls in den letzten Jahren, als ich dann doch bekannter geworden bin – immer so etwa um die zwanzigtausend Zuschriften im Jahr.

00:19:55: Auch das habe ich sehr ernst genommen und den allergrößten Teil der Arbeit eines Abgeordneten siehst du nicht!

00:20:03: Das ist absolut unsichtbar weil es auch unscheinbar ist.

00:20:09: Also dieses dem Menschen zugemannt sein, auch ein einzelnes Anliegen ernst nehmen das ist geblieben.

00:20:15: Ansonsten haben sie natürlich völlig recht.

00:20:17: auf Bundesebene hast du ganz andere Themen als vor Ort.

00:20:20: Ja hatten Sie damals ein politisches Vorbild?

00:20:24: Absolut, das war mein Vorgänger hier im Wahlkreis Franz Heinrich Greih.

00:20:27: Ich habe von dem unfassbar viel gelernt und ich hab auch danach nie mehr einen Politiker getroffen der so bürgerner war wie er einfach unter anderem auch Bürgermeister meiner halben Mal Stadtbäckig Stadtbach eben weil sich beides gut miteinander kombinieren ließ.

00:20:42: Ja aber Kommunalpolitik bedeutet ja auch oft der Nachbar klingelt dann am nächsten Morgen auch mal an der Haustür wenn ihr Haus findet und sagt Mensch Herr Bossbach da müssen wir mal reden.

00:20:51: Hat sie genau das auch geprägt?

00:20:54: Ja, das gehört aber mit dazu.

00:20:56: Das musst du wissen... Wenn du an ein öffentliches Amt wahrnimmst oder nach einem öffentlichen Abendstrebs gehörts das mit dazu.

00:21:05: Wie oft haben Sie denn zum Beispiel auf nem Sportplatz über die Welt diskutiert?

00:21:10: Im Grunde ganz wenig!

00:21:12: Also ich glaube dass die Menschen dann nicht dort hingehen um über Politik zu sprechen Weil, hier bin ich bekannt.

00:21:22: Ich habe selber Fußball gespielt und heute kennen mich auch im Sonntag beim ersten Spiel Regionalliga gegen Wackenscheid, Nr.

00:21:28: neun.

00:21:29: Das ist keine einzige Wort über Politik gesprochen worden.

00:21:32: aber bei Auswärtsspielen ist es schwieriger weil die Menschen doch überrascht sind dass ein relativ bekannter Politiker plötzlich irgendwo in der vierten Liga am Zaun steht.

00:21:47: Also da sind die Leute schon überrascht und dann neigen sie natürlich nach dem Motto jetzt habe ich die Chance, oder wissen Sie was schön ist im Urlaub?

00:21:56: Im Urlaub ist der Klassiker folgender.

00:21:59: Ach Herr Bossbauer, Sie haben einen Urlaub ja!

00:22:02: Sie möchten doch im Urlaub bestimmt nichts von Politik hören.

00:22:05: Dann eine muss ich Ihnen erzählen und dann weiß ich es.

00:22:09: Aber ich kann die Leute verstehen.

00:22:10: Jetzt haben Sie mal die Chancenseiten am Wickel zu bekommen.

00:22:13: Jetzt nehmen Sie das auch wahr.

00:22:15: So ist es mit mir ja heute auch.

00:22:17: Sie haben mich auch heute an der Backe, wie schon erwähnt und jetzt müssen sie sich mit mir ein bisschen austauschen.

00:22:21: dafür bin ich Ihnen auch sehr dankbar.

00:22:23: Waren Sie eigentlich – das habe ich nicht gefunden zu Ihrer Zeit im Deutschen Bundestag auch im FC Bundestag mit engagiert?

00:22:30: Gut da Mann!

00:22:31: Ich habe neunundachtzig Spiele im FC-Bundestag absolviert Und sogar zwei Tore geschossen, wobei die Kollegen immer gesagt haben ich jetzt nicht geschossen.

00:22:41: Ich sei angeschossen worden und dadurch seid er bald ins Tor gefahren.

00:22:46: Ja?

00:22:46: Ich habe viele Jahre im FC Bundesrat verbracht später dann nicht mehr weil es zeitlich gar nicht mehr ging.

00:22:53: Ich hatte kürzlich und ja schon ein paar Wochen her hatte ich Tim Klüssendorf bei mir zu Gast und der hat mir auch immer die schönsten Geschichten erzählt.

00:23:00: das ist ja da auch... bis auf wenige Ausnahmen, glaube ich egal ist.

00:23:03: Welcher Parteimand im Deutschen Bundestag angehört oder welcher Fraktionen.

00:23:07: da vergisst man dann für neunzig Minuten oder zwei Stunden mal so ein bisschen die Politik?

00:23:11: Richtig!

00:23:11: Also es wird mal geflaxt das doch wirklich.

00:23:14: und beim Bier hinterher... Da wird auch immer ein politisches Wort gesprochen.

