Katrin Staffler | Bevollmächtigte der Bundesregierung für Pflege - Wann wird Fürsorge zur politischen Aufgabe?

Shownotes

Pflege betrifft uns alle. Heute schon – oder morgen. Über fünf Millionen pflegebedürftige Menschen leben in Deutschland, Hunderttausende Fachkräfte arbeiten am Limit, Angehörige stemmen einen Großteil der Versorgung. Wie kann ein System funktionieren, das längst an seine Grenzen gekommen ist? André Puchta spricht mit Katrin Staffler, Bevollmächtigte der Bundesregierung für die Pflege, über Demografie, Verantwortung und die Frage: Wie wollen wir in Deutschland alt werden – und wer kümmert sich dann um uns? Ein Talk über eines der sensibelsten Themen unserer Zeit – zwischen Finanzierungslücken, Fachkräftemangel und dem Wunsch nach würdevoller Versorgung.

Im Podcast „Schüchtern bis nüchtern“ begrüßt André Puchta spannende Charaktere mit außergewöhnlichen Berufen, Lebensentwürfen oder Leidenschaften. Eine Bühne für Biografien, die man nicht erfinden könnte. Hier trifft Kuhfriseur auf Detektiv, Domina auf Pfarrerin, Dildo-Designerin auf Tatortreinigerin, Human Puppy auf Ordensfrau und Hebamme auf Tantra-Trainer. Ein Podcast über das Ungewöhnliche – und das, was uns verbindet.

Transkript anzeigen

00:00:04: Herzlich willkommen bei Schüchtern bis Nüchdern.

00:00:08: Dem Publicity-Podcast mit André Puchter und chilligen

00:00:13: Gästen, fast live

00:00:15: aus Berlin!

00:00:23: Pflege betrifft uns alle früher oder später – und trotzdem sprechen wir oft erst darüber wenn wir selbst betroffen sind.

00:00:30: Mein heutiger Gast beschäftigt sich jeden Tag mit genau diesem Thema Mit Menschen, die Unterstützung brauchen.

00:00:37: Mit Angehörigen, die an ihre Grenzen kommen und mit Pflegekräften, die unser Gesundheitssystem tragen.

00:00:43: Kathrin Staffler ist Bevollmächtigter der Bundesregierung für Pflege Die Biochemikerin und Bundestagsabgeordnete setzt sich für die Zukunft der Pflege ein in einer Zeit, in der die Herausforderungen größer werden mehr pflegebedürftige Menschen Fachkräftemangel steigende Kosten und die Frage wie wir als Gesellschaft würde voll miteinander umgehen wollen.

00:01:05: Heute sprechen wir in der einhundertsten Podcast-Folge von Schüchtern bis Nüchdern über Pflege zwischen politischer Verantwortung und menschlicher Realität, über die Zukunft unseres Gesundheitssystems.

00:01:16: Und darüber warum dieses Thema weit mehr mit uns selbst zu tun hat als viele Glauben.

00:01:21: Herzlich willkommen, Kathrin Staffler!

00:01:24: Schönen guten Tag!

00:01:25: Ich freue mich dass ich da sein darf.

00:01:27: Ja liebe Frau Staffler sie sind mein Jubiläumsgast und das ist ja auch ein wichtiges Thema.

00:01:30: daher habe ich mir die einhundärzte Folge für Sie aufgehoben.

00:01:36: Das freut mich, dass Sie bei mir zu Gast sind.

00:01:38: Sie geben ja viele Interviews aber sie sind nicht ganz so oft in Podcast glaube ich.

00:01:41: deswegen ist es umso schöner das immer bei mir vorbeischauen und liebe Frau Staffler wenn Politiker und Pflegekräfte einmal für eine Woche die Rolle tauschen würden was glauben Sie?

00:01:52: Was würde da passieren?

00:01:58: Ich glaube, solche Dinge führen ja immer vor allem zu einem nämlich zum mehr gegenseitigen Verständnis.

00:02:04: Und ich glaube das ist es genau was wir eigentlich auch bräuchten in der Pflege auf der einen Seite des Verständnisses dafür dass wir in der Politik natürlich auch von gewissen Herausforderungen stehen und gewisse Dingen einfach auch folgen müssen und auf der anderen Seite glaube einen echten, tiefen Einblick zu bekommen als Politiker.

00:02:30: Pflege eigentlich bedeutet, was für einen auf der einen Seite wirklich herausfordernder Beruf das ist und gleichzeitig aber auch ein wunderschöner Beruf, der aber mit vielen fachlichen Themen besetzt sind.

00:02:45: Wo es wirklich darum geht hochqualitativ die Arbeit zu machen.

00:02:49: Ich glaube, dass würde sehr viel dazu beitragen, dass im gegenseitigen Verständnis dann auch die Diskussionen vielleicht in der Zukunft besser laufen würden.

00:02:59: Zumindest wäre das mein Wunsch!

00:03:02: Ja, über ihre Wünsche sprechen wir auch gleich noch.

00:03:04: Ich habe mir bei der Vorbereitung der heutigen Folge meist um mögliche Antworten parat gelegt.

00:03:08: Da gibt es diese diplomatische Antwort, dass wahrscheinlich viele Politiker nach einer Woche Pflege deutlich weniger über Bürokratie sprechen würden und deutlich mehr darüber wie man Zeit für Menschen schafft.

00:03:19: da gibt es die humorvolle Antwort.

00:03:21: Nach drei Tagen würden die Politiker fragen wo die Pause bleibt.

00:03:25: Und es gibt die ehrliche Antwort, dass die Politiker vermutlich schon sehr schnell ziemlich erschöpft wären.

00:03:33: Ja.

00:03:33: Passt da irgendeine Antwort zu ihrem Gefühl oder zu ihrer Erfahrung?

00:03:38: Ich glaube, die haben alle drei was, was sehr warm ist.

00:03:41: also ich glaube das, dass Die Pflege ein sehr herausfordernder Job ist der wirklich auch auf eine ganz andere Weise nochmal noch mal auch Ressourcen braucht.

00:03:53: Also es ist ja fast schon eine Binsenweisheit.

00:03:57: Ich glaube, das mal live zu erleben – jetzt ist der Politikerjob ja hauptsächlich davon geprägt irgendwo ... Ich sage es jetzt mal platt rumzusitzen und zu diskutieren.

00:04:09: In der Pflege sitzt man in der Regel sehr, sehr wenig und ist sehr viel mehr wirklich den ganzen Tag auf dem Beinen und auch mit schweren körperlichen Arbeit und Themen beschäftigt.