00:23:17: aber völlig egal ob du jetzt links bist oder rechts oder der Mitte also spielt wirklich keine Rolle sind auch tolle Freundschaften über Faktionsgrenzen hinweg entstanden.

00:23:30: Das kann man vielleicht so als Fußballer, als Sportler nachvollziehen.

00:23:34: Das ist tatsächlich so!

00:23:36: Wenn es mal zu einer politischen Auseinandersetzung kommt im Plenarsaal... ...wenn du mit dem Redner der anderen Partei mal Fußball gespielt hast, mal geduscht hast, einen Trinken warst, kannst du den gar nicht mehr so frontal angehen?

00:23:52: Ja ich kann mir das schon vorstellen.

00:23:53: Es ist wie eine Wanderung auf einem Berg.

00:23:57: So ein bisschen.

00:23:59: Genau, so ist es.

00:24:00: Also Politik wird ja heute oft auch als Machtspiel beschrieben?

00:24:04: Wann haben Sie denn zum ersten Mal erlebt das Politik eigentlich etwas ganz anderes isst?

00:24:10: Eigentlich schon am ersten Tag aus zwei Gründen.

00:24:14: Du wirst als neuer Abgeordneter jedenfalls war's bei mir sehr freundlich aufgenommen.

00:24:20: da wird er nicht gesagt also bitte erst mal hinten anstellen du kannst sie in fünf Jahren mal wieder melden.

00:24:26: Das war von Anfang an freundschaftlich und kameradschaftlich.

00:24:30: Und das Zweite ist, was viele unterschätzen nicht Talkshow sondern Arbeit, Arbeit, Arbeit.

00:24:36: also wenn man wirklich politische Einfluss nehmen will da gibt es zwei Dinge.

00:24:40: erstmal die Konzentration auf verschiedene Themen.

00:24:44: du kannst nicht alles wissen

00:24:46: ja

00:24:46: aber Wenn Du dir auf bestimmte Themen konzentrierst dann musst du auch fit sein.

00:24:51: wenn du angesprochen wirst muss man noch Aussage kundig sein Und da darf man keine allgemeinen Floskeln verwenden.

00:24:59: Sie würden ja auch nicht zu einem Arzt gehen, der sagt ich bin Octopäder Augenarzt Geburtshilfe mache ich alles.

00:25:05: Da würden sie auch sagen wo alles kann der gar nicht können?

00:25:10: und das zweite ist es ist ein jahrelanger Lernprozess Man lernt jeden Tag dazu.

00:25:16: Ja Ich hatte vor einiger Zeit auch eine Astrologin bei mir zu Gast Andrea Buchholz und die hat mir erzählt dass sich nur von Ärzten operieren lässt Jan eine Mittwoch geboren wurden.

00:25:24: Ach,

00:25:24: du liebe Zeit.

00:25:25: Wie

00:25:25: ist das denn bei Ihnen?

00:25:26: Nach dem Geburt... Nee ich frag da schon mal, haben Sie das schon einmal gemacht?

00:25:30: Ja!

00:25:30: Da hast Du ein Erlebnis gegeben auch ja.

00:25:32: Also gut dann legen Sie mal los.

00:25:33: Ihr seid gerade im Krankenhaus und habt die uneingenehme Eigenschaft mit mir immer über Gesundheitspolitik sprechen

00:25:41: zu wollen.

00:25:43: Ja, das färbt schon ab.

00:25:44: Das tut mir auch total leid.

00:25:45: aber sie gelten eben auch als Politiker mit einem starken Wahlkreisbezug denn Sie haben ja selbst während Ihrer Zeit als Vorsitzender des Innenausschusses schon regelmäßig auch Termine in Berges Schlagbach und umgebung natürlich wahrgenommen.

00:25:57: gab es denn da Schicksale die Sie auch mit nach Hause genommen haben?

00:26:02: In der Bürgersprechstunde als Abgeordneter

00:26:04: zum Beispiel

00:26:06: weniger als als Anwalt.

00:26:08: also dann nimmst du Schon einige Fälle mit nach Hause nicht im Sinne von Akten schleppten, sondern von Schicksal teilen.

00:26:15: Ja und dann brauchst du beides gute juristischen Sachverstand aber... Du musst auch Abstand gewinnen.

00:26:22: Also da gibt's noch einiges an wo ich geknabbert habe ja.

00:26:28: Wie haben Sie es denn geschafft diesen Abstand zu gewinnen und zu halten?

00:26:32: Gab es da etwas, was?

00:26:33: manch einer legt sich auf eine Jugarmatte oder eine Akupressumarte?

00:26:38: Macht Schlammcatchen.

00:26:38: Wie war das bei Ihnen?

00:26:39: Hatten Sie da immer so ein Hobby, dass sie einen Ausgleich ermöglicht hat?

00:26:43: Das Auspowern.

00:26:44: Ja!

00:26:45: Das Aus powern, dann kommst du gar nicht mehr zum Gröbeln.

00:26:49: Ich war jahrzehntelang ein begeisterter... Tennis-Spieler, ich gehe gerne in die Sauna.

00:26:55: Ich streng mich gerne an heute auf dem Golfplatz.

00:26:57: Immer die Frage, spielst du gut?

00:26:59: Ich sage immer der eine sagt so oder andere sagt so.

00:27:01: Aber wie jeder der Golfspiel weiß das, du spielts halt gegen dich selber!

00:27:06: Wenn du andere Gedanken im Kopf hast, gibt das gar nichts und dann triffst du mehr Bekannte als Bälle.

00:27:12: also da muss man sich ganz konzentrieren aber nicht auf die beruflichen Probleme sondern oft das Spiel.

00:27:19: Ja Sie galten nie als besonders laut.

00:27:22: Das ist das, was ich immer wieder höre, wenn man auch ihren Namen hört oder anderen erzählt.

00:27:27: Trotzdem haben sie sich ja in all den Jahren Gehör verschafft.

00:27:30: Kann man denn lieber Herr Bossbach autorität lernen?

00:27:35: Ich weiß nicht ob es Autorität ist, ich glaube es ist eher Authentizität.

00:27:40: Das schönste Kompliment war, dass ich heute noch höre bei ersten persönlichen Begegnungen!

00:27:46: Da sagt jeder Zweite... Schön, dass wir uns mal kennenlernen.

00:27:50: Sie sind ja genau so wie ich immer geglaubt habe, das sie wäre.

00:27:54: Ja also ich bin völlig normal oder wenn Paketbote kommen, ich mache die Tür auf.

00:27:58: Sind sie nicht?

00:27:59: Ja auch das ist aber nett, was wir uns kennenlern dann mit zwei Minuten die Lage der Welt erörfte und als Anspielung.

00:28:07: So hab' ich auch geglaubт, dass sie sind.

00:28:09: da finde ich ein schönes Kompliment.

00:28:12: Das ist es auch!

00:28:13: Also sie wurden ja auch über Parteigrenzen hinweg oft für ihre ruhige ihre sachliche Art geschätzt.

00:28:18: Ähm, wie oft wurden Sie denn... Ich weiß gar nicht.

00:28:21: Gab es damals schon die heutige Show?

00:28:22: Ich glaube schon im ZDF.

00:28:23: Wie oft wurden sie denn von der heutigen Show zum Beispiel belagert?

00:28:26: Keine Ahnung!

00:28:27: Ich habe dir heute Show einmal in meinem Leben gesehen und zwar dann als ich selbst bei ihr zu Gast war sonst nicht.

00:28:33: Ich bin überhaupt ein sehr sparsamer, also als ich im Studio war.

00:28:37: Bin ein sehr spaßamer Fernsehzuschauer weil ich ja in der Regel abends gar nichts zu Hause bin.

00:28:42: Das überrascht mich jetzt wirklich, da ich immer denke Mensch wenn man noch mal zu Hause ist.

00:28:45: Ist man froh wenn auch ein bisschen Fernsehen kann?

00:28:47: Das war bei Ihnen nie der Fall!

00:28:50: Also im Reizchen können Sie mich immer mit Fußball und mit einem guten Tatort damit können sie mich reizen aber nicht mit Politik ist ja genau umgekehrt wie Sie vermuten.

00:29:01: weil ich eben in neunzig Prozent der Fälle von einer politischen Veranstaltung abends nachhause komme will ich unschliessend auch noch politische Diskussionen im Fernsehen verfolgen.

00:29:11: Ja, also auch das hat mir Tim Klüssendorf erzählt und der Kollege Felix Bannertschak von den Grünen war ja bei mir.

00:29:17: Und die haben wir das beide so ein bisschen bestätigt.

00:29:19: Das war ja vor vielleicht zwanzig Jahren noch anders.

00:29:21: da gab es noch nicht wirklich Tiktok und Co.

00:29:23: Da stand man vorne im Deutschen Bundestag, vorne an diesem Redepult und hatte irgendwie zehn fünfzehn Minuten gesprochen und dann gab's eben irgendwelche Auszüge, die Journalisten wieder gegeben haben.

00:29:35: Inzwischen ist es ja oft so, dass sagen dann irgendwelchen Berater Büros Mensch Da hast du einen Satz und dieser eine Satz, das ist der den musst du ganz empört oder wie auch immer wieder geben.

00:29:45: Der läuft super auf den Social Media Kanälen.

00:29:47: Ja

00:29:47: genau so ist es.

00:29:49: Sind Sie froh dass sie das alles hinter sich lassen konnten?

00:29:51: Dass die da gar nicht mehr am Bundestag sind?

00:29:54: Eindeutig ja weil ich weiß welcher Wert heute gelegt wird aus Social media Außendarstellung, dass so schnell vergeht die Zeit.

00:30:02: Das Smartphone gibt's ja erst seit zweitausend fünf zwei tausend sechs also seit zwanzig Jahren.

00:30:07: jetzt kommen Opa erzählt vom Krieg.

00:30:10: In Bonn gingen die Fraktionstüren auf und da standen zwei, drei Sender, drei, vier Radiostationen, zehn Zeitungen.