00:04:22: Also das hat durchaus einen Punkt.

00:04:26: Auf der anderen Seite glaube ich... Es hat alles seinen Punkt, das ist alles richtig.

00:04:33: Am Ende des Tages ist es eine Mischung aus all dem.

00:04:37: Ich glaube vermutlich würden beide Seiten sehr schnell feststellen dass sie eigentlich dasselbe wollen nämlich Menschen helfen.

00:04:43: nur die Werkzeuge dafür sind eben auch unterschiedlich.

00:04:47: Genau so ist es und da wo das Menschen helfen bei uns in der Politik häufig sehr theoretisch ist, ist es halt in der Pflege sehr praktisch Und da wird dann oftmals sehr präsent, wie schwierig es einfach in der Umsetzung häufig ist.

00:05:05: Ja, wir sprechen ja heute über eines der größten gesellschaftlichen Themen der kommenden Jahrzehnte darf man durchaus sagen und gleichzeitig auch über das viele Menschen erst sprechen wenn sie selbst betroffen sind.

00:05:17: Wann hatten Sie denn selbst das letzte Mal das Gefühl jetzt müsste eigentlich jeder politische Entscheidungsträger in Deutschland mal einen Frühdienst auf einer Station mitmachen?

00:05:28: Das Gefühl habe ich eigentlich fast täglich, wenn man so die eine oder andere Wortmeldung in der aktuellen Debatte hört.

00:05:36: Also man wundert sich manchmal schon so ein bisschen, wenn man die Debatte verfolgt und dann die Vorschläge, die da auch in die politische Debatte eingebracht werden.

00:05:50: Aber darüber hinaus ist es halt eben schon auch so, dass Pflege nicht nur die professionelle Pflege ist.

00:05:58: Die allermeisten Pflegebedürftigen in Deutschland eben nicht in einer Einrichtung gepflegt, sondern zu Hause von den Angehörigen.

00:06:09: Und das ist ja das, was Pflege am Ende ausmacht.

00:06:13: Das ist halt nicht die Pflege, sondern es ist extrem vielfältig und deswegen muss man das alles irgendwie auch im Blick haben und alles irgendwie auf der politischen Debatte abbilden.

00:06:22: Es macht's nicht einfacher an Ende.

00:06:26: Ja, was ist schon einfach in der Politik noch?

00:06:28: Also das ist ein wichtiges Thema und in Deutschland leben aktuell rund fünf Komma sieben Millionen pflegebedürftige Menschen.

00:06:34: Sie dürfen mich da gerne korrigieren, falls ich falsch informiert bin.

00:06:38: Die Tendenz ist ja auch stark steigend.

00:06:41: Und sie haben das auch schon erwähnt.

00:06:42: Starksteigend!

00:06:43: Ja, und sie haben es auch schon erwehnt dass der Großteil der Pflege eben nicht in einer Einrichtung stattfindet sondern zu Hause.

00:06:51: die Bürtig aus Dachau in Oberbayern.

00:06:53: Das ist eine Region, in der ja die Traditionen und Familien der Zusammenhalt oft eine besonders große Rolle spielen auf dem Land.

00:07:00: Da erleben Menschen Pflege häufig noch sehr unmittelbar wenn die Großmutter vielleicht im Nachbarhaus nebenan wohnt oder die Nachbarn sich gegenseitig auch mal helfen – man kennt vor allem die Nachbars auch!

00:07:10: Und man kennt die Menschen im Pflegeheim oft persönlich.

00:07:13: In Großstädten wie Berlin oder dieser Berliner Politik da wirken diese Themen manchmal für viele abstrakter.

00:07:20: Glauben Sie, dass solche ländlichen Strukturen den Blick auf die Pflege-, Verantwortung- und Fürsorge anders prägen als das Leben in einer Metropole?

00:07:31: Ich glaube schon, dass es unterschiedliche Blickwinkel produziert.

00:07:35: Weil natürlich das Leben auf dem Land, da bin ich aufgewachsen, da lebe ich auch heute noch wenn ich nicht im Berlin bin.

00:07:44: Wenn ich bei uns im Dorf unterwegs bin und spazieren gehe beispielsweise... viel zu oft fehlt mir die Zeit, aber wenn ich es einmal tue dann hat man schon natürlich sehr genau auch im Blick.

00:07:55: Man kennt die Leute, die um einen rum wohnen und man weiß da ist jetzt gerade jemand zum Beispiel ins Krankenhaus gekommen dem geht's nicht gut, da ist grad eine Pflegekraft irgendwie auch mit eingezogen oder so.

00:08:07: also man ist sehr viel näher dran und das ist sehr viele präsenter und weniger abstrakt.

00:08:14: nichtsdestotrotz haben beide Regionen egal ob ländlich oder städtisch geprägt Ihre eigenen Herausforderungen, wenn es um die Frage nach Pflege geht.

00:08:23: Also in den Großstädten zum Beispiel ist es dann.

00:08:25: häufig sind eher so Themen wie das manche Hochhäuser beispielsweise gar nicht mehr angefahren werden von ambulanten Pflegediensten weil die da einfach keinen Parkplatz finden können und mehr auf der Parkplatzsuche unterwegs wären oder länger als dass sie tatsächlich die Arbeit am Pflegebedürftigen machen können.

00:08:40: Das sind alles Schwierigkeiten, Herausforderungen aber es hat auch alles die Lebensrealität, die wir in den politischen Entscheidungen abbilden müssen.

00:08:49: Ja, in einem Dorf weiß oft jeder wer gerade Pflege braucht.

00:08:51: Wer sich um die Eltern kümmert wo die Nachbarn einspringen müssen, wer mit wem was hat.

00:08:55: das ist eben so ein Vorteil und Nachteil einer kleinen Ortschaft oder einer kleinen Stadt.

00:09:01: aber in Berlin begegnet man pflege häufig eher als politisches Thema und weniger als persönlicher Alltagserfahrung.

00:09:08: ja absolut Und am Dorf ist es ja auch noch viel verbreiteter, dass man – also kenne ich tatsächlich bei mir aus der Nachbarschaft eine ältere alleinstehende Dame die selber nicht Auto fährt.

00:09:22: Da wenn man einkaufen geht dann fragt man halt mal vor, ob man was mitbringen soll.

00:09:27: Das sind glaube ich so Strukturen wie sie jetzt in städtisch geprägteren Regionen vielleicht eher selten ergibt.

00:09:35: Dafür gibt es da andere Strukturen, die geschaffen werden wo man versucht so was dann eben auch aufzubauen.