00:30:17: Das war's!

00:30:18: Heute kannst du das alles mal fünf nehmen... Ja?

00:30:21: ...und es wird ja kein komplettes Menü mehr serviert.

00:30:24: Es sind ja nur noch Häppchen.

00:30:26: Und das macht die ganze Sache unübersichtlich und hektisch.

00:30:30: Der Satz davor wird weggeschnitten, der Satz danach wird weggeschnitten.

00:30:34: Deswegen gibt es auch die Regeln.

00:30:35: jeder Satz muss für sich selber stehen.

00:30:38: also bloß keine Erklärsätze.

00:30:40: aber manchmal muss man die Dinge erklären um sie verständlich zu machen.

00:30:45: Ja Sie haben einmal sinngemäß gesagt lieber Herr Bossbach dass Vertrauen das vertrauen das wichtigste Kapital eines Politikers ist.

00:30:53: wie verdient man sich denn dieses Vertrauen als Politiker?

00:30:57: Also im Wahlkreis?

00:30:58: durch Bürgernähe, durch Bodenständigkeit, durch Verlässlichkeit.

00:31:02: Durch die Einschwachen Tugenden des Lebens.

00:31:04: Ansonsten durch die Beeinstimmung von Wort und Tat.

00:31:07: Ich habe in über fünfzig Jahren Politik viele Erfahrungen gesammelt Übrigens überwiegend positiv auf einige hätte ich auch gut verzichten können aber überwiegen positiv.

00:31:18: Und zu den positiven Erfahrungen gehört auch Die Leute schätzen eine klare Meinung Auch wenn sie nicht alles unterschreiben Auch wenn sie vielleicht nicht jedes Argument teilen, aber sie lieben Klarheit.

00:31:31: Kann denn ein Politiker jeder Meinung nach verlorenes Vertrauen überhaupt zurückgewinnen?

00:31:36: Und da ist der Zug schon abgefahren?

00:31:39: Doch das kann man!

00:31:40: Aber du kannst in fünf Minuten Vertrauen verlieren und dann brauchst du Tage oder Wochen um verloren gehangenes Vertrauen wieder zurück zu gewinnen manchmal sogar Jahre.

00:31:49: deswegen Wenn das Vertrauen verloren hat, dann wird es schwer.

00:31:54: Sie haben ja jahrzehntelang mit den prägenden Persönlichkeiten der Bundesrepublik zusammengearbeitet.

00:31:59: Sie haben den Machtwechsel erlebt von Helmut Kohl zu Angela Merkel, aber auch die tiefgreifenden Veränderungen innerhalb der CDU und sie haben Wolfgang Schäuble erlebt Friedrich Merz aus Nexternier.

00:32:12: was unterscheidet denn für sie einen großen Politiker von einem erfolgreichen Politiker?

00:32:19: Das eine schließt das andere ja nicht aus!

00:32:22: Also warum soll man nicht... so einander großer Politiker sein und gleichzeitig auch erfolgreich.

00:32:26: Das ist kein Gegensatz, aber in den entscheidenden Momenten das Richtige zu tun, notfalls auch das Unpopuläre wenn es notwendig ist – das macht einen guten Politiker aus!

00:32:41: Es gibt ja diesen Satz, große Politiker denken in Generationen.

00:32:44: Erfolgreiche Politiker oft nur bis zur nächsten Wahl.

00:32:47: aber das kann man auch aus einer anderen Perspektive sehen.

00:32:49: Wenn man nämlich Reform angeht wie es vielleicht auch Gerhard Schröder damals gemacht hat dann kann man gar nicht so lange denken denn solange ist man dann gar nicht im Job.

00:32:57: Man wird dann irgendwann abgewählt weil es eben nicht so bequem für die Bevölkerung ist.

00:33:01: was ist denn jetzt besser?

00:33:02: Also am besten ist es und dadurch zeichnen sich ich nenne dass jetzt mal gute Politiker und gute Politik aus dass man Entscheidungen trifft, die dem Wohl des Landes tatsächlich dienen.

00:33:14: Auch wenn die positiven Ergebnisse nicht unbedingt sichtbar werden – also sofort sichtbaer werden!

00:33:22: Nehmen Sie mal das Beispiel Gerhard Schröder.

00:33:24: Wir sprich Kanzlerin Angela Merkel und die Union haben am Ende beim Regierungswechsel von diesen Reformen waren hier insgesamt vier Pakete.

00:33:36: Vier Hartz-Pakete, zwei sind von der Union mitgetragen worden die beiden anderen nicht.

00:33:41: aber wir waren damals in einer ausgesprochen ökonomisch und arbeitsmarktpolitisch schwierigen Lage.

00:33:48: das hat uns geholfen.

00:33:49: als Angela Merkel angetreten ist hatten wie über fünf Millionen Arbeitslose.

00:33:52: wer weiß dass heute noch hätte hätte Rotgrün die Nerven behalten und hätte es nicht vorgezogenen Neuwahlen in Nordrhein-Westfalen gegeben, ausgerufen von Franz Müntefering.

00:34:05: Sondern den regulären Wahltermin wie im Herbst, ...

00:34:09: gut

00:34:09: möglich, dass Gerhard Schröder noch einmal gewonnen hätte.

00:34:13: Sie erinnern sich, wenn sie Fußballafin sind?

00:34:16: Damals hatten wir das Sommermärchen, Fußballgöltenmeisterschaft in Deutschland.

00:34:20: Und wir hatten im Herbz, ... einen gesellschaftspolitischen völlig andere Stimmung als ... an der Berge zuvor.

00:34:30: Ja, das ist allerdings richtig, ja, das stimmt!

00:34:32: Also Sie haben hier so viele politische Kolleginnen und Kollegen auch begleiten dürfen oder die durften sie natürlich auch begleichen?

00:34:39: Gab es denn da jemanden, der Ihnen menschlich besonders in Erinnerung geblieben ist?

00:34:46: Besonders in Erinnungen gebliebene ist mir Otto Graf Lambsdorf.

00:34:49: Ich will das jetzt nicht zu weit schildern aber wir hatten damals ja zwei Jahre lang Verhandlungen geführt über die Entschädigung für NS-Zwangsarbeit Und nach der ersten Runde gab es einen neuen Verhandlungsführer.

00:35:01: Das war dann Otto Graf Lambsdorf von der FDP, ehemals Wirtschaftsminister und er hatte ja doch ein episches körperliches Handicap.

00:35:11: Nun muss man wissen... Wir haben immer abwechselnd verhandelt in Washington, in Berlin.

00:35:17: Einmal auch in Warschau also einmal im Monat ging es immer hin und her.

00:35:20: dann haben sie die Zeitunterschied Dann haben Sie den klimatischen Unterschied er war ja nicht mehr der Jüngste.

00:35:26: Also wie er das alles weggesteckt hat Und wie großartig er diese Verhandlungen geführt hat mit welcher juristischem auch historischen Kenntnis.

00:35:36: Also ich bin richtig Fan von Otto Graf Lambsdorf geworden und das verdanken wir ihm in erster Linie, dass diese Verhandlungen zu einem guten Abschuss gebracht wurden.

00:35:45: Ja aber da sind wir wieder beim Thema Haltung.

00:35:48: denn lieber Herr Bossbach Sie haben einmal gesagt Ich möchte morgens noch in den Spiegel schauen können Gab es denn Entscheidungen bei denen sie wussten wenn ich jetzt meinem gewissen Folge wird mich das politisch etwas kosten?

00:36:00: Ja natürlich, aber da schläfste auch schlecht.

00:36:03: Aber ich hätte viel schlechter geschlafen wenn ich gegen meine Überzeugung gehandelt hätte.

00:36:07: also jetzt darf man es auch nicht übertreiben längst nicht.

00:36:11: jede Entscheidung ist auch eine Gewissensentscheidung.

00:36:14: Also

00:36:15: zum Doppelbesteuerungsabkommen mit dem Kongo wäre ich nie auf die Idee gekommen zu sagen oh das war jetzt für mich eine Gewissenesentschaltung.

00:36:22: da stimme ich nicht mit.

00:36:24: Aber immer wenn die Fraktion oder Fraktionsspitze von mir verlangt hat, das Gegenteil von dem zu tun.

00:36:30: Was wir kurze Zeit vorher noch versprochen haben, Rohrenheit, da bin ich immer wockig

00:36:35: geworden.".

00:36:36: Ja, das ist ja auch gut so!

00:36:37: Sie sind ja auch immer direkt gewählt worden glaube ich?

00:36:41: Wahnsinn, das muss man erst mal schaffen und sie gehörten ja auch zu denen die Mehrfacheben gegen die Empfehlung der eigenen Fraktionsführung stimmte.

00:36:48: Und ich glaube solche Gewissensentscheidungen, die Sie schon erwähnt haben, sind im Bundestag ja schon selten weil Sie oft auch persönliche und vielleicht auch so ein bisschen politische Konsequenzen haben für denjenigen?

00:36:58: Also wir wollen es dann übertreiben!

00:37:00: Ich gelte ja so ein bissel als Quertreiber und habe immer geschrieben – Der Quellgeist, der Kanzlerin hat in zweiundzwanzig Jahren Sechs mal nicht mit der Fraktion gestimmt.

00:37:10: Also im Schnitt alle sechs Jahre oder alle vier Jahre, also so schnell ist es nicht.

00:37:15: Aber Sie gehörten zu den Politikern die zum Beispiel zwei tausend fünfzehn den Euro-Höfen für Griechenland und später auch der Flüchtlingspolitik von der lieben Frau Bundeskanzlerin Merkel öffentlich widersprachen?

00:37:26: Ja das war allerdings ein bisschen früher Euro-Krise in Wahrheit eine Krise der südlichen Euroländer war zwei Tausend zehn, zweitausend elf Und das war ein Paradigmenwechsel.

00:37:38: Wir haben immer gesagt, Währungsunion ja, Haftungs- und Schuldenunion nein!