00:09:43: aber all das gehört halt irgendwie auch zum Leben dazu und alles muss man irgendwie in der politischen Debatte dann auch stattfinden.

00:09:54: Ja, liebe Frau Staffler zu ihrem Leben gehört ja auch der Besuch des Ignaz-Taschner Gymnasiums in Dachau.

00:09:58: Sie haben dann ja Abitur gemacht und ein Studium der Biochemie an der Technischen Universität in München abgeschlossen.

00:10:06: In der Wissenschaft sucht man ja oft nach eindeutigen Antworten.

00:10:09: Man sagt der Politik aber eher nach dass es da eher selten schwarz oder weiß gibt.

00:10:15: Das ist jetzt nicht ganz ernst gemacht,

00:10:16: ja.

00:10:17: Macht es den Naturwissenschaftlerinnen nicht einfacher?

00:10:22: Weil wir Naturwissenschaftern natürlich gerne so jahrenein Antworten haben.

00:10:29: Irgendwie lieber als diese Grauschartierungen im Denken.

00:10:35: aber das hilft ja nichts.

00:10:37: Ja deswegen wäre meine Frage auch gewesen ob dieser Wechsel für sie schwieriger als das Studium der Biochemieber in die Politik.

00:10:44: Da habe ich tatsächlich überhaupt noch gar nicht darüber nachgedacht.

00:10:47: Was ist schwierig?

00:10:47: Ich glaube, das ist alles zu seiner eigenen Herausforderung.

00:10:53: Also ... Das Biochemistudium war durchaus eine Herausforderung, die man nicht erklären sollte.

00:11:03: Der wechseln in die Politik.

00:11:04: Nein, ich glaube, dass es mir tatsächlich eher auch leicht gefallen, weil ich einfach auch dafür brenne... Dinge zu verbessern und für die Menschen da was vorwärtszubringen.

00:11:17: Aber am Ende des Tages hat alles seine Höhen und Tiefen.

00:11:23: Ja, ich frage das auch da die Wissenschaft.

00:11:25: Also wenn man in der Wissenschaft mal tätig war, das bedeutet ja oft analytisches Denken, dass das Arbeiten mit Fakten nicht mit Faken-Use also Fähigkeiten, die auch in der Politik

00:11:35: sind.

00:11:35: Das hilft aber in der Politik total und ich würde mir an vielen Stellen wünschen, dass wir dieses analytische und faktenbasierte Denken in der politik stärker machen als wir es heute tun.

00:11:48: weil am Ende des Tages ist es doch so Bei allen Debatten und Diskussionen, die wir führen ist eine gewisse Faktenbasiertheit schon hilfreich.

00:12:03: Wenn da weniger Gefühl und mehr Datenfakten eine Rolle spielen würden, dann wäre man an vielen Debatten einen großen Schritt weiter.

00:12:16: Ja, das stimmt.

00:12:17: Das ist richtig und wir waren ja sogar mal Berufskollegen.

00:12:19: sie war nämlich bis hier im Einzug in den neunzehnten Deutschen Bundestag auch als Pressesprecherin in München tätig.

00:12:25: also Sie kennen sich natürlich auch sehr gut mit Kommunikation aus und mit dem was ich in den letzten Jahren in diesem Bereich geändert hat gab es in Ihrem Leben einen Schlüsselmoment indem Sie gemerkt haben Ich möchte nicht nur zuschauen wie Entscheidungen getroffen werden politische Entscheidungen ich möchte selbst wirklich auch Verantwortung übernehmen und Dinge verändern.

00:12:42: Sie hätten ja auch in der Wissenschaft Karriere machen können.

00:12:46: Also Schluss.

00:12:46: im Moment würde ich nicht sagen, aber ich erinnere mich schon zurück an viele Diskussionen die wir bei uns zu Hause in der Familie am Küchentisch geführt haben wo wir zusammen gesessen sind.

00:12:59: Denn bei uns lief in der Küche immer der Radio Und wenn dann Nachrichten kamen und ich wieder angefangen habe, politische Entscheidungen zu kommentieren im Sinne von Arbeitsmachendienen da wieder.

00:13:10: Das ist doch völlig ein Quatsch.

00:13:11: Müsste man so und so?

00:13:12: Wäre doch viel besser und so.

00:13:13: Kann ich mich häufig daran erinnern dass es meine Mama war die zu mir immer gesagt hat Mai Wenn du meinst das das Besser weißt.

00:13:21: Man muss halt selber aktiv werden und selber in die Politik gehen.

00:13:26: Ich kann mich erinnerndes irgendwann so der Punkt weil wir gerade eigentlich als Recht Und das war dann so ein bisschen der Anfang, der Einstieg.

00:13:35: Dass ich tatsächlich auch selber aktiv geworden bin und ich bin da halt eigentlich sehr froh darum weil ich schon das Gefühl habe dass dieses nicht an der Seitenlinie sitzen und kommentieren sondern selber

00:13:49: aktiv

00:13:50: zu sein ist was mir besser liegt.

00:13:52: Ja das merkt man auch wenn Sie heute das Wort Pflige hören denken sie dazu erst an politische Reform oder eher an gesellschaftliche Verantwortung?

00:14:00: Oder vielleicht auch ganz konkret an die Menschen, die jeden Tag gepflegt werden und pflegen.

00:14:07: Also durch die Tatsache dass ich selber auch im engsten Familienkreis jemanden habe der der Pflegebedürftig ist es natürlich für mich auch nicht nur ein politisches Thema sondern das ist schon sehr sehr persönliches Thema Ein Thema, das nicht nur mich sondern meine ganze Familie natürlich auch ständig umtreibt und wo man sich natürlich auch im Privaten seine Gedanken macht.

00:14:31: Jetzt durch die Verantwortung in dem Job also als Pflegebevollmächtigte schaut man dann natürlich auch nochmal mit anderen Augen drauf und natürlich ist es für mich jetzt mittlerweile Ganz vorne auch ein politisches Thema.

00:14:49: Aber ich sehe schon, dass die politischen Rahmenbedingungen wir schaffen sind.

00:14:55: das eine am Ende des Tages ist aber Pflege Politik und die Entscheidungen, in denen wir treffen sehr viel mehr.

00:15:02: Weil es natürlich sehr eindeutig auch das Leben von Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen beeinflusst und damit auch einen sehr großen Einfluss auf die Familien usw.

00:15:19: vor Ort haben.

00:15:23: Man muss immer aufpassen, man darf Politik nicht zu sehr aus einer persönlichen Betroffenheit draus machen.