00:37:43: Das sollte sich jetzt ändern, habe ich gesagt Leute kann ich nicht mitmachen.

00:37:48: Dem ersten Hilfspaket hatte ich ja zugestimmt im Gegensatz zu anderen Kollegen.

00:37:53: dem Ersten hatte ich zugestimmt hab dann aber in der Fraktion gesagt bevor dass hier Schule macht.

00:37:59: einem zweiten einen dritten einem dauerhaften werde ich nicht zustimmen Und da haben alle mir signalisiert, alles gut.

00:38:06: Das war es jetzt!

00:38:07: Wenn wir jetzt einmal ein Paket schnüren dann wird's ja keine weiteren mehr geben habe ich gesagt Gut, dann mache ich das.

00:38:13: Dann kamen paar Wochen später die weiteren Milliarden und hab' ich halt so.

00:38:17: und jetzt bleibt bei dem was ich gesagt habe.

00:38:19: Ich sage jetzt auch nein.

00:38:22: Wo verläuft denn für Sie die Grenze zwischen einem guten Kompromiss und dem Verrat?

00:38:26: vielleicht auch an den eigenen Überzeugungen?

00:38:29: Der Kompromiss selber ist gar nicht negativ.

00:38:31: Wenn wir uns jetzt mal ehrlich machen, es schwingt immer bei dem Wort Kompromis, schwingte immer so ein bisschen Faulen mit.

00:38:40: Aber es mag faule Kompromisse geben – ich könnte Ihnen auch Beispiele nennen aber die meisten sind durchaus vernünftig.

00:38:47: Entscheid also Routerkompromiss ist aus meiner Sicht immer wenn man das Ziel zwar nicht erreichen kann deswegen KompromISS, ein Stückchen näher gekommen ist.

00:38:57: Rechter Kompromiss ist, wenn man das Gegenteil von dem tut oder tun muss angeblich was man eigentlich gar nicht möchte.

00:39:05: Gab es zu dieser Zeit also da viele in Berlin unterwegs waren auch Momente in denen sie sich einsam gefühlt haben?

00:39:11: Ich frage dass weil man das auch das ja immer wieder hört politische Isolation gehört schon auch zu den Belastungen öffentlicher Ämter.

00:39:19: Also das Gefühl der Einsamkeit hatte ich eigentlich nie.

00:39:24: Weil ist nicht jeder mit jedem befreundet, aber es kann auch und über Parteigrenzen hinweg Freundschaften, die den Namen verdienen.

00:39:31: Und ein Freund hält zu dir – auch wenn er jetzt nicht jede Meinung teilt!

00:39:35: Also ein ganz süßes Beispiel über den ersten Mai war ich zusammen mit Stefan Meyer CSU-MDB Bokard Lischka ehemaliger SPD Innenpolitischer Sprecher und meiner Wenigkeit in Griechenland unterwegs haben wir in den Mai hinein gefeiert.

00:39:50: Da kam jemand zu mir und sagte ganz konspirativ, aber sie wissen schon dass der in der SPD ist.

00:39:56: Das ist ein Problem im Ausschuss!

00:39:59: Wo ist jetzt das Problem?

00:40:01: Oh herrlich!

00:40:01: Viele Leute offensichtlich glauben die sind in verschiedenen Parteien permanent krachhaben nehmen muss man nicht.

00:40:08: Ja ich glaube bei Ihnen wäre es auch fast egal gewesen in welcher Partei Sie sind.

00:40:12: dann hätte sich glaube ich immer gewählt.

00:40:15: Also das macht ja glaube ich einen sehr guten Politiker aus wenn Die Nennung der Partei gar nicht mehr braucht, sondern die Person ja auch wählt.

00:40:23: Ja ich hatte hier auch immer bei zehn, elf, zwölf Prozent mehr Erststimmen als Zweitstimmen.

00:40:29: Das heißt viele haben die Person Bosbach gewählt aber leider nicht gleichzeitig auch meine Partei und für mich war es immer wichtig niemand sollte sagen er hat uns enttäuscht Oder er hat uns betrokten.

00:40:43: Das war mir immer wichtig, dass ich zu Hause sagen kann über Einstimmung von Wort und Tat.

00:40:48: Ich täusche niemanden und ich möchte auch niemand enttäuschen.

00:40:52: Ja das haben wir auch nicht...

00:40:54: Das waren wir wichtiger als von Angela Merkel.

00:40:58: Sie waren ja deswegen auch viele Jahre Vorsitzender des Innenausschusses.

00:41:01: Das ist ein sehr begehrtes Amt im Deutschen Bundestag.

00:41:05: Terrorismus, organisierte Kriminalität, innere Sicherheit.

00:41:08: Das sind Themen mit denen sich die meisten Menschen gar nicht beschäftigen möchten.

00:41:13: Verändert das den Blick auch auf die Welt?

00:41:17: Das verändert dem Blick auf die World, aber es relativiert sich auch viel wenn man weiß bei anderen Problemen.