00:15:29: Weil natürlich die Erfahrungen wie ich, die wir in unserer Familie machen, nicht eins zu eins immer auf alle anderen, die es betrifft auch übersetzbar ist.

00:15:39: aber so ein bisschen den Blick drauf zu haben und zu wissen was es bedeutet auch in so einer Situation zu sein glaube ich schadet nicht wenn man tatsächlich dann an die politischen Entscheidungen dran geht

00:15:52: Definitiv nicht.

00:15:53: Also ich habe meinen Zivildiensten einer Pflegeeinrichtung absolvieren dürfen, da war ich achtzehn damals zehn Monate und da wurden schon Wetten abgeschlossen nach der ersten Stunde Wie lange ich es dort aushalte, so nach dem Motto der Junge André und ich habe das dann durchgezogen wie viele andere auch.

00:16:09: Und es war wirklich eine der schönsten wichtigsten Erkenntnisse in meinem Leben weil man dort Menschen ja noch mal ganz anders begegnen und kennenlernen durfte.

00:16:16: Ganz... Auch einen ganz anderen Umgang gefunden hat mit gegenüber die wirkliche Leben im wahrsten Sinne gelebt haben, die diese Erfahrung mit gebracht haben die dann irgendwann auch losgelassen haben.

00:16:26: Ich glaube die Pflege ist immer zuerst menschlich.

00:16:29: hinter einer politischen Debatte Stehen ja auch konkrete Schicksale, pflegebedürftige Angehörige und Pflegekräfte.

00:16:34: Sie haben das schon erwähnt.

00:16:36: Warum fällt uns denn die Pflege Ihrer Meinung nach gesellschaftlich so schwer?

00:16:40: Also warum sprechen wir so ungern über dieses Thema Pflege?

00:16:45: Weil es an sich ja auch kein wirklich schönes Thema ist.

00:16:48: Niemand will sich so richtig vorstellen.

00:16:51: was ist einmal im Falle des Falles also... Man ist krank, man wird älter.

00:16:58: Das Älterwerden ist sowieso so ein Thema das in unserer Gesellschaft mittlerweile ja am liebsten komplett weg diskutiert werden würde.

00:17:06: sondern wird man auch noch krank dann ist man nicht mehr selber in der Lage bestimmte Dinge zu tun und es sind alles keine schönen Themen und am Ende endet das ganze dann ja auch im Sterben.

00:17:24: Das ist ja auch was Sterbentod, das komplett tabuisiert es mittlerweile in unserer Gesellschaft.

00:17:30: Deswegen redet man am liebsten gar nicht drüber und ich finde, dass ist genau der falsche Ansatz weil eigentlich müssten wir sehr viel mehr gerade in den Familien über das Thema Pflege sprechen zu einem Zeitpunkt wo's noch nicht so weit ist, dass man möglicherweise dann die richtigen Weichen stellen kann.

00:17:47: Statt deswegen schweigt man das Thema Tod und stehen dann irgendwann vor der Situation im schlimmsten Falle.

00:17:54: Jetzt ist jemand pflegebedürftiger, aber weiß gar nicht wie soll man es denn jetzt machen?

00:17:58: Was haben wir denn für Möglichkeiten?

00:18:02: dann pflegebedürftige eigentlich, weil man nie darüber gesprochen hat.

00:18:06: Und das ist aus meiner Sicht eigentlich genau der falsche Ansatz.

00:18:11: Wir müssten das Thema viel mehr in die öffentliche Debatte holen und vielmehr auch drüber sprechen.

00:18:16: was bedeutet es denn pflegebedürftig zu sein?

00:18:19: Was für Möglichkeiten gibt's?

00:18:20: Was will jeder für sich individuelle Saune?

00:18:22: Total individuelle Entscheidung.

00:18:24: also wenn man zehn Leute auf der Straße fragt wie wirst du mal gepflegt werden?

00:18:27: Wenn du gepflegten werden musst, hat man zehn unterschiedliche Antworten Und das finde ich immer so schade, dass es nicht stattfindet.

00:18:36: Also deswegen gibt es auch so Podcast-Formate wie meines.

00:18:38: Schüchtern bis nüchdern, die Menschen, die zu mir kommen haben immer eine Bühne.

00:18:42: Ich hatte vor einigen Tagen ... Da kann ich Sie beruhigen was das heißt?

00:18:44: Wenn ich das

00:18:45: sage, dann darf ich

00:18:46: kurz unterbrechen.

00:18:48: Das möchte ich an der Stelle einfach machen.

00:18:49: Ich finde das total großartig wenn jemand dieses Thema aus dieser Ecke rausholt und man es aktiv zum Thema einer Debatte macht.

00:19:02: Ich glaube, je mehr wir drüber sprechen umso besser und umso mehr Menschen beschäftigen sich dann auch damit.

00:19:08: Und dann ist uns allen geholfen.

00:19:10: Sorry wenn ich da jetzt so insistiere.

00:19:13: Du wirst mir wichtig das zu sagen!

00:19:14: Ich finde es großartig.

00:19:16: Vielen Dank ja.

00:19:17: Das dürfen Sie natürlich jederzeit.

00:19:18: Dazu sind sie auch da dass sie mit mir in den Dialog gehen.

00:19:22: Liebe Frau Staffler, ich muss ganz kurz mal auf die gesetzliche Pflegeversicherung zu sprechen kommen denn Die schreibt ja für.

00:19:28: im Jahr ist erneut hohe Defizite.

00:19:31: Die Pflegekassen rechnen für dieses Jahr mit einem Minus von, ich glaube rund einer Milliarde Euro.

00:19:36: strukturell ist die Finanzierungslücke sogar deutlich größer und viele Experten sagen inzwischen auch dass wir nicht mehr über die Zukunft der Pflege diskutieren sondern über ihre Finanzierbarkeit.

00:19:46: das ist ja auch ein emotionales Thema.

00:19:48: ist die Pflegefersicherung in ihrer heutigen Form Ihrer Meinung nach überhaupt noch zukunftsfähig?

00:19:55: Also ich glaube die Aufgabe ist eher, dass wir sie zukunftsfähig machen.

00:19:59: Wenn wir jetzt so weitermachen würden wie es aktuell der Stand ist dann haben wir tatsächlich eine Finanzierungslücke die dermaßen groß ist das dass wir auf kürzeste Zeit das ganze nicht mehr stemmen können.

00:20:14: man muss sich das vorstellen.

00:20:15: also wir haben in der Pflegekasse ein jährliches Volumen von Leistungen die ausgezahlt werden in etwa in der Höhe von Und allein für die nächsten beiden Jahre, also siebenundzwanzig, achtundzwantzig haben wir ein prognostiziertes Defizit von zwanzig Milliarden.

00:20:34: Also allein diese zwei Zahlen zeigen ja schon dass das wir da in wirklich riesengroße strukturelle Probleme laufen und deswegen einfach dringend schnell die Pflegeversicherung wieder auch zu, die die Füße gestellt werden muss.

00:20:49: Dass das kein einfaches Unterfangen ist?

00:20:51: Ich glaube kann man sich allein schon vorstellen wenn man die Zahlen hört und gleichzeitig ist es aber enorm wichtig weil wir nicht so weitermachen können denn wir wollen ja nicht dass die Pflegekassen einfach pleite gehen.

00:21:03: dann kriegt nämlich niemand mehr eine Leistung und deswegen sind wir da auch so dran jetzt so schnell wie möglich diese Reformen umzusetzen.

00:21:14: Aber die Schwierigkeit ist halt auch immer dabei, die Pflegebedürftigen so im Blick zu haben dass sie eben nicht durch große Einbußen dann in schwerwiegende Probleme kommen.

00:21:30: Es klingt immer so ein bisschen wie die Quadratur des Kreises und an Wantenstellen kommt es mir genauso vor.

00:21:36: aber nichtsdestotrotz ist genau das was die Aufgabe jetzt ist und was wir halt jetzt einfach umsetzen müssen

00:21:43: Ich stelle mir das auch nicht einfach vor.

00:21:44: Sie sprechen ja jeden Tag mit vielen ganz unterschiedlichen Menschen und da wird natürlich auch immer viel kritisiert, wenn ihr gegenüber jetzt sagt zu ihnen Ja zwanzig Milliarden... Das ist zwar viel Geld aber es ist doch für alles irgendwie Geld da die Pflege da muss doch irgendwie möglich sein dass man auch dieses Defizit irgendwie auffüllen kann mit irgendeinem Geld was links und rechts eigentlich nicht herum liegt.

00:22:06: Was antworten sie denn jemanden der sagt Für Alles ist Geld dann nur nicht für die Pflege?

00:22:10: Also das hat in der Vergangenheit auch tatsächlich immer gestimmt und viele der strukturellen Probleme, die uns jetzt heute auf die Füße fallen sind ja nicht erst seit heute da sondern die waren noch in der vergangenheit immer schon da.

00:22:21: Und wir haben dann eben genau das gemacht mit Geld einfach versucht die Probleme zu kitten oder zuzupflastern.

00:22:33: Und jetzt sind wir halt leider mittlerweile in der Situation, dass das Geld hat einfach nicht mehr in der Form da ist.

00:22:38: Jetzt müssen wir an diese strukturellen Themen dran, an die man vielleicht vor einigen Jahren schon mal hätte drangehen müssen was aber leider einfach nicht passiert ist und deswegen ist glaube ich der Weg wieder einfach Geld in die Hand zu nehmen und die strukturen Probleme zuzukleistern – nicht der richtige Weg sondern wir müssen uns endlich einmal wirklich an diese Strukturelle Fragen dran machen.

00:23:00: Das ist ja am Ende des Tages auch nicht nur eine Finanzierungsfrage, sondern auch eine Frage wie wir sozusagen die Versorgung so gestalten dass wirklich sie bestmöglich dem Pflegebedürftigen und den pflegenden Angehörigen zugutekommen.

00:23:19: Es wäre zu kurz gesprungen wenn wir sozusagen nur die Finanzierungsfrage ansprechen.

00:23:24: Wir müssen darüber hinausgehen, wir müssen schauen wie wir es so gestalten und aufstellen können dass die Menschen bestmöglich versorgt werden bei allem.

00:23:31: Und das ist sozusagen jetzt der Versuch den wir gerade auch machen.

00:23:35: Ja da bin ich auch komplett bei Ihnen Es geht ja nicht nur ums Geld.

00:23:38: also wenn wir zum Beispiel mal auf die Pflegegrade eingeben Wer pflegebedürftig wird er hält nach einer Begutachtung einen Pflegegrad von eins bis fünf.

00:23:47: je höher der Pflege grad desto mehr Unterstützung gibt es von der Pflegefersicherung Und die Pflege kann dann, das haben wir schon erwähnt zu Hause erfolgen und durch einen Pflegedienst oder zum Beispiel in einem Pflegeheim.

00:23:59: Das System wurde ja vor ich glaube knapp zehn Jahren, zwei Tosen siebzehn umgestellt.

00:24:04: Liebe Frau Staffler was sagt denn ein Pflegegrad heute eigentlich wirklich über das Leben eines Menschen aus?

00:24:12: Also zunächst mal sollte der Pflege grad nicht der entscheidende Gradmesser darüber sein ob das Leben eine pflegebedürftige gut ist oder nicht sondern entscheiden das ja eigentlich.

00:24:25: Das ist genau das, was ich gerade versucht habe auch zu erklären wie die Versorgung ist und dass der Pflegegrad im Prinzip dann eine Einsortierung ist, welche Leistungen man auch in Anspruch nehmen kann, in welcher Höhe.

00:24:43: sozusagen das eine, aber wir müssen praktisch innerhalb dieser Pflege gerade dann schon auch aus meiner Sicht Strukturen schaffen.

00:24:51: Die individuell es ermöglichen dass jeder pflegebedürftige bzw die pflegenden angeheugen ein pflegesetting schaffen, das eben bestmögliches Leben auch ermöglichen.

00:25:05: Und heute haben wir diese Strukturen in der Form nicht!

00:25:08: Deswegen... Also der Pflegegrad ist in meiner Sicht das eine, das andere und heute ist es aber genauso.

00:25:15: Der Pflegegrat wird dann übersetzt in Leistungen Und zwar sehr kleinteilig.

00:25:21: Also da kann man dann, je nachdem was man vom Pflegegrad hat, dann kann man zum Beispiel die Pflegehilfsmittelbox beantragen Dann kann man irgendwie Tagespflege beantragten und es ist unglaublich kleinteillig.

00:25:33: Es gibt so viele Einzelleistungen, die einzeln beantragt werden müssen Die dann entsprechend begutachtet oder genehmigt werden mussten.

00:25:42: Ein unfassbarer bürokratischer Aufwand.

00:25:45: Den zurecht im übrigen auch pflegebedürftigen anmahnen, dass wir da mal ein bisschen von der Bürokratie runterkommen.