00:41:24: Siehe jetzt der jüngste Anschlag CSD in Berlin.

00:41:28: Trotz allem gehört Deutschland zu den sichersten Ländern der Welt und ich habe wirklich Schätzen gelernt, der enorme Ermittlungsaufwand der von den Behörden getrieben wird.

00:41:41: Das gilt übrigens nicht nur für die terroristische Bedrohung, hier ist ja der Täter durch einen Schusswechsel ums Leben gekommen.

00:41:47: Jetzt geht's um Fragen wie war er alleine?

00:41:50: Gab es Anstifter?

00:41:51: Gabes Gehilfen?

00:41:52: Wo ist die Marrethe abgeblieben mit der auf Leute losgegangen sein soll?

00:41:58: gibt es möglicherweise Einflussnahme durch fremde Mächte?

00:42:02: gibt es vielleicht DNA-Spur und Fingerabdrücke in den Kraftfahrzeug, das als Tatmittel genutzt wurde.

00:42:09: Und v.a.

00:42:11: denken Sie mal an den Komplex NSU.

00:42:14: Wenn auch heute noch wenn jemand Vorwürfe gemacht die Polizei hätte nicht alles getan um die Sachverhalte aufzuklären.

00:42:21: also ich habe da ganz anderen Eindruck gewonnen.

00:42:24: Jetzt haben sie ja die jüngsten Gewalttaten in Deutschland schon erwähnt.

00:42:27: Da wird immer wieder intensiv natürlich danach über Sicherheit, über Migrationen und gesellschaftlichen Zusammenhalt diskutiert.

00:42:33: Ich habe oft den Eindruck dass da auch Begriffe durcheinander geraten.

00:42:36: also manches setzen dann konservativ mit rechts gleich andere werfen extremisten islamisten muslime einen top.

00:42:44: Wie gefährlich ist es denn für eine demokratie wenn wir diese unterschiede irgendwann auch nicht mehr sauber benennen?

00:42:49: Das das ist gefährlich.

00:42:51: Denn ich nehme jetzt mal Ihr erstes Begriffspaar.

00:42:56: Konservativ, was hat das mit Recht zu tun?

00:42:58: Konservativ finde ich.

00:42:59: es ist ein schöner Brief des Heiligen Apostels Paulus an den Thessalonischen prüft alles und entscheidet euch für das Beste!

00:43:07: Also nicht weil etwas neu ist muss es unbedingt dem traditionellen Überlegen sein sondern es musste sich als besser erstmal erweisen und also klassisch rechts, jetzt mal im Begriff historisch hergeleitet.

00:43:23: Ich bin konservativ, ich bin kein Reaktionär!

00:43:25: Ich bin Patriot aber ich bin keine Nationalist.

00:43:28: Also da trennen die Konservativen doch viele von Rechtsradikalen oder Rechtsextremisten.

00:43:35: Aber ich habe völlig recht, da wird heute heillos durcheinander geworfen.

00:43:39: Das geht ja schon damit los, wenn Sie jetzt in Griechenland sind oder in Spanien und in anderen Ländern.

00:43:43: Dort läuft man durch Straßen, da hängen vielleicht auch spanische Flaggen

00:43:47: usw.,

00:43:47: Wenn sie durch Deutschland fahren laufen und da hängt irgendwo eine Deutschlandflacke... Man hat das Gefühl mein Gott!

00:43:53: Man muss sich schon dafür rechtfertigen.

00:43:54: Man könnte ja schon irgendwie rechtsradikal sein oder so eingeschätzt werden.

00:43:58: Haben wir da vielleicht auch ein bisschen diesen Nationalstolz verloren ohne uns an eine gewisse Ecke drängen zu lassen?

00:44:04: Ja, jedenfalls in weiten Teilen des Landes hier im ländlich-sittischen Bereich vielleicht nicht.

00:44:08: Aber Antifa in Berlin sieht das völlig anders.

00:44:12: Das haben wir ja auch wieder während der WM erlebt.

00:44:14: also vor allen Dingen... Ich kann mich nicht daran erinnern dass es jemals so viele Deutschlandflaggen gab wie bei der Fußballweltmeisterschaft im eigenen Land und Ich finde, das gehört zum Sport mit dazu.

00:44:28: Du stehst begeistert hinter der eigenen Mannschaft aber du hast auch Respekt vor der Leistung des sportlichen Kontrahenten und wir waren super Gastgeber!

00:44:39: Also wir hätten ja die Italiener im Hartfinale auch schlagen können.

00:44:42: Wir haben sie gewinnen lassen.

00:44:43: Wir hatten die WM im eigenen Land.

00:44:45: Wir wollten nicht unbedingt einer Weltmeister werden.

00:44:47: also wir haben uns richtig gut benommen.

00:44:50: Ja und lieber Herr Bosbach, wir haben uns damals gut genommen.

00:44:53: Das wird vielleicht auch in Zukunft irgendwann der Fall wieder sein wenn mal wieder Gastgeber sind einer Weltmeisterschaft oder Europameisterschaft.