00:25:53: Wir wollen da künftigen ganz anderen Weg gehen.

00:25:55: Es wird Budgets geben und zwar nicht mehr kleinteilige Einzelthemen sondern es wird im Wesentlichen zwei Budgets gegeben und innerhalb dieser Budgets kann dann jeder für sich selber entscheiden was er mit dem Geld tatsächlich machen will und ganz individuell sich einen Setting daraus zusammen bauen.

00:26:14: wenn wir den Weg gehen, dann kommen ja auch eher den Bedürfnissen der Pflegebedürftigen entgegen.

00:26:21: Weil die dann selber – ich glaube sie wissen auch selber viel besser was für Sie der richtige Weg ist und da sind doch wir nicht aus Politik, diejenigen die dann sagen ihr dürft aber nur das und dieses und jenes und des dürft es ja nicht und so.

00:26:32: Das ist überholt!

00:26:36: Da haben Sie schon wichtigen Punkt angesprochen, denn sie haben ja auch gleich eine Lösung mitgeliefert.

00:26:40: Ich glaube wir sind alle in Deutschland – ich zumindest ist meine Wahrnehmung sehr problemorientiert unterwegs!

00:26:46: Wir meckern gerne und erzählen was nicht funktioniert aber die Lösungen werden selten dann mit kommuniziert.

00:26:53: Da schließt sich auch meine nächste Frage an, liebe Frau Staffler stellen wir uns mal vor, Sie hätten heute einen Zauberstab und könnten im Deutschen Bundestag Drei Dinge im deutschen Pflegesystem sofort ändern, ganz ohne Koalitionsverhandlungen in der Haushaltsdebatten oder Bürokratie.

00:27:07: Was würden Sie als allererstes anpacken?

00:27:10: Also es allererste wäre, dass wir ein bisschen den Fokus einfach schwenken.

00:27:15: In der öffentlichen Debatte und das gilt für die politische Debatte gleichermaßen haben wir häufig den Fokuss auf die stationäre Pflege also sprich da wo wir im Pflegeheimen unterwegs sind und wo Menschen wirklich dann voll untergebracht sind in dem Pflegeheim.

00:27:35: Gleichzeitig muss man wissen, in Deutschland sind sechsohn-achtzig Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause.

00:27:42: In der Häuslichkeit werden sie gepflegt vom pflegenden Angehörigen, von Pflegediensten – was auch immer!

00:27:49: Aber in der politischen Debatte spielen die irgendwie gar nicht die große Rolle, weil wir den Fokus auf einen anderen Bereich gesetzt haben.

00:27:55: und ich glaube wenn wir sehr viel stärker uns Gedanken machen über die Pflege in der Häuslichkeit und eben weniger den Fokus auf die Pflege in den Einrichtungen setzen.

00:28:08: Dann glaube ich wäre schon mal viel gewonnen, weil wir einen ganz anderen Blick dafür bekommen.

00:28:13: was brauchen denn eigentlich die Pflegelbedürftigen?

00:28:16: Ja und im Blick sollten wir auch werben auf Deutschland insgesamt, denn unser Land wird glücklicherweise ja auch immer älter.

00:28:23: Haben wir als Gesellschaft eigentlich schon verstanden, welche gewaltige Herausforderung bei der Pflege auf uns zukommt oder verdrängen wir das Thema noch immer?

00:28:32: Also die Zahlen sind da sehr eindeutig und die kennen wir natürlich alle, aber ich habe häufig das Gefühl dass sozusagen die Augen davor verschlossen werden was es dann tatsächlich auch mit sich bringt.

00:28:44: Und was ist eigentlich am Ende des Tages bedeutet?

00:28:47: Im Übrigen Sie haben sehr richtig gesagt Deutschland wird immer älter.

00:28:50: Es bedeutet aber nicht dass das Älterwerden auch gleich zu setzen ist mit gesund ältern.

00:28:57: Deswegen, also auch da nochmal den Blick drauf gelenkt.

00:29:03: Wenn wir wirklich diese demografische Welle die in der Pflege auf uns zukommt gut abfedern wollen dann gibt es aus meiner Sicht nur ein Rezept das wirklich langfristig tragfähig sein wird und das ist das Thema Prävention.

00:29:20: Reden wir viel zu wenig darüber!

00:29:22: Da haben Sie heute die Gelegenheit, mit mir darüber zu sprechen.

00:29:25: Politik gilt ja als ein hartes Pflaster mit viel Druck öffentlicher Kritik, langen Verhandlungen – was hat sie damals an diesem Betrieb am meisten überrascht, als sie nach Berlin gekommen sind und Selbstteil davon wurden?

00:29:38: Das ist eine gute Frage tatsächlich!

00:29:41: Ich bin aus der Wirtschaft in die Politik gekommen und so die Abläufe wie hier miteinander gearbeitet wird Das ist es schon allein so Themen wie man kommt hier in eine öffentliche Verwaltung.

00:29:59: Da gibt's viele Formulare, die ausgefüllt werden wollen.

00:30:03: Da gibts viele auch so bürokratische Themen, die man einfach in einem privatwirtschaftlichen Unternehmen im Zweifel sehr viel schneller und schlanker handhabt als wir das jeden ganzen Bundestag machen!

00:30:17: Also das hat mich am Anfang schon echt sehr überrascht, erstaunt und manchmal auch echt furchtbar genervt.

00:30:24: Wo man dann da so sitzt die Hände über dem Kopf zusammenschlägt und sich denkt ja Herrschaften können wir doch alles auf viel einfacher machen Aber man muss auch lernen, in so einem Betrieb dann klarzukommen und das einfach anzunehmen.

00:30:47: Man sollte sich den kritischen Blick darauf behalten.

00:30:53: Schadet mich aus meiner Sicht.

00:30:55: Definitiv, also diese Betriebsblindheit sollte man sich nicht aneignen finde ich.

00:31:00: Sie fordern ja selbst eine stärkere Entlastung für pflegende Angehörige und mehr Angebote vor Ort.

00:31:05: Was sagen Ihnen denn Angehörtige oder Pflegekräfte hinter verschlossenen Türen was öffentlich oft nicht ausgesprochen wird?

00:31:11: Wir sind ja heute unter uns sie können mit mir offen reden.

00:31:18: Also das, was hinter verschlossen in Thüringen gesprochen ist meistens gar nicht so viel unterschiedlich von dem, was tatsächlich auch in der Öffentlichkeit gefordert wird.

00:31:28: Die Gewichtung und die Priorisierung ist man halt so ein bisschen anders.

00:31:32: Also da, wo wir teilweise dann in den öffentlichen Debatten auch bestimmte Dinge, die zum Beispiel von Gewerkschaften gefordert werden und so sehr viel Stärke im Vordergrund haben, höre ich dann wenn ich jetzt z.B.

00:31:46: in der Pflegeeinrichtung unterwegs bin von den Pflegekräften vor Ort, die sagen naja das ist schon Thema!

00:31:52: Und natürlich ist es irgendwie... also ich nehme mal jetzt mal ein Beispiel des das Thema Bezahlung.

00:31:59: Wir haben lange und aus gutem Grund, glaube ich in der Gesellschaft auch dafür gekämpft dass Pflegekräfte besser bezahlt werden.

00:32:09: zu Recht weil die Bezahlungen in der Pflege tatsächlich schlecht waren.

00:32:15: Das haben wir lange gemacht dafür gekämpft und das hat sich auch wirklich maßgeblich was verändert.

00:32:21: Mittlerweile ist der Median für eine Pflegefachkraft, also wenn sie vollzeit tätig ist bei viertausend dreihundert Euro etwa im Monat.

00:32:32: Das ist jetzt nicht mehr so schlecht, sondern das hat sich wirklich was nach dem positiven Sinne getan.

00:32:39: und wenn man jetzt da fragt dann hört man natürlich an den meisten Stellen trotzdem immer noch ja aber es ist immer noch nicht optimal und da muss immer noch etwas getan werden.

00:32:52: die Pflege muss besser bezahlt werden.

00:32:53: auch heute noch Wenn ich mit einer Pflegefachkraft spreche vor Ort, dann sagen die Ja das stimmt schon.

00:32:59: Also da darf natürlich die Uhr nicht zurückgedreht werden.

00:33:04: und aber unterm Strich sind es eigentlich andere Themen für uns in der Priorisierung vielleicht sogar noch relevanter.

00:33:13: sind auch da ein Beispiel Arbeitsbedingungen.

00:33:18: Also wie werden die Arbeitsbedingungen vor Ort in den Einrichtungen gestaltet?

00:33:23: Und da gibt es, glaube ich schon an vielen Stellen noch Luft nach oben und kann man an vielen Stellschrauben auch drehen was halt eben auch dann gemeinsam passieren muss.

00:33:32: Also diese Baustellen gibt es definitiv.

00:33:33: das Gehalt, das Einstiegsgehalt haben Sie ja schon erwähnt.

00:33:36: Da kommen ja oft auch noch Zuschläge für Nachtdienste, Wochenenddiensten, Feiertagsdienster dazu.

00:33:42: Was müsste denn dennoch passieren damit Eltern ihren Kindern mit Überzeugung sagen Pflege und abhängig vom Gehalt?

00:33:47: Pflege wäre ein toller Beruf für dich in der Zukunft.

00:33:51: Ich glaube die Pflege hat tatsächlich so'n Imageproblem Und das zeigt sich tatsächlich gerade bei jungen Menschen, die den Wunsch für die Pflege äußern.

00:34:06: Dann kommt eben genau das von den Eltern, weil sie in meinen Augen häufig ein falsches Bild auch von der Pflege haben.

00:34:11: Die Pflege hat viele Aufstiegsmöglichkeiten.

00:34:20: anerkannte Ausbildungsberuf, der auch mit viel Kompetenzen – also wo die Pflegekräfte viele Kompetensen erlernen müssen und das Hochkompetent in der Praxis umsetzen.

00:34:35: Und gleichzeitig ist es ein Beruf, der sehr nah an den Menschen ist, wo sehr viel auch an Wertschätzung passiert, positiven, lebendigen Erlebnissen auch irgendwie mit einher geht und so.

00:34:53: Also das ist wirklich ein unglaublich schöner Beruf!

00:34:57: Und es wird in der öffentlichen Wahrnehmung gar nicht zurücksehen.

00:35:00: ich werbe immer sehr dafür dass wir brauchen eigentlich viel mehr Rollmodels die die Pflege auch positiv nach außen verkaufen.

00:35:08: ist total großartig, dass es mittlerweile ein Haufen Influencer als Pflegeinfluencer gibt die in den sozialen Netzwerken zeigen wie toll dieser Beruf auch ist.

00:35:19: Wie vielfältig der Beruf ist und was da alles dahinter steckt und davon brauchen wir viel mehr.

00:35:25: Die brauchen wir und was wir auch brauchen ist Wertschätzung.

00:35:27: Die haben sie schon angesprochen.

00:35:29: während der Covid-IX Pandemie wurde für Pflegekräfte auf Balkonen geklatscht und auch andererorts.

00:35:35: Jetzt sind wir sechs Jahre später unterwegs.

00:35:37: Was ist denn von dieser Wertschätzung Ihrer Meinung nach tatsächlich geblieben?

00:35:40: Ist diese Wertschättung immer noch ausreichend vorhanden oder können wir da alle noch ein bisschen nachlegen?

00:35:46: Also ich glaube in der Theorie ist die schon vorhandene, aber tatsächlich in der öffentlichen Debatte natürlich in den Hintergrund gerückt Und das ist aus meiner Sicht schon ein Thema, dass man wieder verbessern kann.

00:36:00: Ich bin froh um jede Debatte die wir auch rund um die Pflege öffentlich führen, wo wirklich nochmal deutlich gemacht wird wie wichtig die Pflege ist und wie viel Anstrengung wir dann reinstecken müssen, damit der Pflege besser geht.

00:36:21: Liebe Frau Staffler, wir sprechen ja häufig auch über Digitalisierung in der Pflege.

00:36:25: Also auch über künstliche Intelligenz.

00:36:27: kann denn diese Technik wirklich entlasten oder macht sich vieles vielleicht auch erst komplizierter?

00:36:34: Es kommt immer auf die Technik drauf an.

00:36:36: also wenn es gute Technik ist soll es optimalerweise schon besser werden und ich bin tatsächlich inhaltlich voll überzeugt davon, dass Digitalisierung das neue Technologien, das KI in der Pflege dazu führen können.

00:36:49: Dass man den eklatanten Fachkräftemangel, den wir ja haben – der ist ja heute schon da -, dass wir das abmildern können.

00:36:57: Wir werden allein dadurch, dass wir versuchen irgendwie mehr Pflegekräfte zu bekommen.

00:37:02: Das Problem der Dengriffkurung, wir brauchen die Technik und damit meine ich ganz explizit bedürftigen künftig von Robotern gepflegt werden.