00:45:00: aber was mich auch noch interessiert so zum Ende unserer heutigen Folge Sie wirken ja bis heute erstaunlich humorvoll.

00:45:07: Glauben sie das Humor für sich auch so ein Schutzschild wurde?

00:45:10: Oder auch eine Lebenseinstellung denn es gab bei Ihnen auch mal Zeiten da ging's ihnen vielleicht nicht ganz so gut.

00:45:16: Eindeutig ja ohne Humor hältest du in der Politik gar nicht aus.

00:45:20: Nun darf man nicht Humor mit Albarnheit verwechseln.

00:45:24: Also von der ganzen Lebenseinstellung her bin ich der totale Rheinländer, aber von der Arbeitsauffassung her bin Ich der hundertzehnprozentige Preuse.

00:45:33: Aber glauben Sie mir vieles Kannst du nur mit Humor oder mit Augenzwinkern ertragen?

00:45:39: Und das darf ich auch sagen sie sind ja Großvater.

00:45:43: Hat denn auch diese Rolle ihren Blick auf die Welt so ein bisschen verändert?

00:45:47: also sie glauben Ja gar nicht.

00:45:48: wie gelassen sie werden Als Großeltern.

00:45:53: Von der Mama habe ich gelernt von meiner Mutter, Eltern erzielen Großeldern vor Würden und ich kann nur sagen dieses Prinzip setzen meine Frau und ich aber bis ins kleinste Detail durch.

00:46:05: also wir freuen uns immer wenn die beiden Jungs kommen und das sind richtig wilde und es ist auch schön wenn man dann so nach drei vier Stunden anrufen kann Victoria also kannst die Jungs auch jetzt wieder abholen.

00:46:19: Sind sie denn eher so ein Strenger oder so nachsichtiger Großvater?

00:46:22: Ich glaube, meine Frau ist da strenger als ich.

00:46:24: Ich lasse dann hier auch so gut wie alles durchgehen und ich weiß ja noch, als meine Eltern noch gelebt haben, meine Töchter durften bei uns zu Hause im Garten alles was wir als Kinder nicht durften.

00:46:38: also da wurde kürzlich, willste nie übertreiben aber wirklich der Rasen mit der Nagelschere gepflegt die Blumen... Das reicht meiner Mutter.

00:46:49: Wenn da nur ein Ball geflogen ist, dann gab es aber schon eine klare Ansprache nach der Motto warum hier, warum nicht auf der Straße?

00:46:57: Als meine Töchter später, als sie noch kleiner war und mit großer Freude die Bälle aus den Blumen geholt haben wir das alles kein Problem.

00:47:07: Ist Gelassenheit vielleicht auch der größte Luxus des Elternwerdens?

00:47:12: Ja!

00:47:12: Man hat so, wenn nicht sein alles aber doch vieles im Leben erlebt.

00:47:16: Bei mir kam da noch die Erkrankung dazu und dann habe ich auch heute noch gedacht mein Gott deine Sorgen möchte ich haben.

00:47:23: früher hätte ich mich vielleicht darüber aufgeregt heute nicht mehr.

00:47:27: Also ich sage zu ihm wie es ist lieber Herr Bossbach Ich bin sehr froh dass sie noch da sind Und das wir sie hoffentlich noch sehr sehr lange an unserer Seite haben.

00:47:34: Das hab ich ihn glaube ich auch schon zwei tausend vierzehn gesagt dass wir uns das erste mal begegnet sind.

00:47:38: Es wird aber irgendwann Geschichtsbücher geben, vielleicht auch die über politische Entscheidungen schreiben.

00:47:44: und woran sollen sich denn ihre Enkel einmal erinnern wenn es in hundertfünfzig Jahren mal soweit ist?

00:47:50: Wenn sie an ihren Großvater denken.

00:47:54: Er war immer nett zu uns, er war freundlich.

00:47:56: wir haben noch das ein oder andere von ihm gelernt.

00:47:59: also ich brauche gerne Straße, ich brauch kein Denkball, ich braucht keine Plakette irgendwo.

00:48:04: Wenn die Leute sagen dass man guter reicht mir völlig.

00:48:08: Das ist ein schönes Schlusswort.

00:48:09: Also in diesem Sinne, liebe Herr Bossbach, wünsche ich Ihnen vor allem Gesundheit, dass Sie weiterhin so viel Präsenz zeigen und wenn es im Privaten ist, vieles Gutes tun für Bergisch Gladbach und alle die ihnen wichtig sind und das sie vor allem ehrlich und weiterhin so konsequent zu sich selbst sind.

00:48:25: und Ihnen wünsch' ich von Herzen alles, alles erdenklich gute für die Zukunft!

00:48:29: Und ich bedanke mich für das sehr, sehr nette Gespräch.

00:48:33: Das war Schüchtern bis Nöchtern, der Publicity-Podcast von André Puchter.

00:48:39: Alle Infos zu dieser Folge auf

00:48:41: www.schüchdernbisnüchern.de.

00:48:45: Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal!

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