00:37:15: Das ist es explizit nicht, sondern wir brauchen die Maschinen und die Technik dafür dass sie die Pflegekräfte entlasten das die Pflegekräfte mehr Zeit für den Menschen haben.

00:37:24: Liebe Frau Staffler man sagt ja oft der Umgang mit den Schwächsten zeige den wahren Charakter einer Gesellschaft.

00:37:30: was verrät denn unser umgang mit pflegebedürftigem und pflegekräften über Deutschland?

00:37:37: Also ich glaube, dass wir nach wie vor auch in so einer finanziell wirklich schwierigen Situation nicht dazu übergehen zu sagen okay da muss man jetzt einfach Leistungen streichen weil das könnte man ja theoretisch auch tun.

00:37:50: Dass man die Versorgung damit deutlich auch verschlechtert.

00:37:53: Das zeigt glaub ich schon, dass Wir ein sehr hohes Verständnis dafür haben wie schwierig die Situation für pflegebedürftige und pflegende Angehörige tatsächlich in der Praxis ist Und dass wir da praktisch an der Stelle nicht mit den Rotstift ansetzen wollen.

00:38:11: Gleichzeitig muss man natürlich auch feststellen... dass unsere Gesellschaft diese Themen rund um Pflege, um Tod und Sterben gerne in den Hintergrund rücken würde und gar nicht so sehr beachten möchte.

00:38:28: Das zeigt natürlich schon auch, dass wir da noch eine offene Flanke haben und dass man da noch besser werden können.

00:38:36: Und ich glaube daran muss man gemeinsam arbeiten!

00:38:40: Daher, wir sind fast schon am Ende der heutigen Folge angekommen.

00:38:43: Frau Staffler, wie schaffen Sie es denn bei so vielen schwierigen Themen optimistisch zu bleiben?

00:38:47: Haben sie irgendein außergewöhnliches Hobby Schlammcatchen oder irgendetwas was Sie so ein bisschen herunterholten?

00:38:53: Schlammmcatch'n!

00:38:54: So, auf eine nette Idee.

00:38:57: Also tatsächlich bin ich ... Ich rede ja immer gerne und viel über Prävention Und dazu gehört natürlich auch der Sport, das versuche ich für mich selber auch entsprechend umzusetzen.

00:39:09: Ich laufe viel und da kriege ich tatsächlich einen Kopf frei!

00:39:14: Das ist schon so ein Thema... Jenseits dessen weiß man ja aber auch mittlerweile, dass sowas wie gute Gesellschaft Freunde das aufgehoben sein in einem gesunden privaten Umfeld schon extrem wichtig ist um langes und gesundes Leben zu leben.

00:39:35: Deswegen gehöre ich schon auch zu den eher geselligen Typen und versuche da auch irgendwie dafür Raum zu finden in dem stressigen Alltag manchmal.

00:39:48: Also das gehört aus meiner Sicht schon auch dazu.

00:39:50: Aber jenseits dessen, weil sie gesagt haben wie ich schaffe den Optimismus nicht zu verlieren.

00:39:56: Das ist Gott sei Dank was... Ich bin so fast manchmal schon in die krankhafte Richtung zu gehen.

00:40:05: Der Optimismus, der geht mir eigentlich nicht verloren.

00:40:07: Wenn jemand ja immer glaubt das es am Ende dann schon irgendwie gut wird und dass man da irgendwie auch den richtigen Weg findet.

00:40:15: Und das ist glaube ich die richtige Einstellung weil sonst verzweifelt man in der Politik.

00:40:19: Also wer in der CSU aus Bayern kommt kann ja nur gesellig sein.

00:40:24: Da haben sie schon mal gute Voraussetzungen.

00:40:27: Die letzte Frage liebe Frau Staffler für heute stellen Sie sich vor wir sitzen in zehn Jahren wieder hier vielleicht auch in fünf.

00:40:33: bekommen bei mir.

00:40:35: Welche Entwicklung in der Pflege würden Sie sich denn wünschen, damit sie sagen können nach ein paar Jahren wir haben die Herausforderungen jetzt wirklich gemeistert?

00:40:47: Also ich glaube, die Entwicklung, die ich nicht nur mir, sondern allen Menschen in Deutschland auch wünschen würde ist dass wir stärker dazu übergehen.

00:40:57: Nicht mehr das Problem zu behandeln, wenn schon im Brunnen gefallen ist sprich der Mensch pflegebedürftig ist, sondern dass wir uns sehr viel stärker darauf fokussieren die Pflegebedurftigkeit gar nicht erst eintreten zu lassen.

00:41:10: Nicht nur weil es natürlich irgendwie finanziell besser wäre, wenn weniger Menschen pflegebedürftig werden einfach dem Einzelnen auch hilft, wenn er möglichst lange gesund selbstständig zu Hause auch alt werden kann und die Pflegebedürftigkeit gar nicht erst eintritt.

00:41:27: Also wenn wir in die Richtung stärker uns fokussieren dann glaube ich ist allen geholfen nicht nur den Pflegekassen sondern auch dem Einzeln an sich.

00:41:35: deswegen das wäre schon mein Wunsch dass man da den Fokus entsprechend setzen.

00:41:40: Na, das wünschen wir doch jedem.

00:41:42: Es geht eben nicht nur um Reformen und Zahlen sondern auch im Würde vor allem um Respekt und die Frage wie wir als Gesellschaft miteinander umgehen wollen.

00:41:49: Also liebe Frau Staffler ich darf Ihnen herzliches Dankeschön aussprechen.

00:41:53: es war ein sehr offenes sympathisches Gespräch in einem Thema oder über einen Thema dass ja oft zu wenig Aufmerksamkeit bekommt.

00:42:00: das haben wir heute wieder ein bisschen ändern können.

00:42:02: Ich danke ihnen sehr für ihre Zeit und wünsche ihnen ein gesundes.

00:42:06: Ich wollte schon sagen, alles Gute für die Zukunft.

00:42:09: Und das ist sich weiterhin so gut für die Pflege umzuschienen!

00:42:12: Vielen lieben Dank hat mir viel Spaß gemacht und vielen dank dass wir das Thema mal auf die Agenda heben durften.

00:42:19: Das war Schüchtern bis Nöchtern der Publicity Podcast von André Puchter.

00:42:25: Alle Infos zu dieser Folge auf

00:42:27: www.schüchturnbismüchdern.de.

00:42:30: Vielen Dank fürs Zuhören.

00:42:32: und

00:42:32: bis zum nächsten Mal Schlager Radio Podcast.

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